Ereignisbingo auf isländisch
Das war schon wieder ein verrückter Tag. Wenn ich den Blogbeitrag an dieser Stelle beenden würde, dann würde der Beitrag immer noch vollkommen perfekt zusammenfassen, was heute alles passiert ist.
Aktuell kämpfen wir uns ein wenig durch die Wetterkapriolen des Landes. Unsere Gastgeber der letzten Unterkunft haben uns sogar nach der Abreise noch mal eine kurze Mail geschrieben und sich für das wirklich schlechte Wetter entschuldigt.
Dabei finden wir es gar nicht sooo schlecht. Das eigentliche Problem ist eher, dass es völlig unberechenbar ist. Wer dabei denkt, dass es vielleicht mal ein bisschen gut und mal ein bisschen schlechtes Wetter ist, der irrt. Wir reden hier schon eher davon, dass zwischendurch aus dem Nichts einen Blizzard gibt und dann spontan eine Kurve später Sommerwetter ist, bei dem man entspannt im T-Shirt umherlaufen kann.
Über den Tag begleiteten uns Temperaturen um den Gefrierpunkt und dennoch auch alle vier Jahreszeiten. Ich find das ganz toll. Ach und falls sich jemand gefragt hat, woran ich festmache, dass ich ein nordischer Typ bin: Ich habe bei diesem Wetter eine leichte Bräune und etwas Sonnenbrand bekommen. Muss man wohl auch erstmal schaffen.
Es hat sich heute auch herausgestellt, dass ich insgesamt wohl gut nach Island passe. Ich weiß nicht genau warum es passiert, aber große Männer mit Bärten nicken mir immer wieder grüßend zu. Ich kenne diese Leute nicht und nicke einfach zurück. Sie gehen dann zufrieden weiter und ich tue es ihnen gleich. Es scheint irgendwie eine Verbindung zwischen Nordmännern zu geben und offensichtlich gehöre ich dazu. Auch das finde ich gut, auch wenn ich es ehrlicherweise noch nicht ganz verstehe.
Gerade bemerke ich, dass es zurzeit auch den Trend gibt, dass ich erstmal 400 Wörter schreibe, bevor ich realisiere, dass ich noch gar nichts vom Tag preisgegeben habe. In einer Zeit, wo Menschen im Internet ein recht kurze Aufmerksamkeitsspanne haben, ist mein Blog sicherlich eine gewisse Herausforderung. Umso beeindruckender finde ich ja, dass es scheinbar wirklich Leute gibt, die sich das hier durchlesen. Es sei gesagt, dass ich dankbar für jeden bin, der sich die Zeit nimmt. Ich weiß, dass ich meine Freude an Island in Wortform mit ziemlich viel Prosa schmücke. Aber es ist auch andersrum gar nicht so leicht, die Begeisterung ausreichend zu würdigen. Ich könnte so oft noch viel mehr schwärmen und würde mich gern noch viel viel mehr wiederholen. Aber ja – umso schöner ist es, dass es Menschen gibt, die ich scheinbar ein bisschen mitnehmen darf.
Ok, ok – ich fang an vom Tag zu erzählen. War nett – bis morgen. Spaaaß. Als wir heute früh wach wurden, war schon klar, dass der Tag irgendwie in der Nähe des Dettifoss enden soll. Einerseits liegt da unser Hotel, andererseits ist der Dettifoss ein gigantisches Ereignis für sich.
Doch bevor es dort hin ging, hielten wir erstmal noch beim Parkplatz, der über Akureyri blickt. Zu diesem Zeitpunkt war der Tag noch im trockenen Frühlingsmodus. Wir hatten daher eine weite, klare Sicht über die ganze Stadt und ihre Berge im Hintergrund.

Da wir bereits wussten, dass es heute hier und dort schneien soll, hatten wir uns vorgenommen zwischendurch die Wetterkarte zu studieren und dann spontan zu schauen, wie wir weiter machen. Es war kurz vor Námafjall, dass unser Plan das erste mal auf die Probe gestellt wurde.
Der ursprüngliche Frühling war mittlerweile in einen amtlichen Winter umgeschwungen. Dicke Schneeflocken, viel Wind und teils schlechte Sichtverhältnisse waren nun der neue Standard.
Schmuddelwetter wäre echt noch ein Kompliment gewesen. Und als wir so in diesem Schneechaos entlang fuhren, sahen wir mit mal blinkende orange Lichter auf der Straße. In Island ist das eigentlich nie ein gutes Zeichen. Doch in diesem Fall war die Straße nicht gesperrt und es war auch nichts schlimmes passiert. Tatsächlich fand heute der Mývatn Marathon statt. Jap, ein paar spezielle Menschen haben sich überlegt, dass der heutige Tag mit genau diesem Wetter passend ist, um 42km um einen See zu laufen. Ich schätze, jeder Mensch braucht ein Hobby.

Kleine Randnotiz: In ziemlich genau drei Wochen ist übrigens MidSOMMER. Auch diese Information teile ich einfach mal wertfrei hier mit euch.
Dank des Marathons und dem eher eigenwilligen Wetter war dann beim Námafjall so gut wie nichts los. Wir kennen diesen Ort mitunter so, dass man auf dem wirklichen großen Parkplatz nach einer Lücke suchen muss. Heute waren vielleicht zwei handvoll andere Autos da und es verlief sich entspannt so, dass man überall ungestört war.

Der Boden war allerdings auch recht durchgeweicht. Da alles so matschig bis lehmig war, blieben wir primär auf den Hauptwegen. Man moddert sich doch sehr ein. Leider war es aber auch so, dass der Wind den Schnee hart über das Areal schoss. Die Schneeflocken mutierten gern mal zu kleinen Eisspeeren und stachen regelrecht in die Haut. Sicherlich hält man das aus, aber angenehm ist auch anders.
Wo wir aber schon mal hier waren, musste ich natürlich auch den naheliegenden Punkt auf meiner ToDo Liste erfüllen und einmal im Qualm Islands verschwinden.

Zugegeben, der Qualm hat schon einen ekligen Geruch, aber er war sooo schön warm. Das war echt angenehm für den kurzen Moment. Wir entschlossen uns dann aber doch recht schnell, dass wir zurück ins Auto gehen. Außerhalb von heißem Dampf wurde man nämlich doch schnell von Schnee paniert.

Theoretisch ist es so, dass man von dem Thermalgebiet in gut einer Stunde zum Dettifoss fahren kann. Allerdings sagten uns mehrere Apps, dass der direkte Weg auch von noch schlimmeren Winterstürmen besucht wird. Wir zogen es daher vor einen kleinen Umweg über Húsavík zu fahren. Eine brillante Entscheidung, wie sich zeigen sollte.
Es war beim Öxarfjörður bei einem Aussichtspunkt, als ich nach Jahren ENDLICH(!) mal Puffins von Nahem sehen durfte. Wir sind jetzt seit 2018 regelmäßig hier und ab und zu gab es schon mal so einen Moment, wo es hieß „Da hinten, in x-Kilometern Entfernung…. vielleicht ist das ein Puffin“. Doch bis heute war ich mit diesem Zustand unzufrieden. Und nun saßen sie dort, eine ganze Kolonie der unfassbar süßen Vögel.

Man hat die Tiere ja schon mal irgendwo im Fernsehen gesehen. Letztlich hat man schon eine Idee, was einen erwartet, wenn man sie mal live in Action sieht. Doch ich war einfach nicht darauf vorbereitet, wie süß sie sind. Wirklich jede Bewegung hat etwas tollpatschiges und charmantes.
Ja und da standen wir dann, am Hang einer Klippe und fotografierten die Vögel. Mittlerweile waren wir dem Schneesturm entkommen, dafür fing es nun immer mehr an zu regnen. Es ist aber auch gar nicht so leicht, sich von so tollen Fotomotiven zu trennen.

Wir sind nicht weit weg davon, dass wir morgen noch mal einen Abstecher zu der Klippe machen und in aller Früh schauen, ob die Puffins noch mal fotogen für uns sein mögen.
Wir fuhren dann weiter. Kamen aber auch nur bis zum nächsten Parkplatz, der vielleicht gerade mal 10 Minuten entfernt war. Dort kann man sehr schön aufs Meer schauen. Wir wurden doch direkt von einem Mann darauf hingewiesen, dass dort gerade ein Wal in der Ferne schwimmt. Ja, ist denn heute Weihnachten? Tatsächlich sahen wir kurze Zeit später die berühmte Fontäne eines Wals und auch, wie ein schwarzer Rücken aus dem Wasser stieg.

Ich vermute, dass es sich um einen Schweinswal handelte. Auch hier standen wir nun eine Weile und konnten erfreut feststellen, dass es am Ende wohl sogar 2-3 Wale sind.
Ich habe es dann auch als meine Pflicht empfunden, jedem neuen Touristen direkt mitzuteilen, dass dort gerade ein Wal ist. Ein wenig schön ist es ja schon, dass dann eigentlich alle Menschen gleich reagieren. Es ist immer ein freudiges „Ooooooh…!“ und dann holen sie noch ihre Liebsten. Island ist also vielleicht von Außen kalt, aber im Herzen stiftet es viel Wärme.
Aber auch hier mussten wir uns irgendwann vom Ort trennen und fuhren weiter. Erstmal ging es in unser Hotel. Dort checkten wir ein, stellten unseren Koffer ab und prüften einmal mehr, was es noch aus diesem Tag rauszuholen geben sollte.
Wenn so ein Wetterradar alle Farben des Regenbogens binnen 2-3 Stunden für das Gebiet anzeigt, in dem man sich aufhält, ist Planung echt eine Herausforderung. Wir kamen aber zum Schluss, dass absehbar wohl ganz okayes Wetter beim Dettifoss sein sollte. Wir versuchten daher unser Glück.
Als wir losfuhren sah es auch erstmal noch gut aus. Ein bisschen Nieselregen, kaum Wind – damit können wir arbeiten. So etwa 10 Minuten vor der Ankunft war alles um uns weiß. Der Schnee peitschte horizontal an uns vorbei, die Sichtweite war eher mäßig und ich war ehrlich gesagt nicht weit weg davon zu sagen, dass wir vielleicht abbrechen und es morgen versuchen.
Doch schlussendlich landeten wir auf dem Parkplatz des Dettifoss und meine Frau sagte sinngemäß: „Jetzt sind wir hier, jetzt ziehen wir das durch.“ Und der Wettergott schien eingeschüchtert von diesem absoluten Willen, heute noch den Dettifoss erleben zu wollen.
Als wir ausstiegen, war da kaum mehr Wind. Es schneite noch dicke Flocken, aber eigentlich war das eher schön. Wir waren auch gut eingepackt und stapften so zum Wasserfall. Was soll ich dann noch sagen? Der Dettifoss ist ohne zu zögern unter den Top 5 Dingen, die ich im Leben am imposantesten fand.

Über dem Wasserfall war es richtig klar. Kein Schnee, kein Regen. Eine Szenerie wir aus einem Science Fiction Film. Das Wasser ist auch durch das Getöse sehr hell bis fast weiß beim Fallen. Die Steine drumherum sind durch die Nässe und das Licht dagegen beinahe schwarz. Natürlich entdeckt man live noch genug Farbtöne dazwischen. Aber mich faszinierte heute auch, dass diese ganze Wucht etwas monochromes hatte.

Die unteren Aussichtsplattformen sind zurzeit noch geschlossen. Aktuell liegt da noch Schnee und Eis. Wir haben auch neulich erst gehört, dass es unklar ist, ob sie überhaupt jemals wieder geöffnet werden. Statiker haben wohl herausgefunden, dass die Gesteinsschichten direkt am Rand der Schlucht nicht mehr ganz so stabil sind. Ich finde das sehr einfach vorstellbar, wenn man mal sieht, wie viel Kraft hier das Wasser hat. Es bleibt also abzuwarten, ob man überhaupt noch mal nah an die Fallkante gehen kann. Ansonsten hatte ich eben in früheren Besuchen das Privileg auf Armlänge am Abgrund zu stehen und lebe nun gut damit, dass ich dieses Monster in Form eines Wasserfalls aus etwas mehr Abstand genießen darf.
Wir zogen dann noch weiter, zu den etwas versetzten Aussichtsplattformen. Diese sind etwas höher platziert und man bekommt einen frontalen Blick auf den Dettifoss. Ab und zu schwappt zwar auch mal die Gischt rüber, aber der Anblick ist schon ein Muss und lohnt sich auf jeden Fall.

Es gab dann noch eine letzte Plattform. Dort schwappt die Gischt nicht ab und zu vorbei. Nein, dort duscht man sehr sicher im Wasser des Dettifoss. Draußen immer noch Temperaturen um den Gefrierpunkt – ihr ahnt, was wir gemacht haben.

Manchmal glaube ich, dass uns andere Leute sehen und sich dann wahlweise fragen, ob sie mitmachen sollten oder einfach nur, ob wir irgendwo ausgebrochen sind. Aber egal – wir haben eine richtig gute Zeit und ich war so dankbar, dass meine Sorgen sich nicht durchgesetzt haben und meine Frau entschieden hat, dass wir den Dettifoss mitnehmen. Es ist ein absolutes Erlebnis und ich würde jedem der die Möglichkeit hat raten, einmal zum Dettifoss zu reisen.
Ja, der ist am Popo der Welt und die Chancen stehen gut, dass die Reise an gewissen Punkten beschwerlich wird. Aber wie oft kommt man in die Gesellschaft einer so beeindruckenden Präsenz? Eben!
Für uns ging es dann dezent durchnässt langsam wieder zurück zum Hotel. Bei einem kurzem Zwischenstopp und dem nun wieder vorherrschenden Frühling durfte ich noch mal einen Moment Kind sein. Frischer Schnee lud mich ein, dass ich mich verewige (nicht in gelb, keine Sorge).

Im Hotel gab es dann noch isländische Fleischbällchen nach Art des Hauses und ein Wikinger Bier. Morgen soll es dann schon in den Osten der Insel gehen. Laut Wetterbericht erwarten uns zwischendurch dann auch wieder „normale“ Temperaturen rund um die 10°C. Vermutlich ist ein Schneesturm trotzdem nicht ausgeschlossen.
Wir werden auch erst beim Frühstück entscheiden, welche Route wir fahren werden. Wie gesagt, stehen die Chancen ganz gut, dass wir noch mal zu den Klippen und den Puffins fahren. Aber ob wir dann den Nordosten der Insel mitnehmen oder doch lieber einen direkten Weg wählen, das weiß bestenfalls der Wettergott. Wir müssen das eben morgen spontan rausfinden. Das werden wir aber mit unserer gewohnten Begeisterung tun und ich werde dann abends sicherlich wieder berichten.
In diesem Sinne
| Aufgabe | Beweisfoto | Status |
| Ein Foto mit einem Schaf 2.0 | ![]() | 22.05.2026 Grásteinn erledigt |
| Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen) | ||
| Eine coole Schattenfigur machen | ||
| Posieren mit einer Islandflagge | ||
| Baue eine Eisskulptur | ||
| Umarme einmal Island (so gut es geht) | ![]() | 29.05.2026 Tröllaskagi erledigt |
| Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto | ![]() | 25.05.2026 Dynjandi erledigt |
| Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest | ||
| Ausschlafen! | ![]() | 29.05.2026 Akureyri erledigt |
| Sei einmal außerhalb des Badezimmers richtig nass | ![]() | 26.05.2026 Hvammur erledigt |
| Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages | ||
| Springe auf einem Regenbogen | ![]() | 22.05.2026 Snæfellsnes erledigt |
| Verschwinde im Dampf | ![]() | 30.05.2026 Námafjall erledigt |
| Hab ein typisch isländisches Frühstück | ||
| Warte geduldig auf einen Wal | ![]() | 26.05.2026 Skötufjörður erledigt |
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| Einen neuen Freund finden | ![]() | 21.05.2026 Hafen von Borgarnes erledigt |
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