Fürs Notizbuch

Routiniert nach Island

Spielt den gleichen Song nochmal! Ja, wir sind die Urlaubgewordene Cantina Band. Wir sind wieder in Island und wir sind wieder drauf und dran jegliche Regeln der Vernunft zu brechen. Denn wäre es nicht vernünftig irgendwann im mittleren Alter auf Erholung zu setzen? Vielleicht. Aber unsere Pläne sehen anders aus. Sofern wir denn überhaupt einen haben. Es hat sich eine gewisse Arroganz eingeschlichen. Früher (also genau genommen vor 3 Monaten) wurden Urlaube noch akribisch geplant. Es wurden nie zuvor gesehene Orte und das Abenteuer gesucht. Dieses mal ist es eher so ein „Joa… das wird schon gut“ und zur Verteidigung sei gesagt, dass es das recht sicher auch wird.

Also dann. Wir sind in Island. Die nächsten knapp 2,5 Wochen dürfen wir demütig bewundern, wie schön die Welt sein kann. Wir werden wieder unfassbar viele Kilometer abreißen und ich warne jetzt schon mal vor, dass meine Rechtschreibschwäche auch in diesem Urlaub den ein oder anderen Satz schwer zu lesen machen wird.

Als kleine Neuerung habe ich mir dann aber doch noch 1-2 Sachen überlegt. Zum einen möchte ich mir festhalten, wie viele Kilometer tatsächlich pro Tag gefahren wurden. Außerdem haben wir Steine bemalt und wollen diese aussetzen. Falls ihr jetzt denkt… „Moment, ihr habt Steine in den Koffern mit nach Island genommen?!“ Ja, haben wir und wir freuen uns darüber. Die nächsten Artikel werden also immer mal wieder so eine Tabelle beheimaten:

Heute gefahrene Strecke216 Kilometer
HappyStone des Tages

Die eben noch verpönte Arroganz sollte sich heute aber durchaus auch als nützlich erweisen. Wir waren mit einem guten Freund verabredet, der uns zum Flughafen bringen sollte. Statt nun, wie üblich, 20-30min vor der Tür zu stehen und auf ihn zu warten (weil wir spontan annehmen, dass es von der einen Seite der Wohnungstür auf die andere Seite der gleichen Tür mindestens eine Stunde braucht…) gingen wir einfach mal pünktlich runter. Es ist fast so, als müsste man weniger warten, wenn man pünktlich ist. Das war schon angenehm.

Beim Flughafen gingen wir die Koffer abgeben und dann in Richtung Security. Dort passierte Sonderbares. Zum ersten mal in meinem Leben wurde ich NICHT „verdachtsunabhängig“ aufgrund meiner Drohne rausgezogen. Ich war fast ein bisschen enttäuscht. Aber andererseits ist es auch ganz schön, wenn man nicht seinen gesamten Rucksack aus- und dann umpacken muss.

Die Wartezeit am Gate war dann wie immer belanglos. Es passiert nichts und irgendwann darf man dann ins Flugzeug. Wir saßen heute in der ersten Reihe. Das war schon nett. Beinfreiheit ist was feines und niemand sitzt vor einem. Das heißt, es kann auch niemand vor dir seinen Sitz in eine Liege umbauen und dir damit den kurzen Flug möglichst ungangenehm machen. Die erste Reihe im Flugzeug ist echt super für introvertierte Menschen. Als kleines Highlight kam dann das Essen.

kann man mal so machen

Optisch gestaltete sich das Menü dann etwa so.

Bier in der Teetasse

Ich weiß nicht, warum Menschen immer mal wieder über Flugzeugessen meckern. Bei Icelandair ist das bis dato jedes mal schon sehr lecker gewesen. Es ist halt ein Flugzeug und sicher würde man es in der Sterneküche besser anrichten. Aber hey, ich wurde satt, war happy und hab dann die Gunst des Moments genutzt und erstmal schön ne Stunde geschlafen.

Als ich die Augen wieder öffnete, waren wir eigentlich schon über Island. Aber zu meinem Bedauern auch noch über einer Wolke. Es sollte noch ein paar Minuten dauern, doch dann war es endlich soweit… Unter der Wolkendecke war mein geliebtes Island.

Home sweet home

Die Koffer kamen dann auch direkt und beim Mietwagenschalter zogen wir die Nummer 101, während gerade die 99 in Bearbeitung war. Das sollte also auch ratzfatz gehen.

Tatsächlich ging es schnell und dann hatten wir einen Mitarbeiter erwischt, der fragte, ob wir das erste mal in Island sind. Wir verneinten lächelnd. Das bewegte ihn nun dazu sämtliche Erklärungen zu überspringen und zum Wesentlichen zu kommen: Wo steht das Auto? Ach und so ganz beiläufig erwähnte er dann noch, dass wir ein Upgrade kriegen. Ich vermute mal stark, dass unsere gebuchte Klasse einfach nicht mehr da war. Aber hey… einem geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul. Nummernschildbedingt haben wir uns neuen Gefährt Haarald getauft.

Hyundai Santa Fe

Haarald macht irgendwie ab circa 80km/h eigenartige Dinge (so schwingende Vibrationen) aber davon ab, ist er schon ein echt schickes Auto. Wir werden morgen mal schauen, was Europcar dazu sagt. Vielleicht dürfen wir ja die Tage auch mal wieder in eine Werkstatt, wäre ja auch nicht das erste mal.

Wir gingen kurz noch einkaufen und dann starteten wir unsere erste Fahrt. Circa drei Stunden in den Westen ins schöne Örtchen Grundarfjörður.

Die meiste Zeit machte Island beim Wetter schon das, was wir von ihm erwartet haben. Es nieselte, war aber eigentlich schön hell und hier und da zeigte sich Himmel zwischen den vielen Wolken. Die Fahrt fühlte sich trotzdem genau so an, als würde ich nach einer Weile wieder nach Berlin fahren und endlich wieder den Fernsehturm sehen. Endlich ist man wieder Zuhause.

Ja und dann machte Island das, wofür wir es dann eben auch lieben. Das Wetter war wie beschrieben durchwachsen, kippte dann aber schlagartig ins traumhafte. Mitten auf einem Pass knallte der Himmel auf einmal ins rosarote. Die Sonne stand tief und der Moment wollte einfach, dass man ihn bewundert.

wow…

Tja, dann steht man da und weiß, warum man immer wieder herkommt. Die Wasserfälle, die Fjorde – alles wunderschön und toll. Aber so oft erlebt man mitten im Nirgendwo einen magischen Moment. Etwas, bei dem man erahnt, dass es so nie wieder passieren wird – nur damit gar nicht viel später der nächste magische Moment passiert. Hachja… ist schön hier.

Sonnenuntergang

Wir nutzten den „Wetterumschwung“ dann gleich noch aus und fuhren direkt weiter zum Kirkjufell. Das ist sowieso nur ein Steinwurf von unserem aktuellen Airbnb weg und bei so einem schönen Licht kann man den auch gut mitnehmen. Blöderweise ging die Sonne schneller unter, als wir Haarald fahren durften. Für eine schöne Abendstimmung hat es dann aber trotzdem noch gereicht.

Kirkjufell am Abend

Der letzte Halt für heute ist dann unsere Unterkunft. Hier fiel uns dann ein, dass wir ja eigentlich jeden Tag auch einen Happy Stone auswildern wollen. Die letzten Tage haben wir extra welche für Island bemalt und es wäre ja schade, wenn wir den Plan schon am ersten Abend verbaseln. Meine Frau fand dann einen tollen Platz für den ersten Stein.

Island Murphy

Der Stein hat übrigens auch eine echte schöne Aussicht.

Hübsch isses

Die Idee von so Happy Steinen ist ja, dass andere Menschen sie zufällig mal finden könnten. Der Stein liegt jetzt so, dass ihn wohl bestenfalls die Besitzer des Airbnb finden können, aber hey – die haben bestimmt auch Freude verdient.

Und nun ist es bereits nach 22 Uhr, ich sitze vorm Laptop, schreibe fröhlich über einen langen Tag und bin einerseits müde und andererseits freue ich mich wirklich, dass ich wieder hier sein darf.

Ich würde gerne sowas schreiben wie: Morgen erkunden wir die Gegend. Ehrlicherweise haben wir hier aber vermutlich schon alle Wege mal mitgenommen, die man mit einem Auto fahren könnte. Trotzdem hoffe ich natürlich drauf, dass der liebe Haarald morgen keine komischen Geräusche mehr macht und wir den Tag einfach damit verbringen können, die magischen Momente Islands weiter zu bewundern.

AufgabeWann / Wo erledigt?Beweisfoto
Stoße mit Fremden auf Island an
Platziere einen Happy Stone
Singe die isländische Nationalhymne
Verewige Murphy unwiderruflich und für immer in Island!
Spiele Tic Tac Toe vor einem Wasserfall mit einem Fremden
Posiere zusammen auf einem Foto mit mindestens drei Fremden
Verschenke ein selbstgemachtes Islandband!
Finde einen „Der Umweg hat sich gelohnt“ Ort
Mach ein Foto für das Plakat: Island – der Film!
Male das größtmögliche Speedsheep!
Sei einmal bis zum Bauchnabel im Wasser
Sei allein auf der Welt
„Es gibt kein schlechtes Wetter….“
Ein neuer Freund
Prüfe, ob das Elfenhaus noch steht und baue sonst ein neues

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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