Bericht in die Zukunft

Weißt du noch damals…

Sehr geehrtes Zukunfts-Ich. Du wirst dich vielleicht noch erinnern, heute waren wir in Reykjavik. Du wirst aber vielleicht vergessen haben, warum das so war oder was genau deine Gefühle und Gedanken dort waren. Ich will dir deshalb heute gern die Stütze bauen, dass wir den Tag möglichst so im Schriftbild erhalten, wie er war.

Ich weiß, ich weiß – wir mögen Städte im Urlaub eigentlich nicht so gern. Auch wenn die Städte da selbst wenig für können. Es ist halt doch immer wieder hektisch, laut und viel zu viele Menschen wuseln um uns herum. Vielleicht hast du es ja mittlerweile geschafft, aus Berlin wegzuziehen, sodass diese Aussage nicht immer so ein bisschen absurd anmutet. Es ist doch schwierig zu vermitteln, warum wir in der größten Stadt Deutschlands leben aber große Städte nicht so gern mögen.

Falls du dich nicht erinnerst: Heute hat der Wettergott dich letztlich nach Reykjavík geführt. Es mag sein, dass Noah gerade irgendwo die Arche 2.0 baut, denn hier regnet es ganze Ozeane. Rausgehen wäre vielleicht dann eine Idee, wenn du eine Karriere als Aquaman anpeilst. Heute war das aber zumindest noch nicht auf deiner Bucketliste. Ergo war Reykjavík schon die logische Konsequenz.

Und ich meine, lass uns da ganz ehrlich sein – wir haben der Stadt nie so richtig eine Chance gegeben. Immer wenn es hieß, wir übernachten dort, sind wir letztlich doch wieder 2-3 Stunden in die Natur rausgefahren und waren wandern oder bei einem Wasserfall. Kein Vorwurf – nur eine Feststellung. So richtig in der Stadt spazieren, waren wir noch nie. Bis heute.

Fairerweise war der Start in die Stadt doch eher unglücklich. Das gewählte Parkhaus war offensichtlich nicht für Autos ausgelegt, die größer sind als ein Smart. Durch die Schranke ging es noch irgendwie, aber um die engen Kurven zu den Parkplätzen ging es dann schon nicht mehr. Für die nächste ToDo Liste könntest du dir einen Punkt überlegen wie: Bleibe im kleinsten Parkhaus der Welt stecken. Den perfekten Ort dafür haben wir zumindest schon mal gefunden.

Doch auch trotz kurzer Autofahrerpanikattacke konnten wir aus den Fängen des Parkhauses befreien und fanden dann letztlich einen sehr angenehmen Parkplatz. Wobei dort dann der Parkautomat die nächsten Rätsel mitbrachte. Ein Touchscreen, der nicht zum touchen ist und irgendwie konnte man nur wechselnd in 6 oder 7 Minuten Schritten die Parkdauer nach oben anpassen. Wenn man zwei Stunden parken möchte zumindest eine kurzweilige Beschäftigung.

Doch auch das hat am Ende geklappt und nun sind wir hier. Die Hauptstadt des Landes und immerhin ist der Regen durchaus aushaltbar. Zumal wir ja nicht einfach so hier sind, sondern durchaus touristisch motiviert Dinge erleben wollen. Ein bisschen was sehen und ein bisschen shoppen. Direkt an der ersten Kreuzung stellte sich dann raus, dass wir an der berühmten Regenbogenstraße standen. Direkt mit Blick auf die Hallgrímskirkja. Das war schon cool und so ein bisschen liebte dein Touriherz diesen Anblick.

Touri-Me-Happy

Was dann folgte, wirst du vielleicht gar nicht mehr wahrhaben wollen oder wirklich glauben. Aber wir waren shoppen! Nicht so ein bisschen für 10 Minuten. Nein! Ganze zwei Stunden sind wir durch Läden gewandert und das auch noch gerne!

Weißt du noch, die eine Verkäuferin im Laden mit den Gitarren-Pleks? Ja, da hast du die kleinen Pleks mit den isländischen Runen her. Die Verkäuferin war fast so happy wie deine Frau, als die beiden irgendwie isländisch mit englischen Einschüben sprachen. Es war ein richtig schöner Moment. Von dort hast du auch „bara svona“ gelernt. Falls du doch wieder vergessen hast, was das bedeutet, es heißt sinngemäß „tja, ist halt so“. Selbst in einer Stadt inmitten vom namenlosen Tourismus hat es da echt schön gemenschelt.

Ansonsten hast du heute wirklich viel Quatsch gekauft. Du gehst duschen und nicht baden – wofür brauchst du eine Wikinger Gummi Ente für die Badewanne? Du wirst vielleicht eine Antwort kennen. Ich kenne dafür die Gegenwart, wo du dich sehr drüber freust, aber auch insgeheim fragst, ob du nicht einfach nur Kind mit Bartwuchs bist. Mach dir nichts draus. Das haben wir öfter und ich vermute du kennst den Gedanken in der Zukunft auch noch. Am Ende des Tages hat es für eine warme Mahlzeit gereicht und auch der heutige Tag hat uns sicherlich nicht in den finanziellen Ruin geführt. Ich hoffe also eher, du hast Spaß mit der Ente.

Was heute natürlich auch nicht fehlen durfte, war die schöne junge Tradition des Happy Stones. Es war gar nicht so einfach, hier einen passenden Ort zu finden. Immerhin laufen hier unzählige Menschen rum und der Stein sollte ja doch etwas versteckt sein. Für die Stadt haben wir auch den großartigen „Turn Me“ Stein genommen, auf dessen Rückseite auch einfach „Turn Me“ steht.

hihihi

Du kannst ja mal aus der Zukunft berichten, ob er immer noch in der Regenbogenstraße in einem Blumentopf liegt. Ich vermute aber, dass er bereits jetzt, wo ich diese Zeilen tippe, Teil einer anderen Geschichte eines anderen Menschen ist. Es wäre aber auch hier cool, wenn wir die Geschichte irgendwann mal erfahren würden.

Trotzdem mit Aussicht

Nach guten zwei Stunden war der Bedarf nach Shopping und Stadt dann aber auch gedeckt. Wir beschlossen nach Selfoss zu fahren, Sushi zu holen und endlich mal die Postkarten fertig zu machen. Das war auch ein guter Plan, doch wieder war der Wettergott der Meinung, dass er sich in den Tag einmischen muss.

Die Fahrt war ziemlich anstrengend. Die Sicht war miserabel und auf der Straße stand sehr viel Wasser oder es flossen ganze Flüsse über sie. Aquaplaning im Blindflug ist kein Spaß. Doch du hast das insgesamt sehr souverän gelöst. Auch wenn deine Fingerabdrücke vermutlich für alle Ewigkeit im Lenkrad durch diese Fahrt eingraviert sein dürften.

Die Fahrt dauerte nur eine Stunde (auch wenn sie sich viel länger anfühlte) und dem Sushi folgte dann auch noch ein gutes Eis. Die Postkarten haben wir dann zusammen mit unserer Frau gerockt. Weißt du, vorhin im Souvenirladen hat die Verkäuferin schon komisch geschaut und sogar noch mal betont, dass Briefmarken Geld kosten, weil wir wohl wirklich eine kleine Macke da haben. Aber heute – heute ist da schon ein bisschen Stolz, dass es insgesamt 52 Postkarten aus diesem Urlaub gibt. Du hast heute übrigens mal kurz die These aufgestellt, dass die isländische Post vermutlich nur wegen dir nie Geldprobleme haben wird. Vielleicht ist da sogar was dran.

52 Herzchen

Ach, falls das interessant ist – du hast ganz ganz viele Schafe in allmöglichen Situationen auf die Postkarte gemalt. Gott weiß, wo die ganzen Ideen herkamen. Ich hoffe wirklich, dass uns in der Zukunft weiter so viele Sachen einfallen.

Da an dem Tag dann immer noch ein bisschen was dran war und auch der Beutel mit den Happy Stones noch passabel gefüllt ist, gab es dann den Beschluss, auch hier in Eyrarbakki einen Stein zu platzieren. Das macht ja auch Sinn, hier direkt vorm Wasser.

Sunshine Murphy

Wo sonst hätte Murphy so einen Ausblick auf das weite Meer? Ja, ok – an jeder anderen Küste Islands. Aber wir mögen es hier. Es hat diesen Geruch von Algen, Salzwasser und etwas Salzigen. Dazu das Geräusch der Wellen und irgendwie ist der Himmel hier immer etwas freundlicher, als im Rest des Landes.

Der Stein unter der Bank

Dann folgte noch der übliche Gedanke, dass Essen so nützlich ist, dass du es gern jeden Tag machst. Mit dem Gefühl des nahenden Urlaubsende war dann aber auch noch mal der Impuls da, gern etwas neues erleben zu wollen. Du hattest kurzerhand das Hafið Bláa Restaurant gefunden. Das soll keine 10 Minuten entfernt sein und zumindest im Internet sah es erstmal ganz gut aus.

Vor Ort gab es dann einen riesengroßen Hummer. Zumindest aus Plastik und ausreichend für ein Foto.

Meerestier

Blöderweise stand hinter dem Schild Opið (geöffnet) ein Zettel mit dem Hinweis, dass heute aufgrund einer privaten Veranstaltung geschlossen ist. Ein bisschen schade war das schon. Aber da unsere Frau sowie so gern ins Rauða Húsið geht, fuhren wir eben dahin.

Das sollten wir auch nicht bereuen. Es war etwas merkwürdig, weil die übliche Kellnerin nicht da war und die Chefin auch nicht. Dafür stand ein tätowierter Mann dort. Etwas wortkarg und irgendwie leicht nervös. Er nahm die Bestellung auf. Zweimal das Lamm. Nach wenigen Minuten kam er zurück an unseren Tisch und entschuldigte sich, dass sie heute keinen Lachs haben.

Zu dem Zeitpunkt warst du schon unsicher, ob der Abend noch eine eigenartige Wendung bekommt. Aber es gab dann noch den Moment, wo du dich getraut hast, ihm auf isländisch zu sagen, dass du ein bisschen isländisch sprichst und taute direkt auf. Da gab es sofort ein Lächeln und er war wie ausgewechselt. Ein guter Moment. Das Essen dort war und ist über jeden Zweifel erhaben und ich hoffe, du hattest in der Zukunft auch noch ein paar Möglichkeiten das zu bestätigen.

Irgendwie fehlte dann insgesamt die Motivation noch einen Blog zu schreiben. Aber wie du siehst, konntest du dich damals doch noch mal ganz gut aufraffen. Vielleicht hast du zwischen Gitarre gespielt, einen Song geschrieben und mehrfach Dinge gesucht, die dich ablenken. Aber das zählt alles nicht – denn hier ist ja jetzt doch der Text.

Ich bin sehr gespannt, was du mir dann in der Zukunft zu morgen erzählst. Der letzte volle Tag des Urlaubs und es geht abends bereits nach Keflavík. Vorausschauend vermute ich, dass ich wieder eine gewisse Nervosität haben werde. Klappt alles mit dem Hotel, klappt die Rückgabe des Autos, klappt alles mit den Koffern? Ja und du in der Zukunft hast es gut und weißt das alles schon und würdest wohl bestimmt jetzt schon sagen, dass ich mir nicht unnötig Gedanken machen muss. Am Ende war Island doch immer gut zu uns.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
X

AufgabeWann / Wo erledigt?Beweisfoto
Stoße mit Fremden auf Island an
Platziere einen Happy StoneGrundarfjörður
18.09.2026
Singe die isländische Nationalhymne
Verewige Murphy unwiderruflich und für immer in Island!Skógafoss
01.10.2026
Spiele Tic Tac Toe vor einem Wasserfall mit einem FremdenDettifoss
25.09.2026
Posiere zusammen auf einem Foto mit mindestens drei FremdenSvörtuloft 
19.09.2026
Verschenke ein selbstgemachtes Islandband!Svöðufoss
19.09.2026
Finde einen „Der Umweg hat sich gelohnt“ OrtGamlalaugin
23.09.2026
Mach ein Foto für das Plakat: Island – der Film!Gufufoss
28.09.2026
Male das größtmögliche Speedsheep!
Sei einmal bis zum Bauchnabel im WasserIrgendwo Westfjorde
22.09.2026
Sei allein auf der WeltMjóifjörður
26.09.2026
„Es gibt kein schlechtes Wetter….“Kolugljúfur
24.09.2026
Ein neuer FreundVík í Mýrdal
01.10.2026
Prüfe, ob das Elfenhaus noch steht und baue sonst ein neuesGarðar BA 64
21.09.2026

Hinterlasse einen Kommentar