Irgendwas ist anders

Scheint da etwa die Sonne?

Die letzten Tage gab es ein soziales Phänomen. Während unsere Begegnungen mantraartig wiederholten, dass man uns besseres Wetter wünscht, waren wir eigentlich schon recht happy, mit dem was wir haben. Heute war es dann aber soweit: Es schien den ganzen Tag die Sonne und zack wünschte uns niemand mehr gutes Wetter. So kann es gehen.

Wenn die Leute annehmen, dass einem gutes Wetter für die Reise hilft, impliziert das ja irgendwie, dass man mehr oder bessere Sachen machen kann, als bei Regen. Ich glaube, unbewusst hat uns das angestachelt. Wir sind sehr früh vom Hotel aufgebrochen und zum ersten mal deutlich nach Einbruch der Nacht zurück.

Weil sich das die letzten Tage recht gut gemacht hat, lasst uns auch heute chronologisch den Tag durchgehen. Den Startschuss sollte der Goðafoss liefern. Zwei Sachen dazu, die ihr vielleicht noch nicht wusstet.

1.) Das „ð“ spricht tendenziell wie ein englisches th.

2.) Der Goðafoss bietet mehrere Möglichkeiten, von wo man ihn betrachtet.

Zugegeben, die erste Information ist nur ein wenig Klugscheißerei. Die zweite Info soll euch jedoch vermitteln, dass man an diesem Prachtexemplar von Wasserfall eine Menge Zeit verbringen kann. Der Wasserfall liegt ziemlich genau an der Ringstraße. Die Isländer haben vor Jahren schon einen riesigen Parkplatz und ein Souvenirgeschäft dahin gestellt. Der Goðafoss ist damit sehr weit weg, von einem Geheimtipp. Er ist eher ein Star der Wasserfälle. Mit diesem Druck kann er aber augenscheinlich auch gut umgehend.

Wir sind zuerst an seine linke Flanke gegangen. Neben diversen Aussichtsplattformen gibt es dort auch die Möglichkeit eine Etage tiefer zu gehen. Man steht dann zwar etwas in der Gischt, kriegt aber auch einen sehr lebhaften Eindruck von der Naturgewalt. Die schöneren Fotos gibt es meines Erachtens aber tatsächlich „oben“.

Goðafoss von links-oben

Goða sei Dank, muss man sich nicht festlegen, von wo man ein Foto machen möchte. Wir sind nach einer Weile also auf die andere Seite gegangen. Hier befinden sich ebenfalls Aussichtsplattformen und zusätzlich gibt es hier die Möglichkeit, dass man einem Wanderweg folgt. Dieser führt entlang des Flusses, der dann eben als Wasserfall prominent wird.

Goðafoss von rechts

Und während meine Gattin Spaß an Langzeitaufnahmen fand, habe ich mich darüber gefreut, wie viele Regenbogen doch entstehen, wenn die Luft voller Wasserpartikel ist und dann vom der Sonne angestrahlt wird. Und ja, ich gebe zu, dass wäre ohne das eingangs zitierte „Gute Wetter“ eher schwerer geworden.

In Summe haben wir beim Goðafoss locker 2 Stunden verbracht. Als nächstes ging unsere Reise zum Námafjall. Ich bin gar nicht so sicher, ob der Berg so heißt oder ob es die ganze Region ist. Es geht aber weder um das Eine noch das Andere. Námafjall ist berühmt dafür, dass die Erde kocht – wortwörtlich. Man mag da eigentlich gar nicht darüber nachdenken, wenn man sich dort bewegt. Aber letztlich ist wenige Meter unter einem eine extrem lebensfeindliche Kombination aus Chemie und Hitze am Werk.

Die ganze Region riecht sehr penetrant nach faulen Eiern. Das mag am Schwefel im Boden liegen und eben der Hitze. Denn überall steigt Dampf auf. Teilweise dampft es friedlich vor sich hin, ein paar Meter weiter zischt es nur so aus den Boden und meterhohe Rauchschwaden stinken sich ihren Weg über das gesamte Areal.

Mount Pups

Wem das an Unwirklichkeit noch nicht reicht, der findet überall Löcher im Boden, aus denen es fröhlich im lebensbejahenden Grau blubbert. Hinweisschilder verraten: Jede Berührung damit, wird mehr als nur wehtun. Bis zu 400°C heißer Schlamm erwartet einen, falls man doch mal den Finger reinhalten möchte.

Das Land mit dem Blubb

Und für all jene Touristen, denen das immer noch nicht an außergewöhnlichen Anblicken reicht, haben meine Frau und ich lustige Schattenspiele gemacht. Für eine „Figur“ haben wir gar ein Extrapaar Arme gebraucht und einen Mann angesprochen, der zufällig neben uns stand. Er dachte doch ernsthaft, als wir um Hilfe baten, dass er nur ein Foto von uns machen soll – pah – hier wird mitgemacht!

Und niemand weiß warum…

Und ja auch hier: Die Schattenspiele wären ohne Sonne vermutlich noch anspruchsvoller fürs Publikum geworden. Das gute Wetter hat also schon 2 Pluspunkte gesammelt. Womöglich kommt beim nächsten Stopp noch einer dazu? Lasst es uns zusammen herausfinden.

WIr fuhren über eine Straße, die 2018 bestensfalls Schotter mit Spurrillen war. Am Ende der Straße wartete ein Parkplatz auf uns. Circa 600m später dröhnte einer der mächtigsten Wasserfälle überhaupt: Der Dettifoss. Ich hatte dieses Monstrum bei unserem ersten Islandurlaub schon mal gesehen. Durch die Vorbereitung auf diesen Urlaub hatte ich ihn ebenfalls noch mal in Videos gesehen. Und dann steht man davor und denkt nur… heilige Scheiße – ist das ein krasses Teil!

Es ist gar nicht zu beschreiben, was für eine Kraft da wütet. Während diese Worte über den Bildschirm laufen, fallen dort gerade mehrere 100.000 Liter Wasser runter. Jede Sekunde – Tag ein, Tag aus. Das ist kein Wasserfall mehr sondern ein vertikaler Ozean.

Regenbogen sind die Monokel der Wasserfälle

Als Besucher kann man etwa 4-5m neben dem Getöse stehen. Auch hier ist es ratsam, nicht zuviel darüber nachzudenken, welche Macht sich in direkter Nähe befindet. Die Wassermassen hätten keine Mühe mal eine Besucherplattform in Gänze von der Erdoberfläche verschwinden zu lassen. Zu meinem Glück, taten sie das aber heute nicht.

Wir waren zuerst auf der Westseite des Dettifoss. Wenn man sich irgendwann mal sattgesehen hat oder sich vom Anblick aus Zeitgründen lösen musste, ist auf der gleichen Seite des Flußes circa 600m weiter noch der Selfoss.

Kein Selfie am Selfoss

Der wäre vermutlich auch sehr beeindruckend, stünde daneben nicht eben jener Dettifoss. Wir haben uns trotzdem die Zeit genommen und ihn mal aus der Nähe bewundert. Kleiner Fun-Fact am Rande: Als wir dorthin spazierten, gingen gerade 2-3 Männer baden. Draußen 5°C, Wasser das vor kurzem noch im Gletscher war – jap, da geht man baden. Warum auch nicht?

Da wir vom Dettifoss derartig überwältigt waren, wollten wir auf jeden Fall auch noch auf die andere Seite. Luftlinie sind das vielleicht 100 Meter. Wenn man nicht gerade fliegen kann, muss man wohl oder übel aber die Route mit dem Auto nehmen. Die dauert knapp eine Stunde.

Auf dem Weg zum Dettifoss (Ost) hatten wir uns dann aber noch kurz überlegt, dass wir zum Hafragilsfoss ranfahren. Das ist ein Umweg von circa 20 Minuten und damit absolut verkraftbar. Der Wasserfall selbst ist auch wunderschön und Tatsache direkt neben Dettifoss und Selfoss. Aus irgendeinem Grund bleiben die Touristenmassen aber fern. Uns sollte es recht sein.

Hafragilsfoss von oben

Die Wasserfälle gehören übrigens alle zum Nationalpark Mývatn. In diesem Park herrscht aufgrund des Vogelschutzes Flugverbot für Drohnen. Das finde ich natürlich für mich schade aber verstehe den Grund und hab mich daher artig dran gehalten. Es wird noch andere Fluggelegenheiten geben. Außerdem: Wenn ich nicht fliege, entstehen auch mal ganz nette Bilder von mir.

Die Sonne hatte wohl bemerkt, dass sie schon den ganzen Tag draußen war und beschlossen, dass es so allmählich reicht. Fein für uns, denn wir standen mittlerweile an der Ostseite des Dettifoss. Die ganzen Social Media Geier standen direkt dort, wo das Wasser fällt. Meine Frau und ich zogen es vor, komplett allein einfach etwas weiter hinten unsere Fotos zu machen und die Abendstimmung zu genießen.

Dettifoss wenn es dunkel wird

Als wir genug Bilder (falls es das überhaupt gibt) hatten, ging es zurück ins Hotel. Auch noch mal 2,5h Autofahrt und mangels Sonne dann auch im Dunkeln. In Island leuchten sehr wenig Städte und ich muss gestehen, dass der Tag echt lang war und so eine Autofahrt zum Abschluss nicht unbedingt zur Erheiterung beiträgt. Auf dem Hotelparkplatz angekommen, waren da zwar keine Nordlichter zu sehen aber immerhin sehr viele Sterne und auch hier ist die Vermutung naheliegend, dass ich die bei schlechtem Wetter wohl nicht gesehen hätte.

Für morgen ist übrigens Wind und Nebel angesagt. Ich finde, dass das jetzt auch nicht pauschal schlechtes Wetter ist aber sollte mir jemand gutes Wetter wünschen wollen, würde ich das mit der Erfahrung des heutigen Tages auf jeden Fall ehrlich annehmen 😉

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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3 Kommentare zu „Irgendwas ist anders

  1. Nach einer Woche Sonnenschein und blauem Himmel (voll laaaangweilig) ist es heute auch gekippt. Gerade trommelt der Regen aufs Womodach.

    Toller Bericht und tolle Fotos, wobei Fotos die schiere Macht und Wucht der Fälle nie so recht transportieren kann. LZB ist cool, sieht gleich ganz verwunschen aus. Wieviele Wasserfälle hat Island eigentlich?

    Wenn sie ihre Energie nicht schon aus dem Inneren gewinnen würden, hätten sie Wasserkraft ohne Ende. Glückliche Isländer. Viel Spaß noch und natürlich viel gutes Wetter. LG

    Gefällt 1 Person

    1. Bei uns ist das Wetter heute wieder gekippt (kommt nachher noch ein Beitrag dazu 😉 ) Ich würde nun doch wieder gern die Sonne nehmen 😀

      Meine Frau hat auf jeden Fall ein Händchen für Langzeitbelichtung. Dauert halt immer seine Zeit aber wir sind ja im Urlaub und haben vermeintlich genug davon 😉 Wie viele Wasserfälle Island hat, lässt sich dabei nicht so genau sagen. Ich würde auf mehrere Tausende tippen.

      Wo ich neulich schon bei Geschichten war und du es ansprichst, der Gullfoss ist der namensgebende Wasserfall für den Goldenen Zirkel (Gull = Gold). Vor gar nicht so langer Zeit wollte eine Firma daraus ein Wasserkraftwerk machen. Das wurde nur verhindert, weil eine Isländerin protestiert hat, inklusive der Androhung, sie würde sich in den Wasserfall stürzen. Es reicht hier trotzdem dafür, dass die meisten Haushalt (im Vergleich zu Deutschland) Spottpreise für Energie zahlen 😉

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