Wortfindung und Sightseeing
Also dann. Ein neuer Tag, ein neues Glück. Während dieser Ausspruch in Deutschland recht oft zur Floskel verkommt, hält Island bislang wirklich viel abwechslungsreiches Glück für uns bereit.
Heute früh sollte es dann vom Süden der Westfjorde in deren Norden gehen. Es war übrigens auch heute, als ich merkte, dass die Westfjorde in meinem Kopf quasi ein eigenes Land sind. Wir machen also gerade Urlaub in den Westfjorden, bevor wir dann bald Urlaub in Island machen.
Jedenfalls wollten wir heute nach Ísafjörður. Wenig überraschend war der Plan auch einmal mehr so, dass wir auf dem Weg ein paar Highlights abklappern wollten. Ich muss gestehen, dass der heutige Tag wenig mitbringt, was in die Kategorie „haben wir noch nie gemacht“ fallen würde. Aber das hinderte uns nicht daran eine gute Zeit zu haben und im Detail gibt es dann doch genug Unterschiede.
Für den ersten nostalgischen Moment sorgte heute eine Schotterstraße. Hachja, ich weiß noch, als wäre es gestern gewesen, als wir sie entlang fuhren und auf einmal einen Platten hatten. Heute schaut man an der gleichen Stelle völlig irrational auf die Anzeige für den Reifendruck und befürchtet jeden Augenblick wieder fallende Zahlen zu sehen. Wie das so bei irrationalen Ängsten ist – sie treten erstaunlich selten ein. Stattdessen konnten wir gut gelaunt bei einem Wasserfall den ersten Halt einlegen und die ersten Fotos und Videos des Tages machen.

Ich bin auch etwas Drohne geflogen, allerdings sind die Vögel hier derart in der Überzahl und nicht so begeisterungsfähig für Drohnen in Ihrem Brutbereich, dass ich recht schnell wieder landete.
Die Straße ein bisschen weiter findet sich dann ein ehemals verlassenes Haus. Ehemals deshalb, weil es zwar technisch gesehen verlassen ist, jemand es aber Jahr für Jahr mehr als Touristenort ausbaut.

Mittlerweile stehen dort Sessel, ein Gästebuch, es hängt ein Bild von Marilyn Monroe und irgendwie ist es wie eine hausgewordene Grabbelbox mit allmöglichen Krimskrams. Es ist auf jeden Fall ganz nett.

Vor dem Haus stehen dann noch drei Elfenhäuser. Die hatten wir auch früher schon mal gesehen. Neu ist jedoch, dass vor den Häusern eine Art Pool gebaut wurde. Da bereits eine einzelne einsame Münze im Pool lag, haben wir beschlossen eine zweite dazu zu werfen. Die guten Feen hier dürfen durchaus auch etwas Geld für die Schönheit der Natur bekommen.

Wir fuhren dann weiter und gefühlt wechselte das Wetter unabhängig von der Lichtstimmung alle paar Kilometer. Freundlicher Regen und freundliche Sonne sorgten dafür, dass wir gut gelaunt auf einem Parkplatz ankamen, auf dem wir erstmal frühstückten. Hot Dogs mit Rucola und Käse sind zurzeit wieder sehr hoch im Kurs.
Meine Frau wanderte dann ein bisschen durch die Gegend, während ich feststellte, dass ich problemlos ein Nickerchen im Fahrersitz machen kann, ohne dass ich auch nur so tue, als müsste ich mich bequem hinlegen. Im Ergebnis gibt es dann aber auch nur schöne Fotos, die meine Frau gemacht hat.

Als ich niesend aufwachte, war sie aber natürlich auch zur Stelle und konnte auch diesen Moment stilvoll festhalten. Ihr ahnt gar nicht, wie viele Aufnahmen es am Ende des Urlaubs gibt, wo einer von uns gerade niest.

Etwa 20 Minuten später waren wir dann auch schon beim Dynjandi angekommen. Auf dem Parkplatz ließ ich es mir dann nicht nehmen und erledigte erstmal einen weiteren Punkt der ToDo Liste. Die Aufgabe war, einen Murphy auf ein schmutziges Auto zu malen. Nichts leichter als das.

Für andere mag es eine schmutzige Heckscheibe sein. Für mich ist es die perfekte Leinwand. Ich zeichne auch erstaunlich oft schon wieder ein „Speed sheep“ auf fremde Autos. Manchmal frage ich mich, was Leute denken, wie sie zu ihrem Auto zurückkommen und erstmal halbe Comics im Schmutz finden. Ich hoffe schon, dass sie sich ein bisschen freuen. Vielleicht erlebe ich es ja mal, wie es jemand entdeckt.
Jedenfalls waren wir dann beim Dynjandi und stellten nun endgültig fest, dass zurzeit die Schneeschmelze im vollen Gange ist. Schon die letzten Tage war der Eindruck, dass die Wasserfälle zurzeit sehr viel Wasser führen. Der Dynjandi war heute ebenfalls seeehr gewaltig und definitiv mit mehr Wasser unterwegs, als die letzten male.
Ein Highlight im Highlight war dann, dass wir die oberste Plattform dann ganz für uns allein hatten. Klar, der Wind schob eiskalte Gischt quer über die Plattform und es war arschkalt und nass. Aber es war auch schön und richtig majestätisch. Wir fühlten uns sogar mal kurz dazu berufen „Ich bin der König der Welt!“ zu schreien.

Auf dem Weg nach unten hatte ich dann irgendwie den Gedanken, dass der Dynjandi durchaus auch eine kleine Saga verdient hätte. Mein Kopf ist ja bei sowas relativ stumpf. „Find ich gut“ reicht für gewöhnlich aus, dass zwei grauen Zellen direkt aus einem Thema was machen. Heißt also, es gibt auch heute wieder eine Saga in Reimform.
Dynjandi
Einst war ein Troll aus dem Hochland, der wollte Fjorde sehen
Quer durchs Land ging er und musste dabei Vulkane überstehen
So stark sie ist – keine Gefahr der Natur hielt ihn auf
Für seinen Traum nahm er Wind und Wetter in Kauf
Nach langer Reise, im Westen fand er einen Fjord, wie ein Juwel
Vor Glück flossen seine Tränen wie reißende Bäche ohne Hehl
Seine Augen so wässrig, er sah nicht als die Sonne aufging
Er wurde zu Stein als das Glück an ihm hing
Und stehst du in den Westfjorden und bist glücklich wie nie
Dann tu es ihm gleich und weine wie der Troll von Dynjandi
Einmal mehr bin ich nicht Goethe. Aber vielleicht gibt es irgendwann doch mal ein ganzes Buch voll mit meinen eigenen Sagen und Geschichten? Wer weiß. Mir wurde per Whats App mitgeteilt, dass die Saga gestern auch etwas düster war. Hallo? Da stirbt einmal ein Seefahrer… so ein bisschen Melancholie und vor allem Dramatik muss doch sein, oder? Wir diskutieren das ein andern mal aus.
Für uns ging es weiter vom Dynjandi auf die andere Seite des gleichen Fjordarm. Nebenbei möchte ich euch die Anekdote überliefern, dass meine Frau und ich im Auto saßen und immer mal wieder im Sprechen aus einem Parkplatz, einen Barkplatz machen. Für diejenigen, die nicht so englischmächtig sind:
to park = parken
to bark = bellen
Es ergab sich die Situation, dass wir feststellten, dass vor uns gleich ein Parkplatz kommt. Kommentarlos machte meine Frau das Fenster runter und bellte aufgeregt nach draußen. Jap, wir sind erwachsen.
Auf der anderen Seite angekommen, stellten wir fest, dass der Regen uns heute doch ein bisschen mehr heimsuchen wollte. Am Wasser hatten wir noch die Hoffnung, dass wir wenigstens ein paar Robben sehen. Aber nein – die feinen Robben hielten es nicht für nötig sich mal blicken zu lassen.

Der Wasserfall selbst war zwar schön, aber fairerweise ist der Dynjandi heute auch so gewesen, dass ich nicht direkt wieder Euphorie aufbringen konnte. Ich musste wohl doch erstmal ein bisschen meinen Akku aufladen. Für euch haben wir natürlich trotzdem ein Bild mitgebracht. Wir sind da ja nicht so.

Danach ging es nach Holt. Dort gibt es einen schönen Pier und letztes Jahr im September konnten wir von da aus sogar Wale sehen. Heute war es ein Fjord mit Schnee, Wind und Wetter. Es war schön. Es war aber auch kalt. Wir machten also nur ein paar Fotos und dann ging es auch schon wieder weiter.

Es sollte mein Endgegner als Autofahrer kommen. Wisst ihr, ich fahre gern Auto. 200km/h auf der Autobahn? Kein Thema! Durch unbefestigtes Terrain bei Modder und Matsch? Ein Kinderspiel! Aber die Fahrt nach Ísafjörður? Ich sterbe jedes mal.
Es ist ein 6 Kilometer langer einspuriger Tunnel. Einspurig heißt nicht, Einbahnstraße – es gibt Gegenverkehr. Das läuft etwa so ab, dass man aus einer Richtung Vorfahrt hat und der Gegenverkehr dann in kleine Seitentaschen ausweichen muss.
In der Praxis nutzt die Vorfahrt halt nur bedingt viel, weil man immer noch anhand der Scheinwerfer abschätzen muss, ob der Gegenüber a) die Regeln kennt und b) sich rechtzeitig dran hält. Am Ende geht immer alles gut. Aber die 10 Minuten, die ich da durchfahre, lassen mich locker 3 Jahre altern.
Wir gingen dann ein bisschen Proviant einkaufen und beschlossen noch ein wenig weiter zu fahren. Die Regenwolken vom Fjord zuvor hingen noch fröhlich in den Bergkämmen fest und wir waren damit nun wieder in der prallen Sonne unterwegs.
Ich hatte gelesen, dass es nicht weit weg eine Sternwarte gibt. Die könnte man sich ja mal anschauen. Die Straßenkarte mahnte dann aber schon, dass es für die Ecke aktuell gar keinen Status gibt. Das kann gut sein, das kann schlecht sein. Wir haben beschlossen es herauszufinden.

Optisch war es auf jeden Fall gut. Schnee und Sonne ist einfach eine coole Kombination. Der Weg zur Sternwarte war dann aber vor Ort mit einem Seil abgesperrt an dem ein Schild hing „Geschlossen“. Tja… wir malten dann aber immerhin noch einen Murphy in den Schnee.

Danach fuhren wir noch zu einer Aussichtsplattform kurz hinter Ísafjörður. Ein paar Vögel flogen im Tiefflug an mir vorbei und wir genossen für eine Weile die wirklich schöne Aussicht.

Weil es sich dort anbot, ging ich dann auch noch eine Straße lang, die früher wohl mal zu einem Leuchtturm geführt hat. Heute steht vor der Straße ein Schild, dass sie sehr ramponiert ist und nicht mehr gepflegt wird. Als Fußweg war sie dennoch ganz ok. Obwohl man sich schon immer wieder dabei ertappt, wie man nach oben schaut und prüft, ob nicht doch der ein oder andere Stein locker ist.

Als letzte Amtshandlung checkten wir in unser Hotel ein und beschlossen, dass wir die Happy Hour mitnehmen könnten und gleich noch einen Snack essen. Das war im Grunde auch alles schön und gut. Bis zu dem Moment, wo meine Frau sich als „Absacker“ einen Amaretto bestellte. Die Kellnerin, bis dahin schon irgendwie etwas durcheinander, aber charmant, brachte wenig später einen Cocktail. Meine Frau wies sie auf den Irrtum hin und mit ganz viel entschuldigen, versprach sie, gleich das richtige Getränk zu bringen.
Ich sage mal so, laut Karte sollten es 3cl Amaretto sein. In der Praxis war es so, dass meine Frau und ich uns das Glas problemlos teilen konnten und wir beide danach gut lustig waren.
Morgen geht es dann schon wieder raus aus der Stadt und rein ins Abenteuer. Wir wollen gern im Tal von Valagil wandern gehen. Das Tal ist aber selbst in trockenen Sommern wasserreich. Wenn gerade wirklich Schneeschmelze ist, dann könnte das ein feucht-fröhlicher Spaß werden. Meine Frau hat aber genug Zuversicht für uns beide (wenn da mal nicht der Amaretto aus ihr spricht).
Aber auch sonst wird das morgen schon ein guter Tag werden. Das Ziel ist dann ein Cottage bei Holmavik. Dort waren wir auch noch nie. Es wird also mindestens auch eine Fortsetzung der Dinge geben, die wir noch nicht vorher hatte. Ich werde berichten.
In diesem Sinne
| Aufgabe | Beweisfoto | Status |
| Ein Foto mit einem Schaf 2.0 | ![]() | 22.05.2026 Grásteinn erledigt |
| Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen) | ||
| Eine coole Schattenfigur machen | ||
| Posieren mit einer Islandflagge | ||
| Baue eine Eisskulptur | ||
| Umarme einmal Island (so gut es geht) | ||
| Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto | ![]() | 25.05.2026 Dynjandi erledigt |
| Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest | ||
| Ausschlafen! | ||
| Sei einmal außerhalb des Badezimmers richtig nass | ||
| Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages | ||
| Springe auf einem Regenbogen | ![]() | 22.05.2026 Snæfellsnes erledigt |
| Verschwinde im Dampf | ||
| Hab ein typisch isländisches Frühstück | ||
| Warte geduldig auf einen Wal | ||
| Gönn dir Lakritzeis | ||
| Halte einen „Warum tue ich mir das an?“ Moment fest | ||
| Einen neuen Freund finden | ![]() | 21.05.2026 Hafen von Borgarnes erledigt |
| Schreibe eine isländische Saga | ![]() | 24.05.2026 Rauðasandur erledigt |
| Errichte ein Elfenhaus | ![]() | 24.05.2026 Rauðasandur erledigt |
Habe die Ehre
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