Neues aus Island

War das schon immer da?

Eine neu gewonnene Lebensweisheit von heute ist, dass die Wege des Herren unergründlich sein mögen. Dafür sind die Wege in Island aus Schotter. Auch haben wir heute gelernt, wie nah sich phonetisch „Weitwinkel“ und „ans Bein pinkeln“ sind. Zumindest dann, wenn man ziemlich durch ist. Ihr seht jetzt schon, der Tag hatte einiges zu bieten.

Auf meiner persönlichen ToDo Liste für den Urlaub steht, dass ich an einem Tag ausschlafen werde. Dieser Tag sollte zu unser aller Überraschung nicht heute sein. Ich war gegen 5 Uhr wach und lernte die Freuden der Handyspiele kennen. Ich spiele gerade ein Spiel, wo man Wolle auf eine Spindel wickeln muss. Es erschien mir fair, dass ich das als Qualitätsurlaubszeit bewertete, während meine Frau noch ein bisschen länger den Schlaf der Gerechten schlafen durfte.

So gegen halb 8 Uhr fanden wir uns dann aber doch schon auf der Straße wieder. Frühstück wollten wir bei den ersten Sehenswürdigkeiten snacken und Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund. Ist es eigentlich noch „morgens“ wenn die Sonne bereits seit gut 4 Stunden aufgegangen ist? Egal. Wir starten in den Tag.

Und zwar tun wir das nicht mit einer Sehenswürdigkeit, sondern mit den Dingen, die das Leben so mitbringen kann. Nämlich dem ersten echten Schreckmoment im Urlaub. Das Handy vibrierte und unser Katzensitter meldete sich mit „Hast du kurz Zeit?“ Wir haben bereits erlebt, wie wir in den Alpen waren und bei uns in der Wohnung in Berlin ein Rohrbruch passierte. Auch ein Feuer im Nachbarhaus gab es schon mal, als wir im Urlaub waren. Welche Katastrophe war es dieses mal? Ihr ahnt es bereits – unser Katzensitter bekam die Herdplatte nicht an, um sich einen Leberkäse anzubraten. Was auch sonst? Ja, wir lieben unsere Freunde.

Immerhin gab es spätestens jetzt keinen Zweifel mehr daran, dass wir wach waren. Und so kamen wir sehr motiviert und immerhin gut versorgt mit aktuellen News unserer Kater beim Hraunfossar an. Für mich war das auch der Moment, der mir den ersten Drohnenflug des Urlaubs ermöglichte.

Neue Perspektiven

Es war auch der Ort, an dem wir mein Weihnachtsgeschenk ausprobierten. Ich habe davon zwar kaum Ahnung, allerdings wünschte ich mir seiner Zeit ein Weitwinkel-Objektiv. Durchaus mit dem Gedanken bei Island, da ich doch schon das ein oder andere mal feststellte, dass das Kameraauge ein zu kleines Blickfeld hat.

Nun war es jedoch so, dass ich viel zu beschäftigt damit war Videos aufzunehmen und mit dem Standard-Objektiv Spielerein mit dem Fokus auszutesten. In der Folge musste meine Frau das neue Objektiv einweihen. Das hätte sie auch total gern getan, aber die Kamera verweigerte mit dem neuen Objektiv erstmal den Dienst.

Die Wunderwelt der Technik impliziert auch immer so ein bisschen, dass man viel Toleranz mitbringen muss. Wusstet ihr, dass bestimmte Weitwinkelobjektive erfordern, dass man in den Einstellungen der Kamera einrichten muss, dass „kein Objektiv“ genutzt wird? Nach genug Irritationen und einer Internetrecherche habe ich gelernt, dass das wohl für Teile der Menschheit ganz normal ist und wir selbst Schuld sind, dass wir es nicht direkt wussten. Aber gut – wir haben es dann eingerichtet und tatsächlich ist so ein neues Objektiv auf einmal ein ganz tolles Erwachsenenspielzeug. Vor allem dann, wenn die Landschaft Dinge anbietet – tut sie in Island.

Island mit Herz

Insgesamt liefen wir echt viel dort umher und haben die Kameras schon mal dran gewöhnt, was die nächsten Tage wohl noch öfter auf sie zukommen wird. Ich kann mich hier aber auch nur wiederholen. Island ist einfach immer sehenswert und bietet bei jedem Blick Fotomotive. Und selbst so ein fotografischer Kleinkünstler wie ich kann hier mühelos so tun, als würde er die Ästhetik der Bildsprache verstehen.

Vordergrund macht Bild gesund

Ach, und falls ihr euch gefragt habt, wie es aussieht, wenn ich niesen muss während meine Frau ein Selfie von uns machen möchte: Auch darauf bin ich heute vorbereitet.

Haaaatschi

Der Plan danach sah so aus, dass wir mal Sachen machen wollen, die wir sonst noch nie in Island gemacht haben. Zugegeben, Ausschlafen wäre wohl eine offensichtliche- und sehr einfache Idee dazu gewesen. Aber ich meine natürlich nur Aktivitäten, die die Schönheit des Landes noch tiefer in unsere Herzen brennen.

Im Vorfeld hatte ich ein paar kleine Spots rausgesucht, die für genau so eine Situation richtig erschienen. Und der Weg zu unseren weißen Flecken Islands allein war schon wirklich schön. Schneebedeckte Berge, Gewässer hier und dort, und staubige Schotterpisten, die mich sogar an die Westfjorde erinnerten. Es war eine von den Fahrten, bei denen man jede Kurve staunt.

Neue Perspektive 2.0

Der erste geplante Stopp dieser neuen Tour sollte ein absichtlich gestrandetes Walfängerschiff werden. So alte stillgelegte Schiffe haben wir schon ein paar in Island gesehen, aber das war neu.

Neu war auch, dass Google Maps uns sagte „in 600m rechts“ und dann in 600m rechts schlicht eine Klippe war. Weder ein Parkplatz, noch ein Schiff waren auf den ersten Blick zu sehen.

Es stellte sich heraus, dass es keinen passenden Parkplatz gibt und eine gewisse Wanderung nötig wäre. Na gut, dann parken wir eben irgendwo und gehen mal los. Bevor wir aber waghalsige Wege losmarschieren, schauen wir vielleicht vom naheliegenden Hügel, ob sich das lohnt und für uns funktioniert.

Ich sag’s mal so, ich habe ein recht dramatisches Bild von mir bekommen, aber sonst hatte ich mir das ganze doch anders vorgestellt.

Drama Baby!

Man könnte theoretisch einen Trampelpfad über einen nassen Rasen inklusive Matsch folgen, um dann eine 3-4m hohe Schräge zum Strand irgendwie runter zu kraxeln und dann würde man vor zwei Schiffen stehen. Aber so richtig gefühlt haben wir das dann heute nicht. Es blieb dann dabei, dass wir die Schiffe vom Hügel begutachtet haben und unter „haben wir mal gesehen“ abgehakt haben.

Keine Wal mehr

Die Stimmung trübte das aber ganz und gar nicht. Ehrlicherweise dominierte immer noch das Gefühl, dass wir in einer für uns neuen Ecke sind und dadurch viel Neues aufsaugen können.

Keine 20 Minuten später sollte dann auch noch ein Wasserfall sein und da kann man in Island eigentlich nie wirklich was falsch machen. Direkt vor Fossarétt gab es sogar einen kleinen Parkplatz und man sah schon dort – das wird eine schöne Geschichte.

Es geht einen kleinen Hügel hinab, über eine Brücke, die einen etwa 10cm breiten Fluss… nun… überbrückt und vorbei an alten niedrigen Steinmauern. Vielleicht sind es so 5-10min Fußweg, bis man an einem kleinen aber schönen Wasserfall steht.

Knuffelig

Und da war es dann auch wieder – das gute Gefühl ein Entdecker zu sein. Klar, es gibt hier einen Parkplatz und diverse Zeichen (wie zum Beispiel eine Landstraße), dass vor uns andere Menschen bereits hier waren. Aber für diesen Moment steht man allein an einer Perle der Natur und die Welt ist in Ordnung.

Auf dem Papier hätte es dann noch irgendwie einen Stein gegeben, bei dem man bei der neuen Tour hätte halten können. Aber ja, es ist ein Stein und meine geologische Begeisterung war heute eher nicht vorhanden. Wir zogen es daher vor in Richtung Snæfellsnes und unserer nächsten Unterkunft zu fahren. Auf dem Weg sind noch mal ein paar schöne Gelegenheiten sich die Füße zu vertreten und bekanntlich werden die Tage so oder so lang genug.

Das liegt ehrlicherweise auch daran, weil man manchmal einfach Möglichkeiten sieht und nutzt. Auf meiner ToDo-Liste steht ja der Punkt, dass ich auf einem Regenbogen springe. Und mein Gedanke dahinter war der, dass man einen der vielen Regenbögen in Island erwischt und dann mit einer raffinierten Perspektive die Kamera so einrichtet, dass es so aussieht, als würde ich auf ihm springen. Doch dann sagte meine Frau die magischen Worte: „Ich muss Pipi“.

Bei einem Souvenirshop im Nirgendwo hielten wir an. Auf dem Parkplatz sah man schon das Schild fürs WC und dann sah ich, wie ich den Punkt der ToDo Liste noch viel eleganter lösen kann.

Huiiiiii

Zugegeben: Ein echter Regenbogen hätte wohl ein paar Farben mehr gehabt, aber dafür musste hier nichts getrickst werden. Wie die kleinen Kinder sind wir auf dem Teil für ein paar Minuten rumgesprungen. Es war großartig.

Mich amüsierte auch sehr, dass zwei „harte Kerle“ uns scheinbar sahen und warteten, dass wir gehen. Als wir dann zum Auto gingen, waren die beiden schon selbst auf dem Luftkissen und hüpften ihrerseits wie die kleinen Kinder rum. Als wir im Auto saßen, parkte dann neben uns ein Paar ein. Als der Mann ausstieg, sah man deutlich, dass er auch das Luftkissen sah und seine Augen sagten sehr deutlich, was er gleich machen möchte… Ich will an dieser Stelle auch aussagen, dass wir auf jeden Fall Trendsetter für Luftkissen hüpfen sind!

Wir fuhren dann weiter in leichtem Nieselregen und in eine Region, die wir schon recht gut kennen. So ein gewisser Wissensstand führt dann aber auch dazu, dass man vergleichen kann, wie es früher war und wie es heute ist.

Früher gab es beispielsweise zum Robbenstrand Ytri Tunga nur einen Modderweg mit Schlaglöchern. Heute ist das eine asphaltierte Straße mit einem formschönen Parkplatz hinten dran. Die Infrastruktur dort ist um Welten besser geworden und ich habe bei sowas sogar ein gutes Gefühl dann für einen Parkplatz 5 Euro zu bezahlen.

Und ja, am Robbenstrand gab es dann natürlich auch Robben. Sogar sehr viele davon. Dank Teleobjektiv und Suchfunktion der Kamera kann ich euch sogar mal einen Schnappschuss präsentieren.

Robbe Williams

Wir sind dann ein bisschen am Strand entlang. Immer wieder blieben wir stehen, suchten im Meer und am Strand nach Robben und fanden sie auch immer wieder. Es war eine schöne Bereicherung zum bisherigen Tag.

Eigentlich wollte ich dann doch langsam in die nächste Unterkunft. Ich war müde und meine Füße meldeten sich auch bereits. Doch meine Frau wusste vorzurechnen, dass es morgen ein viel zu langer Tag wird, wenn wir die Highlights von heute auch noch versuchen morgen mit aufzunehmen.

Keine 10 Minuten später standen wir dann also am Bjarnafoss. Und auch hier hat sich die Infrastruktur deutlich verbessert. Es gab hier zwar schon immer gute Wege, aber mittlerweile stehen hier auch kleine Infotafeln, die wirklich schön zu lesen sind.

Man erfährt dann beispielsweise, dass es damals einen Bauern namens Björn gab. Björn hatte ganz viele Schafe und noch mehr Reichtum in Form von Silbermünzen. Allerdings war Björn kein so feiner Kerl. Während eines Unwetters suchte ein Fremder bei ihm Schutz. Björn weigerte sich, worauf der Fremde finster sagte, dass Björn das bereuen wird.

Im nächsten Jahr fielen alle Schafe von Björn von einer Klippe und auch sonst passierte ihm viel Unheil. Björn wurde daraufhin wahnsinnig und warf erst sein Silber und dann sich selbst den Wasserfall herunter. Seither heißt er Bjarnafoss (Wasserfall des Björn). Die isländische Folklore will dazu berichten, dass man 1870 im Wasserfall eine Menge Silber fand und die Geschichte daher wahr ist. Ich lass das mal so stehen.

Kein Silber aber viel Wasser

Für uns ging es dann aber nun wirklich zur Unterkunft. Es ging nach Grásteinn, direkt vorm majestätischen Kirkjufell. Warum das was besonderes für uns ist, willst du wissen? Erzähl ich gern.

Wir waren hier schon mal und die Gastgeber (Anna und Oli) sind nicht nur Schafsbauern und AirBnB Betreiber, sie sind auch einfach großartig. Damals haben sie uns spontan zur Geburt von Lämmern mitgenommen und mich gebeten mit der Drohne Schafe zu hüten. Einfach tolle Menschen. Und es ist in der heutigen Zeit doch immer auch ein Zeichen von „Zuhause“ wenn man irgendwo ankommt und sich direkt das Wlan verbindet.

Und nachdem es letztes Jahr so schwierig war ein Foto mit einem wolligen Vieh zu bekommen, nutzte ich dann vorhin auch gleich eine Chance, als ein Zottelkopf entspannt am Grauskauen war. Das Foto mit dem Schaf hake ich damit auch von der ToDo Liste ab. Wenn das mal kein Lauf ist.

Bilder für die Ewigkeit

Danach wurde ich vom hiesigen „Wachhund“ begrüßt. Gestern habe ich ja bereits den Punkt abgehakt, dass ich einen neuen Freund gewinne. Heute hätte ich dazu noch ankreuzen können, dass ich einen alten Freund treffe. Ich hatte dann auch die Ehre seine 2 Gehirnzellen ein bisschen durchzukneten. Ich würde sagen, dass er sich gefreut hat, mich zu treffen.

Muff… Wuff machen…

Dann gingen wir noch eine Runde auf dem Bauernhof entlang und wurden Zeuge einer Szene, bei der ich mich auch fragte, ob es das überhaupt schon mal auf der Welt gab. In einem Stall stand ein Lamm einem konfrontativen Vogel gegenüber. Vogel piepste wie blöd und plusterte sich auf. Das Lamm war sichtbar irritiert und watschelte immer mal wieder auf den Vogel zu und ging wieder zurück…. es war sehr spannend.

Fightclub Island Edition

Aber gut… ich widmete mich dann doch noch mal den wichtigen Dingen.

Ich werde hier wirklich gebraucht

Es stellte sich dann auch noch heraus, dass nicht nur Katzen und Hunde sich von mir kraulen lassen. Auch wenn Schafe und Ziegen vor mir weglaufen – Pferde tun es nicht. Genau genommen besteht mein Urlaub eigentlich nur daraus, dass ich von A nach B fahre und Tiere kraule. Es ist ein gutes Leben.

Bisschen viel Pony

Und nun sitze ich eben wieder hier, schreibe meinen Blog und bin sehr zufrieden mit dem Tag. Ich schreibe und schreibe und denke so bei mir: „Ich hätte auch noch erzählen können, wie ich Pizzabrötchen gekauft habe“ oder „zwischendurch ist mir eine Dose Cappuccino in der Autotür aufgegangen“. Es war so ein Tag, wo am Ende so viel passiert ist, dass nur alles schon mehr in das Gefühl verschwimmt, dass es hier eine besondere Zeit ist und das fühlt sich wirklich gut an.

Wir werden uns jetzt noch gleich die Karten legen, wie wir den morgigen Tag gestalten wollen. Ziel werden am Ende die Westfjorde sein. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass unser Weg auch Morgen wieder das ein oder andere berichtenswerte für uns bereithalten wird.

In diesem Sinne – bis Morgen

AufgabeBeweisfotoStatus
Ein Foto mit einem Schaf 2.022.05.2026
Grásteinn
erledigt
Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen)
Eine coole Schattenfigur machen
Posieren mit einer Islandflagge
Baue eine Eisskulptur
Umarme einmal Island (so gut es geht)
Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto
Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest
Ausschlafen!
Sei einmal außerhalb des Badezimmers richtig nass
Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages
Springe auf einem Regenbogen22.05.2026
Snæfellsnes
erledigt
Verschwinde im Dampf
Hab ein typisch isländisches Frühstück
Warte geduldig auf einen Wal
Gönn dir Lakritzeis
Halte einen „Warum tue ich mir das an?“ Moment fest
Einen neuen Freund finden21.05.2026
Hafen von Borgarnes
erledigt
Schreibe eine isländische Saga
Errichte ein Elfenhaus

Habe die Ehre
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