Sjáumst bráðum, elskaða Ísland ❤️

Bis bald, geliebtes Island.

Wenn man einem Mann sagt „er ist kürzer als du denkst“ ist das schon immer etwas schwierig. Vor allem tut es richtig weh, wenn sich der Satz auf den Urlaub in Island bezieht. Heute ist es also mal wieder soweit. Der letzte Tag des Urlaubs.

Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir „nur“ 2,5 Wochen hier waren statt der üblichen drei Wochen. Vielleicht sind wir inzwischen auch zu routiniert für Island. Aber es bleibt auch heute dabei, dass es sich anders anfühlt, als sonst.

Normalerweise hab ich gern mal eine kurze Panikattacke, dass was mit dem Mietwagen beim abgeben schiefgeht oder das Hotel zwar unser Geld genommen hat, aber dann kein Zimmer für uns bereithält. Mein Kopf ist nicht sonderlich kreativ bei den Überlegungen möglicher Katastrophen – aber sonst sehr konsequent.

Heute habe ich sogar ganz gut ausgeschlafen und war insgesamt eigentlich kaum mal nervös. Zwischendurch gab es mal einen leichten Urlaubsabschiedsblues. Aber das ist schon fair, oder? Schließlich darf man auch mal traurig sein, wenn man aus einer schönen Zeit gehen muss. Aber soviel kann man wohl jetzt schon mal spoilern – so richtig geht man ja nie.

Also dann. Der Tag war dafür vorgesehen, dass wir ein paar Dinge des goldenen Zirkels besuchen. Es fühlte sich in diesem Urlaub auch überraschend natürlich an, dass man manche Sachen weglässt und dafür andere Sachen ruhiger machen kann. Bislang führte das aber auch dazu, dass wir nicht beim Strokkur waren und so einen Geysir finde ich, sollte man schon mitnehmen, wenn man kann.

Island packte die Sonne aus und dann auch noch ein wenig Feintuning fürs Fotoalbum. Denn direkt über dem Geysir erstrahlte ein Regenbogen. „Kitschig“ gibt es in Island manchmal echt in der Grabbelbox. Ich beschwere mich nicht.

Wie perfekt soll es sein? JA!

Kaum Menschen vor Ort, die Sonne scheint, ein Regenbogen überm Geysir und mal ehrlich, was will man in so einem Moment noch mehr? Ich glaube schon, dass das heute sehr nah an den perfekten Besuch beim Geysir kommt.

Klar, der große ruhende Geysir nebenan hätte auch mal losgehen können. Aber vielleicht ist das auch das Steigerungspotential fürs nächste mal. Wir waren auch unsicher, ob der große Geysir über die Jahre vielleicht einfach auch vergessen hat, wie man richtig ausbricht. Wir haben deshalb den Happy Stone mit dem ausbrechenden Geysir ganz in seine Nähe gelegt.

So geht’s

Der Happy Stone liegt so, dass einen guten Blick auf den Strokkur hat. Aber falls der Geysir die nächsten Tage losgeht, dann rechne ich das schon uns und diesem Happy Stone zu.

Versteckt mit Aussicht

Es war schön hier zu sein. Für Touristen ist Island hier genau so, wie es sein soll. Die Infrastruktur stimmt und man hat einfach faszinierende Natur. Es werden auch immer bessere Aussichtspunkte gebaut. Klar stören so Baustellen immer auch ein bisschen. Gleichzeitig muss ich sagen, dass allein die Plattform auf der wir heute standen einen echt guten Blick garantiert und das für auch viel mehr Menschen als noch im Mai.

Das einzige, was mich echt etwas ratlos zurücklässt ist, dass wir auf der Straße vorm Geysir heute in kürzester Zeit zwei Fahrzeuge mit Warnblinker am Straßenrand sahen. Der Grund dafür war auch recht offensichtlich. Auf einer der (nach der Ringstraße) meistgefahrenen Straßen des Landes sind gigantische Schlaglöcher. Wüsste man es nicht besser, man würde es vielleicht noch eher für alte Vulkankrater halten. So wird man als Tourist auf eine Straße mit 90km/h geschickt und findet dann aus dem Nichts ein Schlagloch bei dem vermutlich jedes Auto, außer diese riesigen Superjeeps aufliegen muss. Das war auf jeden Fall schon mal besser in Island.

Wir kamen aber heile dran vorbei und fuhren dann zum Gullfoss. Genauer gesagt auf seine Ostseite. Also die, die deutlich weniger touristisch ist und dann viel mehr das Gefühl vermittelt, dass einem der ganze Wasserfall für sich gehört.

Der Plan schien auch wirklich gut aufzugehen. Zwar kam ein bisschen Nieselregen, aber der verflog recht schnell wieder und wir fanden uns bei schönen Sonnenschein vor dem Wanderweg wieder.

Doch bevor es losging, fand ich auch etwas anderes wieder. Wisst ihr noch, wie ich vor ein paar Tagen der Verlust einen GoPro Akkus beklagte und mir Sorgen machte, dass ich unbeabsichtigt die Natur verschmutzt habe? Der kleine Schlingel hat sich unterm Sitz versteckt! Vielleicht waren die Schlaglöcher dann sogar doch gut, da der Akku so wieder ins Sichtfeld holperte.

Meister des Versteckspiels

Dann sollte es den Trail zum Gullfoss losgehen. Blöd war nur, dass der Weg aktuell ein Bach ist. Wir kamen vielleicht 10m weit, dann standen wir schon vor fließenden Gewässer.

nun…

Ein paar Schritte später war dann mein erster Fuß komplett nass. Wenige Schritte darauf, fanden wir sogar einen neuen kleinen Wasserfall dort, wo wir eigentlich langlaufen wollten. Man muss manchmal auch einsehen können, dass es nicht weitergeht. War zwar schon schade, aber die absolut richtige Entscheidung. Zumal ich beim Rückweg die Situation hatte, dass ich einen leichten Anstieg vorsichtig hochgehen wollte und einfach stehend wieder nach unten glitt. Ich bin nicht gefallen oder so. Aber die Natur entschied, dass sie mich mit einer Mini-Schlammlawine in den Genuss eines zweiten nassen Fußes bringt.

Während ich dann am Auto meine Socken und Schuhe wechselte, legte meine Frau schon mal den nächsten Happy Stone hin. Ursprünglich wollten wir ihn etwas tiefer im Land hier ablegen, aber hey, der Ort verdient trotzdem den Happy Stone.

Berlin war hier

Und falls der Stein beim nächsten Urlaub noch immer da liegen sollte, können wir ihn ja immer noch näher zum Wasserfall bringen. Ist also quasi einfach eine Motivation mehr, erneut herzukommen. Nicht, dass es die wirklich gebraucht hätte. Aber lieber haben, als brauchen.

Überschwemmungssicher

Nachdem es mit der Ostseite nicht so geklappt hat, ging es für uns in den Westen. Scheint so ein deutsches Ding zu sein, so zu reagieren. Wie dem auch sei. So ganz ohne Wasserfall wollten wir dann doch nicht weg.

Gullfoss

Beim Gullfoss überlagerten sich dann die typischen Emotionen eines solchen Moments. Einerseits war ich sehr fasziniert von den Unmengen an Wasser und dass ich diese Wahnsinnsbild live sehen darf. Gleichzeitig schlich sich da der Abschied doch mal in den Kopf. Nach diesem Wasserfall folgt die Fahrt in Richtung Flughafen und die Wunder des hiesigen Alltag werden enden, wie eben auch der Urlaub.

Ich bin ganz froh darüber, dass mein Kopf sich dann doch noch recht einfach ablenken konnte. Vor Ort war es dann doch mehr staunen und freuen und bei den knapp 2,5 Stunden Autofahrt nach Keflavík lief gute Musik und der ein oder andere Regenbogen versüßte uns die Tour.

Wir gingen dann noch einmal Essen. Ein Abschiedslamm und ein paar gute Kartoffeln. Irgendwie haben wir komische Essenszeiten, wenn wir hier sind. Heute saßen wir dann eben so circa 15.30 Uhr im Restaurant. Aber dann sparen wir uns eben das Essen im Flughafen. Außerdem gab es im Restaurant noch die Inspiration für den ersten Absatz des heutigen Tages.

Er ist kürzer…

Was dann folgt ist dann tatsächlich so routiniert, dass ich nicht mal mehr Zeit für Nervosität finde. Das Auto wird noch mal vollgetankt. Der Check in im Hotel ist so banal wie er es immer ist. Dann wird das Auto weggebracht. Die Übergabe dauert handgestoppte 72 Sekunden, wobei 51 Sekunden davon die Begrüßung und der Weg zum Auto sind. Dann noch schnell die Koffer zum Flughafen gebracht, damit wir die nicht morgen früh einchecken müssen und joa – dann bleibt eigentlich kaum mehr was zu tun, außer diesen Blog zu schreiben. Ach und natürlich einen letzten Happy Stone platzieren.

❤

Er schaut zum Flughafen und liegt recht sicher so, dass ihn früher oder später jemand finden wird. Aber hey – vielleicht teilt sich damit ja auch unsere Freude für Island ein bisschen.

Ja, ich trage Jeans!

Es ist also der Moment gekommen, in welchem ich die letzten Zeilen für diesen Reisebericht beginne. Island war einmal mehr traumhaft. Nordlichter, tolle Wasserfälle, tolle Menschen… ich würde dem Urlaub Unrecht tun, wenn ich Dinge nun mehr hervorhebe als andere. So richtig ist kein Tag gegenüber den anderen abgefallen.

Die Idee mit den Happy Stones hat uns tatsächlich viel Freude bereitet. Ich weiß nicht, ob wir das wieder machen, aber zumindest müssen wir beim nächsten mal schauen, ob die hingelegten Steine noch da sind.

Dagegen ist die ToDo-Liste dieses mal tatsächlich unvollständig geblieben. Weniger, weil sich keine Gelegenheiten für die Punkte ergeben haben. Es ist mehr so, dass ich wirklich oft lieber einfach den Moment genießen wollte. Es braucht dann auch keine Kamera und keine Checkbox, die erklärt, dass man etwas erreicht hat. Einfach mal im hier und jetzt sein und Island genießen. Ich bin froh, dass ich zu diesem Gefühl kam.

Ja und dann bleibt mir noch zu sagen, dass ich aktuell zwischen 40 und 70 Leser habe. Social Media versaut ja irgendwie die Wahrnehmung, was „viele Menschen“ sind. Und klar, am Ende weiß ich auch nicht, ob die Texte wirklich gelesen werden oder nur mal flüchtig oder versehentlich angeklickt. Aber das sind schon wirklich hohe Zahlen für mich und ich bin dann gleich noch mal froh, dass hoffentlich die meisten dieser Leser:innen auch eine Postkarte bekommen werden.

Es hat ja immer weniger mit Reiseblog hier zu tun. Viel mehr sind es Reiseberichte, welche Emotionen und Gedanken ich bei welchen Orten verknüpfe. Eine Erinnerungsstütze, für die schöne Zeit, die ich hier erleben darf.

Habt vielen Dank, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet habt und Danke Island.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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