Alles wird gut

Wie Island Liebe zeigt

Der Elefant im Raum ist die Frage, ob wir heute frei gekommen sind. Die Antwort ist: Ja! Aber wisst ihr, wir müssen woanders anfangen und glaubt mir, dass lohnt sich heute. Es war gestern Abend um etwa 22 Uhr. Auf einmal war unsere Straße wieder befahrbar. Nach der ersten Euphorie der Fokus: Wir müssen uns vorbereiten. Es muss alles eingepackt werden, das Zimmer so vorbereitet werden, dass unsere Gastgeberin es nicht im Nachgang bereut und selbstredend müssen wir Stadt Land Mord, Insekt, unnötige Superkraft, Kosmetikprodukt….. noch zu Ende spielen.

Es war gegen 23 Uhr, als wir alle fleißig am wirbeln waren. Ich hatte die Aufgabe geschnappt, den Müll rauszubringen. Außerdem gab es die Nebenquest, dass ich mal am Haus der Hotelbesitzer vorbeigehe und schaue, ob noch jemand wach ist. Beides tat ich mit der mir eigenen Eleganz. Dabei fiel mir auf, dass über dem Berg ein Licht in der Wolke zu sehen war.

Vielleicht ein Auto, vielleicht eine Refelxion eines naheliegenden Dorfes… wer weiß schon, warum Wolken manchmal anfangen zu leuchten? Da das Leuchten aber recht unabhängig von der Wolke agierte, rief ich Verstärkung aus der Küche hinzu. Die erste Reaktion… „Mhm ja, könnte… vielleicht… schon möglich… aber… mhm…“. Die zweite Reaktion war dann deutlich klarer „Das ist nix!“.

Ich war nun aber angefixt und bat meine Frau sich den Sachverhalt mal genauer anzuschauen. Schließlich hat sie schon mal Nordlichter gesehen und muss es wissen. Tat sie auch. Es gab keinen Zweifel und kaum als sie die Gewissheit äußerte, passierten Dinge am Himmel, die sich nicht beschreiben lassen. Ich habe euch einige Fotos mitgebracht. Smartphones, GoPro und Co… alles nicht für hohe ISO-Werte und Bewegtbilder in der Nacht ausgelegt – aber ihr kriegt die Idee.

Da kann man als ausgewachsener Mann schon mal Pipi in die Augen kriegen. Über uns explodierte der Himmel und wir waren live dabei. Was für ein Erlebnis. Der schiere Wahnsinn.

Da wir so langsam aber doch erfroren und die Lichter nach und nach hinter die Berge und aus unserem Blickfeld wanderten, gingen wir wieder rein. Dort folgte dann irgendwie zwischen 0 und 1 Uhr die Verabschiedung. Unsere Leidensgenossen wollten sehr früh los, um ihre eigentlichen Urlaubspläne vielleicht doch noch etwas einzuholen. Meiner Frau und mir ging es im Grunde nicht besser. Wir wollten bei Tagesanbruch auch weiter.

Blöderweise ging die Lichtershow draußen genau dann in die zweite Runde als wir ins Bett gingen. Noch blöder – vom Bett aus sah man den Himmel. Ja und so wurde es dann doch kurz vor 2 Uhr, als mir bewusst wurde, dass ich völlig übermüdet bin und trotzdem nicht schlafen möchte – es aber dringend sollte.

Wach wurde ich um 5 Uhr vom lieblosen schalmeien meines Weckers. Zu diesem Zeitpunkt war ich erstaunlich fit für jemanden, der kaum geschlafen hat. Die Aussicht, auf die Fortsetzung des eigentlichen Urlaubs setzte einige Kräfte frei.

Wir fuhren sehr vorsichtig aber konsequent los. Die Straßen sahen gut aus und wir kamen gut vorwärts. Nach etwa 20 Minuten sahen wir einen Kleinwagen am Straßenrand. Es war auch zu erkennen, dass jemand drinsitzt. Wir hielten an und fragte, ob er Hilfe braucht. Er verneinte und sagte, dass er nur hier steht, weil er die Rentiere fotografieren möchte.

Moment, Rentiere? Ja, da standen wirklich Rentiere unweit der Straße. Recht entspannt posierten sie etwas für meine Frau und gaben uns das gute Gefühl, dass die Fahrt uns einges bieten kann.

Rudolph vor der Weihnachtssaison

Das sollte sich dann auch sehr bald bestätigen. In der Bergen des Süd-Ostens wurde es beinahe kitischig. Der Himmel blau, die Wolken fluffig und alles ruhig und friedlich. Wasser teilweise spiegelglatt und wäre man nicht dabei gewesen, man würde nicht glauben, dass die letzten Tage Unwetter war. Aber auch für uns war es sehr unwirklich. Das hindert uns aber nicht daran, schöne Fotos zu machen.

Die guten Seflies

Wir erreichten mit den paar kleinen Zwischenstopps Höfn minimal später, als ursprünglich gedacht. Das war aber vollkommen fein, da Höfn nur noch als Sicherheit diente, falls doch irgendwas am Wetter wieder kippen sollte. Hier kippte aber nichts. Im Gegenteil. Island drehte ein Werbevideo, wie schön das Leben hier ist und wir waren die Hauptdarsteller.

Von nun an ging es wieder hauptsächlich um Wasserfälle und andere Sehenswürdigkeiten. Wie zum Beispiel den Diamond Beach. Wer es nicht kennt, das ist ein pechschwarzer Strand und die Strömungen wollen es, dass kleine Eiskristalle und riesige Eisklumpen formvollendet am Strand ihr Dasein ausklingen lassen. Auf Bildern sieht das etwa so aus:

Umzingelt von Eis

Ja ihr seht richtig. Ich bin so cool, um mich herum kann Eis sogar am Strand existieren. Aber im ernst. Die Sonne schien auch hier und es hätte kaum schöner sein können. Zumal es nicht beim Strand allein bleibt. Denn die Eisbrocken kommen ja nicht vor irgendwoher, sondern vom Gletscher nebenan. Genauer gesagt, transportiert die Gletscherlagune Jökulsárlón das gefrorene Wasser nach draußen. Kann man sich aber beides anschauen, von daher muss man hier gar nicht zu viel differenzieren.

Für uns war es das dritte mal in der Gletscherlagune und wir hatten das Gefühl, dass das Wasser sehr hoch steht. Man schaffte es trotzdem mühelos, an den faszinerenden Eisskulpturen den ein oder anderen Blick zu lassen – auch vom direkten Uferrand aus.

Hübsch, weil hünsch

Vom Jökulsárlón sind wir noch mal zum Diamond Beach. Schließlich hat der Gute je einen Parkplatz pro Lagunenseite und warum sollten wir nicht beide nutzen? Zumal bei der zweiten Runde folgendes phänomenales Bild entstanden ist:

Blick nach vorn

Die weitere Fahrt bis nach Vík í Myrdal spickte sich mit vielen vielen weiteren „Kleinigkeiten“. Immer wieder blinzelte ein Wasserfall uns bereits aus der Ferne zu.

Wir sind nun auch im Süden und hier ist eben sehr sehr viel Tourismus. Als naturbegeisterter Mensch kommt man hier dennoch sehr sicher auf seine Kosten. Jeder Parkplatz und jede Ausbuchtung an der Straße bietet ein Highlight. Beispiel gefällig? Der folgende Ort hat keinen Namen, ist frei zugänglich und liegt exakt an der Ringstraße.

Endless nameless

Gleihes gilt übrigens für den nächsten Ort, wobei dieser durchaus einen Namen hat. Die moosbedeckten Erdpickel heißen Eldhraun. Ich kannte die bislang nur im Regen und da sind sie eigentlich sehr saftig grün. Heute in der Sonne mutet alles etwas grauer an – war aber trotzdem schön.

Schatten der letzten Tage?

Mit knapp 5 Stunden reiner Fahrtzeit und einer Palette von Highlights, die einen Urlaub auch allein füllen könnten, sind wir in unserem Hotel gelandet. Ehrlich gesagt, bin ich gerade auch nur noch platt. Mir fallen schon während des tippens die Augen gelegentlich zu. Meine Frau hat es sogar schon ganz entschärft. Deswegen lasst mich zum Abschluss nur noch vielsagend schreiben: Alles wird gut, immer und wir sind der Beweis 🙂

In diesem Sinne

Habe die Ehre
X

PS: Rechtschreibprüfung oder Satzteile, die nicht so recht zum Rest passen wollen, korrgiere ich vielleicht morgen… heute gehts schlafen 😉

2 Kommentare zu „Alles wird gut

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