Das Laufband und ich

Ein Drama in zwei Akten.

Wie vermutlich die meisten Männer, habe auch ich eine ausgepfeilte Bauch-Einzieh-Technik. Das funktioniert etwa so: Immer wenn ich das Gefühl habe, ich bin zu dick, ziehe ich den Bauch ein und hoffe auf eine Sehschwäche all jener Personen im Raum, die vermeintlich attraktiver sind als ich.

Im letzten Spätsommer stand ich auf der Waage und dachte so bei mir, wenn das so weitergeht, muss ich die Gewichtsbegrenzungen auf manchen Brücken doch noch irgendwann ernst nehmen.

Es folgte der professionelle Ansatz einer Ernährungsberatung und die Erkenntnis, dass Sport, solang man ihn nur im Fernseher sieht, kaum spürbare Veränderungen im Kalorienbedarf bewirkt. Zwar meinte meine Ernährungsberaterin schon damals „Na, so ein wenig Bewegung würde doch gut tun.“ doch ich wusste bereits dort, dass…

a) Sie recht hat und

b) ich keine Lust drauf habe.

Und so stand mein vor Jahren gekauftes Laufband artig ungenutzt im Arbeitszimmer und wurde Besuchern bei eingezogenem Bauch als Ausgleich für stressige Arbeitstage verkauft.

Nun sind ein paar Monate vergangen und meine kühnsten Träume bei der Ernährungsberatung erfüllen sich mehr und mehr. Vollkorn-Knäckebrot ist der geilste Scheiß überhaupt und wer konnte ahnen, dass Pastinaken und rote Bete gerngesehene Dauergäste auf meinen Tellern werden?

Mit der Zeit habe ich auch diesen leicht traurigen Blick meines Laufbands vernommen. „Hey, mach doch mal was mit mir“ schien es zu flüstern. „Nicht immer nur Wäsche an mir aufhängen oder die Katzen über mich jagen…. gehen… laufen… benutz mich!!!“ Und man will ja dann auch nicht so sein…

Anfangs 8km/h > 5 Minuten > ich so… tot. Mittlerweile bin ich 45min auf dem Laufband und schaffe über 6km in der Zeit. Tendenz weiter steigend. Es ist sogar soweit gekommen, dass ich richtig gierig aufs Laufband bin. Nach 10h vor dem Rechner und dem lebensjahenden Grau draußen, sind diese 45min auf dem Laufband nicht nur gesund – sie tun auch noch richtig gut.

Tja und dann gibt es so Tage wie heute. Ich schreibe diesen Beitrag gerade mit meinen Laufschuhen an. Die Schweißbänder sind um die Handgelenke angelegt, die Bluetooth-Kopfhörer mit dem Tablet verbunden und der passende Film auf Netflix herausgesucht. Und voller Tatendrang… sitzt nun meine Frau im Arbeitszimmer und arbeitet. „Das geht jetzt nicht“ verstehe ich aus ihrer Geste, während sie sich mit Arbeitskollegen über Arbeitsthemen unterhält.

Sollte ich durch den heutigen Tag wieder fett werden – ihr wisst nun warum.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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