Ein Tag wie ein Marathon
Es mag eine berechtigte Frage sein, warum körperliche Erholung so gar keinen Platz in unserem Urlaub findet. Mir ist durchaus bewusst, dass mein Körper nicht endlos Energie hat. Tatsächlich war es sogar heute Morgen, als ich beim Frühstückstisch im Hotel saß und dachte: „Ein oder zwei Stunden mehr im Bett wären vielleicht nicht verkehrt gewesen.“
Doch bevor ich ernsthaft mit mir über die Ausrichtung des Urlaubs verhandeln konnte, saßen wir dann auch schon im Auto und machten das, was wir dann doch am besten können: Abenteuer erleben!
Der erste Stopp war tatsächlich auch sehr energieschonend. Wir fuhren mit dem Auto zu einem Wasserfall. Vom Parkplatz bis zum Aussichtspunkt waren es circa 50m. Selbst für den wehleidigen Urlauber in mir war das eine akzeptable Distanz zu laufen.

Man muss wohl kein Prophet sein, um zu wissen, dass es heute noch anspruchsvollere Sehenswürdigkeiten geben sollte. Speziell, wenn man weiß, dass meine Frau für heute 2-3 Wanderungen rausgesucht hat. Und nein, das sind keine Alternativen zueinander, dass sind alles Wunschziele.
Der Kompromiss für die altersgerechte Urlaubsplanung ist dann auch einfach der, dass wir statt 8 Kilometern nur 4 Kilometer bei der ersten Tour gelaufen sind. Soll niemand sagen, wir achten nicht auf uns.
Es ging durch das Tal von Valagil. Einmal mehr deutete der Wetterbericht zuvor an, dass es regnen könnte. Einmal mehr wussten wir es besser. Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein ging es los. Und wieder einmal waren wir ganz allein unterwegs.

Ehrlich gesagt kam mir die Tour dann gar nicht so lang vor. Wir waren schon mal hier. Da bestand der halbe Weg aus Matsch und jeder Schritt wollte wohlüberlegt sein. Heute spazierten wir gemütlich den Weg entlang. Ab und zu musste mal ein kleiner Bach überquert werden. Das war jedoch alles eher schön als anstrengend.
In der Ferne konnten wir sehen und hören, wie ab und an ein großer Stein vom Berg runterpolterte. Wir hatten genug Abstand zwischen uns und diesem Geschehen. Trotzdem erzeugte es ein mulmiges Gefühl, wenn durch ein ganzes Tal auf einmal ein Steinschlag zu hören ist.

Als Ziel hatten wir uns dann einen Wasserfall ausgeguckt. Wie schon die letzten Tage peitschte hier deutlich mehr Wasser den Hang hinab, als in den letzten Jahren. Lautes Getöse und glasklares Wasser, soweit das Auge reicht. Wir standen mit gutem Abstand zum Geschehen und verweilten ein paar Minuten. Es war ein richtig guter Start in den Tag.
Ich flog auch noch eine Runde mit der Drohne, aber ehrlicherweise sind die Fotos vom Boden besser geworden. Das macht aber gar nichts. Jede Minute fliegen ist eine gute Minute.
Nach dem Rückweg stellte ich fest, dass der Akku vielleicht leer ist – aber die Lust auf Island ist ungebrochen stark. Wir fuhren ein Stück und hielten bei einer Aussichtsplattform. Dort steht ein Silberkreisel, der anzeigt, wie die Berge und Inseln in den jeweiligen Richtungen heißen. Selbstredend stehe ich bei so einem Teil für alle wirklich guten Bilder im Weg.

Die zweite Wanderung des heutigen Tages sollte dann zum Lambagilsfoss gehen. Theoretisch – und das ist wirklich bestenfalls Theorie – kann man auch mit dem Auto zum Wasserfall fahren. Ich habe mal ein Bild der „Straße“ mitgebracht…

Zu Fuß kommt man aber relativ weit. Auch nicht direkt bis vor den Wasserfall, aber nah genug um ein paar schöne Eindrücke zu gewinnen. Als hätte ich es eben bereits angekündigt, bin ich hier nun noch mal ein bisschen mit der Drohne rumgeflogen und habe die hiesigen Wasserfälle dann zumindest aus der Luft von Nahem sehen können.

Der Weg kriegt von mir auf jeden Fall einen Bonuspunkt für seinen Abenteueranteil. Solltet ihr euch jemals nach Island verirren und hier sein: Ja, die ersten 10m der „Straße“ sehen gut aus. Den Part nach der Kurve seht ihr oben im Bild. Geht lieber zu Fuß. Vertraut mir da einfach.
Was dann folgte, ist wohl der Inbegriff von Situationskomik. Man stelle es sich so vor: Meine Frau und ich waren auf einem Parkplatz angekommen. Rund um diesen Parkplatz gibt es ein paar Fußwege. Nichts weltbewegendes, aber mit durchaus schöner Aussicht. Zu der Aussicht kommen wir gleich noch. Jedenfalls führen die Fußwege dann teilweise parallel entlang der Straße. Es war mir daher möglich, ein ganz wunderbares Gespräch aufzugreifen.
Auf der Straße hielt nämlich ein kleiner Minibus. Es stiegen Vater, Mutter und 2-3 Kinder aus. Und während die Eltern gebannt aufs Wasser schauten und Fotos machten, taten die kleinen Kinder das, was kleine Kinder so machen – richtig, sie laufen rum. Mit mal hört man die Mutter rufen „Aufpassen, da ist eine Straße“ und ich muss sagen: Das ist wirklich mein Humor. Auf der Straße parken, keine 100m von einem Parkplatz weg und dann Angst haben, dass Kinder auf die Straße laufen. Hätte es doch nur eine sicherere Variante für die Mutter gegeben.
Sei es drum – es muss auch solche Menschen geben. Wir waren offenkundig aber nicht für andere Menschen hier, sondern weil es hier Dinge zu sehen geben sollte. Die Rede ist natürlich von Robben!
Gestern beim Dynjandi haben sich die Robben nicht blicken lassen. Heute lag das faule Pack da rum und sonnte sich die Bäuche. Vielleicht bin ich neidisch, wer weiß.

Wie das dann immer im Leben so ist, will man natürlich aber auch das, was man dann eben nicht hat. Nachdem ich nun Robben hatte, wollte ich gerne Wale sehen. Erstmal hielten es die Wale aber so, wie die Robben gestern und waren nirgends zu sehen.
Ihr Pech ist (wobei es ihnen vermutlich egal ist), dass ich auf meiner ToDo Liste ja auch noch stehen habe, dass ich mal geduldig auf einen Wal warte. Heute sollte dann also der Tag sein, wo ich das mache.

Wisst ihr, so Wale in freier Wildbahn sind schon eine eigenartige Geschichte. Tatsächlich hatten wir heute das unfassbare Gück wieder welche zu sehen.
Emotional ist das ein ganz wundervoller Moment. Aber ich stelle immer wieder fest, dass es auf den Fotos und Videos wohl schwer zu vermitteln ist, wenn Leute nicht live dabei waren. In Naturdokus sieht das alles vielleicht noch spektakulärer aus. Die Realität hat halt manchmal kein Hochglanz, dafür aber ganz viel Seele. Daher verzeiht, wenn die Wal-Fotos keinen Superlativ bedienen. Für mich sind sie trotzdem heute das Highlight des Tages.


Für meine Frau war es nun an der Zeit die Pflicht eines jeden Beifahrers zu erfüllen und einfach mal mit offenem Mund neben mir zu schnarchen. Hat sie sich durchaus verdient, so lang wie die Tage bislang waren.
Ich musste sie dann aber doch noch mal wecken, weil nach einer Kurve auf einmal der Gervidalsárfoss auftauchte und erkundet werden wollte.
Zu meinem Glück war der Weg zum Wasserfall wieder recht kurz. Außerdem hatten wir einen Trampelpfad gefunden, der uns abseits des Hauptweges bis ans Wasser führte. Das war richtig malerisch und hat mir sehr gut gefallen.

Keine 20 Minuten später steht dann am Straßenrand die Ruine von einem alten Schloss. Also… vielleicht ist es eher eine alte Anlage von einem Hof oder sowas… aber Google sagt, es ist ein Schloss. Daher bleiben wir jetzt mal dabei, dass es ein Schloss ist.

So irre viel zu sehen gibt es hier meines Erachtens nach nicht. Es ist halt ungewöhnlich und anders, als alles was man sonst so in Island sieht. Ich habe gelesen, dass die Ecke berühmt für ihre Hexerei und Magie ist und manche Menschen deswegen eine gewisse Präsenz hier spüren. Ich gehöre da leider nicht dazu. Insofern haben wir uns einfach die Füße vertreten und sind dann nach Hólmavik gefahren.
Mittlerweile doch ganz gut gezeichnet vom Tag, fand ich mich an einem Tisch wieder und bekam ziemlich gute Brot-Sticks, die mit Käse gefüllt waren. Eine leckere Tomatensauce dazu und ein lokales Bier. Mein Akku wurde zwar nicht voll davon – mein Magen aber schon.
Die letzte Amtshandlung des Tages sollte dann ein weiterer Punkt von der ToDo Liste werden. Unsere Hütte hat einen Hot Tub! Ihr wisst, was das bedeutet.

Draußen keine 10°C mehr, aber der Pool dafür locker bei 40°C. Es kostet ein kleines bisschen Überwindung die 5m vom Cottage bis in den Pool zu gehen. Bereut habe ich es dann aber nicht. Im Gegenteil. Man sitzt im heißen Wasser, ist gut geschützt vorm Wind und kann auf die Schneeflecken der Berge schauen. Kann ein Abend schöner ausklingen?
Morgen verlassen wir dann die Westfjorde. Es wird ein ordentlicher Ritt nach Akureyri. Eigentlich wollen wir auch noch hier in der Ecke 1-2 Sachen anschauen. Ich kann also wohl prognostizieren, dass auch morgen das Ausschlafen bestenfalls ein Wunsch bleibt. Gleichwohl kann ich auch sehr sicher sagen, dass wir bestimmt wieder viel erleben werden. Ich werde berichten.
In diesem Sinne
| Aufgabe | Beweisfoto | Status |
| Ein Foto mit einem Schaf 2.0 | ![]() | 22.05.2026 Grásteinn erledigt |
| Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen) | ||
| Eine coole Schattenfigur machen | ||
| Posieren mit einer Islandflagge | ||
| Baue eine Eisskulptur | ||
| Umarme einmal Island (so gut es geht) | ||
| Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto | ![]() | 25.05.2026 Dynjandi erledigt |
| Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest | ||
| Ausschlafen! | ||
| Sei einmal außerhalb des Badezimmers richtig nass | ![]() | 26.05.2026 Hvammur erledigt |
| Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages | ||
| Springe auf einem Regenbogen | ![]() | 22.05.2026 Snæfellsnes erledigt |
| Verschwinde im Dampf | ||
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| Warte geduldig auf einen Wal | ![]() | 26.05.2026 Skötufjörður erledigt |
| Gönn dir Lakritzeis | ||
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| Einen neuen Freund finden | ![]() | 21.05.2026 Hafen von Borgarnes erledigt |
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Habe die Ehre
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