Verhaltensstörung im Supermarkt

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Machn se ma ne zweite Kasse auf ey

Ich habe ein tolles Wort gelernt: Realtalk! Eigentlich kannte ich das Wort schon aber ich verwende es quasi nie. Es meint, das man mal Klartext redet. Klartext klingt aber so nach den 80igern während Realtalk ein Hippes-Publikum erreicht. Also… Realtalk!

Kein Mensch wartet gern. Entsprechend steht auch niemand gern im Supermarkt in der Schlange. Wenn es eine Sache gibt, die noch schlimmer ist als im Supermarkt in einer Schlange zu stehen und zu warten, dann sind das zweifelslos die Leute, die ununterbrochen darüber jammern.

„Machen Sie doch mal eine zweite Kasse auf, dann geht das hier schneller“. Wow, echt? Kein Scheiß? Die Reinkarnation von Sherlock Holmes bei mir im Rewe. Auch toll „Da wartet ein Rollstuhlfahrer“ – ja und nu? Öffnet sich einen Dämonenportal, wenn man einen Rollstuhlfahrer zulang vor einer Kasse parkt?

Natürlich musste sich dann noch eine Grummelomi brubbelnd hinter mich stellen. „Das gibt es doch nicht“ und „Was soll denn das hier?“. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob das der Moment ist, wo ich mich zu meiner Frau drehe und sie mal frage, wie sie eigentlich zu nervenden Menschen steht, die sich brubbelnd zu einem stellen. Lang lebe die passive Aggressivität.

Ich glaube, manche Menschen wollen einfach meckern. Eine Art von Selbstbestätigung, wo sie (und zwar nur sie) ein Problem feststellen, die Lösung kennen aber die Ungerechtigkeit der Welt ihre Brillianz verschmäht. Und ja, mir ist die Ironie dieses Blogbeitrags an dieser Stelle durchaus bewusst. 😉

Vielleicht ist es auch ein eigenartiger Versuch der Verbrüderung. Soziale Kontakte entstehen bekanntlich recht schnell, wenn es Gemeinsamkeiten zwischen Menschen gibt. Aber was genau wäre da wohl mein Part? Sollte ich beim nächsten Einkauf Fakeln und eine Mistgabeln mitnehmen, damit wir zur Revolte rufen können? Vielleicht liegt im Eingangsbereich auch immer die Kohle damit man kurzfristig einen Scheiterhaufen errichten kann. So viele ungeklärte Fragen.

Immer wenn ich sowas erlebe, möchte ich mich am liebsten mit der Kassiererin verbünden und den Kampf gegen nervende Menschen starten. Leider weiß ich nicht wie. Eine Diskussion scheint mir recht wertfrei. Wenn 5-10 Minunten Anstehen schon als unmenschliche Grausamkeit empfunden werden, sind sachliche Argumente vermutlich eher nicht zielführend. Mitleid für die Kassiererin finde ich auch falsch. Das impliziert in gewisser Form, dass sie doch Schuld ist. Zumal der Stresspegel so hoch ist, dass ein gutes Gespräch eher nicht stattfindet.

Deswegen an dieser Stelle: Liebe Kassiererin, lieber Kassierer, ihr macht einen guten Job und mir ist völlig bewusst, dass Dinge so lange dauern, wie sie dauern. Ich wünsche  weiterhin die Kraft die Dummheit und Ignoranz der Geistesakrobaten zu erdulden. Bleibt stark!

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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