Heute mal nicht
Ich besitze aktuell noch 1,5 funktionierende Gehirnzellen. Für einen handelsüblichen Blogbeitrag benötige ich etwa zwei Gehirnzellen. Kraft der Mathematik wird das also wieder ein sehr anspruchsvoller Text. Als ich auf Arbeit das letzte mal um Feedback bat, sagte man mir: „Alles schön und gut – nur immer sehr viele Wörter“. Tja…
Es soll ja Menschen geben, die den Einsatz von Sprache als etwas soziales verstehen. Tatsächlich wollte der heutige Tag es so, dass mich das gesprochene Wort weiterbrachte, als geahnt.
Der Tag begann mit der Erkenntnis, dass man um 6 Uhr aufstehen kann und erstmal eine Tasse Kaffee trinkt. Keine Hektik, kein Stress – ich, als der Inbegriff der isländischen Ruhe. So saß ich hier und erinnerte mich daran, wie im Traum meiner letzten Nacht jemand aus meinem Arbeitsumfeld zum Dämon wurde, weil eine alte Frau seine neu-entworfenen Autos beschimpft hatte. Viel eindeutiger konnte das Zeichen nicht sein, dass ich Urlaub brauche.
Das Wetter war zum Tagesbeginn nicht übermäßig freundlich, aber insgesamt schon ganz ok. Wäre das Wetter ein Mensch gewesen, es wäre der Typ, der dir zunickt, wenn du ihn grüßt, aber du weißt auch, dass er dich wirklich böse anguckt, wenn du jetzt noch 3 Wörter mehr zu ihm sprechen würdest.
Wir fuhren zum Svöðufoss. Morgenstund mag nämlich Gold im Mund haben, aber mit meinem Rest von Kaffee im Mund hatte ich Lust auf Wasserfälle.
Beim Svöðufoss angekommen stand erstmal ein weiteres Auto auf dem Parkplatz und davor ein scheinbar noch unschlüssiger Mann. Ich stieg meinerseits aus und grüßte ihn. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich raus, dass er und seine Frau zum ersten mal in Island sind und nicht sicher sind, wie man genau zum Wasserfall kommt.
Wir kamen ins Gespräch und so standen zwei Deutsche und zwei Inder in Island und freuten sich über einen schönen Start in den Tag. Die beiden waren wirklich knuffig und so hatte ich direkt den Gedanken, ich könnte auch einen Punkt der diesjährigen Urlaubs ToDo Liste abschließen und ein selbstgebasteltes Armband verschenken.

Wir gingen dann zu viert zum Wasserfall und quatschen dabei fröhlich die ganze Zeit. Die beiden hatten eine gute Energie und die Zeit verflog. Nebenbei flog ich ein paar Runden mit der Drohne und jeder von uns war fleißig dabei Fotos zu machen.

Unser indisches Paar ging dann auf Abenteuertour und versuchte irgendwo über den Fluss zu gelangen und näher an den Wasserfall zu kommen. Womöglich hatte ich ihnen gesagt, dass ich schon ein paar mal Menschen gesehen habe, die das machen. Allerdings stellten meine Frau und ich dann auch recht schnell fest, dass das Wasser des Flusses heute gefühlt ein bisschen mehr und höher war. Joa… und so kämpften unsere neuen Freunde sich durch die Landschaft während wir dann einerseits ein wachsames Auge auf sie warfen und gleichzeitig schöne Bilder machten.

Es war ein echt schöner Auftakt in den Tag. In meinem Handy findet sich nun ein indischer Kontakt, ich habe bereits eine Aufgabe meiner Liste erfüllt und das Wetter war auch weiter schön.
Getrennter Wege ging es dann für uns weiter an den Strand von Skarðsvík . Der liegt in einer kleinen Bucht. Neben ziemlich orangem Strand findet man beinahe schwarze Steine und eine Zusammenstellung, wie man sie wohl niemals in Deutschland oder allgemein Mitteleuropa erwarten würde.

Auch hier hatte ich die wunderbare Eingebung mit der Drohne zu fliegen. Manchmal wird das wirklich belohnt. Mir gelang das, was meine Frau und ich liebevoll einen „Mastershot“ nennen.

Schön, oder? Und wir hatten diesen ganzen Ort für uns allein. Island empfängt uns einmal mehr mit offenen Armen und es fühlt sich wirklich gut an, wieder hier zu sein.
Wir folgten dann der Straße bis zum Svörtuloft . Das ist ein schöner Leuchtturm und selbstredend, packte ich auch hier die Drohne aus und flog, als hätte es noch nie zuvor schöne Bilder gegeben.

Zu diesem Zeitpunkt musste ich dann bereits auf den vierten Drohnenakku wechseln. Falls die Frage aufkommt, wie viele Drohnenakkus ich insgesamt habe – die Antwort lautet: vier. An normalen Tag mache ich vielleicht 10-20 Luftaufnahmen. Heute waren es am Tagesende über 70.
Aber wenn es mal läuft, dann läuft es eben. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf registrierte ich dann, dass neben uns ein recht großes Auto parkte und auf einmal 5 junge Leute raussprangen. Sofort dachte ich eine meine ToDo Liste. Schließlich brauche ich auch noch ein Bild mit mindestens drei Fremden.

Ich denke weder sie noch ich wissen so ganz genau, wie es zu dieser Situation kam. Aber wir hatten alle für einen Moment lang Spaß zusammen und ist es nicht genau das, worum es am Ende geht?
Für uns ging es dann weiter. Schließlich wollte der Tag gern noch mehr erleben. Dafür ging es zum Djúpalónssandur. Ein wunderschöner Strand im Südwesten der Halbinsel Snæfellsnes. Wir gingen zu einer Aussichtsplattform und dort stellte ich fest, dass es ruhig ist. Ich genoss die Ruhe und blieb dann einfach mal für vielleicht 10-15 Minuten sitzen. Kein Getöse, keine Action. Einfach ich, vor mir der Strand, die Wellen und ein bisschen Ruhe für die Seele.

Doch so romantisch dieses Rumsitzen klingen mag. Zur Wahrheit gehört, dass man sich in Island entweder bewegt oder friert. Da ich mich nicht wirklich bewegte, fror ich also irgendwann. Zeit, zum nächsten Ort aufzubrechen.
Das sollte Lóndrangar werden. Eine hübsche Steinformation. Hier beschlossen wir einen kleinen Wanderrundweg zu gehen. Einmal vom Parkplatz bis zu den Klippen und zurück.

Auf dieser Seite der Halbinsel war mit den Wellen gar nicht so viel los. Die See war eher ruhig weil zu dem Zeitpunkt auch der Wind kaum spürbar war, wurde es zeitweilig sogar richtig warm. Ja, man kann Mitte September in Island auch mal kurzärmlig langlaufen.
Dann war erstmal Mittagspause angesagt. Wir gönnten uns ein paar Pommes und außergewöhnlich gute Chicken Nuggets. Danach wollten wir eigentlich zum Gatklettur, sind aber scheinbar irgendwo falsch langgelaufen. Wir fanden eine Menschentraube und gesellten uns einfach mal dazu. Wenn man schon einen sozialen Tag hat, kann man den auch schamlos ausnutzen.
Schnell wurde klar, dass die Leute was von „Whale“…. „Wal“….“Hvalur“… murmelten. Also schnell das Teleobjekt auf die Kamera geschraubt und festgestellt, dass sich auch mal viele Menschen auf einmal irren. Das, worüber sich die Leute so sehr freuten, war einfach ein Stein im Wasser.

Durch die Wellen und Gischt sah es schon manchmal wie ein Wal aus. War aber zumindest dort keiner. Wir haben diese Enttäuschung für uns behalten. Sollen die anderen sich eben über ihren Steinwal freuen.
Zeit für uns, zum vermeintlichen letzten Stopp des Tages zu reisen. Dem Bjarnarfoss. Tatsächlich hatten wir uns überlegt, dass das der Ort für den zweiten Happy Stone werden soll. Aber erstmal muss man den Hügel zum Wasserfall ein Stück hochlaufen.

Manchmal frag ich mich ja echt, wo das ganze Wasser herkommt und ob das nicht irgendwann mal alle sein müsste. Aber ich kann zumindest für Heute beruhigen und festhalten: Heute ist das Wasser hier nicht ausgegangen. Dafür haben wir dann tatsächlich einen schönen Platz für den Happy Stone gefunden.

Theoretisch wäre das Tagessoll an dieser Stelle bereits erfüllt. Doch wir beschlossen noch einen weiteren Abstecher zu machen und fuhren zum Bugsfoss.
Der Wasserfall ist eher unbekannt und ehrlicherweise auch nicht ganz so leicht zu erreichen. Man kann zwar mit dem Auto recht nah dran parken, aber um den Wasserfall wirklich in voller Pracht zu sehen, muss man schon ein bisschen klettern. Für mich: Nichts leichter als das.
Ich zog mich an Steinen hoch und versuchte elegant von Findlingen wieder runterzukommen. Das ging eine ganze Weile, bis ich irgendwann doch merkte, dass der weitere Weg sehr so aussieht, als würde ich absehbar einen Satz sagen wie „…und dann kam ich ins Krankenhaus.“ Das wollte ich dann doch nicht. Also macht ich von da, wo ich war eben nur ein Foto.

Und während ich da so durch die isländische Wildnis wurschtelte, hörte ich irgendwann ein reißendes Geräusch. Ein leichter Windzug um meinen Oberschenkel sagte mir auch gleich, was gerade passiert war.

Da macht man EINMAL einen größeren Satz und schwupps, muss man eigentlich ohne Hose leben. War jetzt nicht perfekt, aber hey. Solang nur die Hose und nicht meine Knochen kaputt sind, überstehen wir das alle recht sicher.
Mit kaputter Hose aber weiterhin guter Laune ging es noch mal schnell in einen Supermarkt. Ich stellte nämlich gestern fest, dass ich gar keine Maus für den Laptop dabei hab. Ihr habt ja keine Ahnung, wie schwer es ist, hier eine Maus zu bekommen. In den beiden Supermärkten war da gar nichts zu machen.
Also fuhren wir zurück in unser Airbnb. Dort trafen wir den Besitzer und der meinte recht schnell, dass er noch eine Maus rumliegen hat und diese entbehren könnte. Heute läuft es wirklich. Dreimal sozialen Kontakt über unserer Norm und dreimal den menschlichen Jackpot erwischt.
Unser Airbnb-Besitzer wusste dann auch noch von einem Wasserfall zu berichten, der so circa 20 Minuten weg ist und hinter den man auch gehen kann. Das lassen wir uns natürlich nicht zwei mal sagen und fuhren los. Auf zum Selvallafoss.
Ich glaube viele Islandurlauber kennen diesen Wasserfall bereits. Für uns war es heute Premiere. So hatte der Selvallafoss direkt den Charme eines versteckten Diamanten für uns. Zumal man tatsächlich hinter ihn gehen kann.

Ich hatte eine richtig gute Zeit. Zwar war zwischendurch der Plan, dass man rechtzeitig Zuhause sein könnte und sich dann in Seelenruhe auf morgen vorbereitet, aber nun gut. Es kann ja nicht alles klappen.

Ursprünglich war der Plan, dass wir heute Abend noch essen gehen. Aber es wurde dann doch alles sehr spät. Wir zogen es dann vor, mit Hotdogs und Käsebrot zuhause zu sitzen.
Wenn ich bedenke, wie müde ich jetzt gerade bin, war es absolut richtig nicht noch Essen zu gehen. Das wäre sonst noch eine Stunde mehr von der Uhr gewesen und ich hätte den Blog gefühlt nie fertig bekommen.
Morgen geht es dann schon in die Westfjorde. Das Wetter soll vielleicht gut und vielleicht schlecht werden. Drei Wetterberichte haben vier Meinungen. Wir lassen uns einfach mal überraschen.
Jetzt müssen nur die ganzen Akkus aufgeladen werden und heute möchte ich betonen, dass mein eigener Akku da ausdrücklich dazugehört. Ich schlaf hier gerade schon mit offenen Augen immer mal wieder kurz ein.
Aber was für ein Tag? Tolle Menschen kennengelernt. Tolle Orte gesehen. Urlaubsherz, was willst du mehr? In die Westfjorde… aber das schauen wir uns Morgen an.
In diesem Sinne
| Aufgabe | Wann / Wo erledigt? | Beweisfoto |
| Stoße mit Fremden auf Island an | ||
| Platziere einen Happy Stone | Grundarfjörður 18.09.2026 | ![]() |
| Singe die isländische Nationalhymne | ||
| Verewige Murphy unwiderruflich und für immer in Island! | ||
| Spiele Tic Tac Toe vor einem Wasserfall mit einem Fremden | ||
| Posiere zusammen auf einem Foto mit mindestens drei Fremden | Svörtuloft 19.09.2026 | ![]() |
| Verschenke ein selbstgemachtes Islandband! | Svöðufoss 19.09.2026 | ![]() |
| Finde einen „Der Umweg hat sich gelohnt“ Ort | ||
| Mach ein Foto für das Plakat: Island – der Film! | ||
| Male das größtmögliche Speedsheep! | ||
| Sei einmal bis zum Bauchnabel im Wasser | ||
| Sei allein auf der Welt | ||
| „Es gibt kein schlechtes Wetter….“ | ||
| Ein neuer Freund | ||
| Prüfe, ob das Elfenhaus noch steht und baue sonst ein neues |
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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