Am Ende der Reise

Der Abschied naht

Die Hauptverkehrsader Islands ist die Ringstraße. Wer wüsste das besser als wir? In den letzten zwei Wochen haben wir über 4.000 Kilometer runter gerissen. Morgen um diese Zeit dürften wir schon wieder in Berlin sein. Wenn ich das hiesige Hotelzimmer mal als repräsentativen Kreis an Menschen nehme, kann ich festhalten, dass eine absolute Mehrheit gern hierbleiben würde. Gut, wir müssten unsere Kater und ein paar Freunde davon überzeugen hierher auszuwandern. Der Plan ist insofern also nicht gänzlich wasserdicht, aber was ist das in Island schon?

Morgen geht es dann also die letzten Kilometer zum Flughafen. Dabei wäre es doch eigentlich naheliegend, wenn man einen Kreis fährt, dass man einfach wieder von vorn beginnt, oder? Okay, ich werd mal versuchen nicht schwermütig zu werden. Die letzten zwei Wochen waren zwar teilweise anders als gedacht aber hey, man kriegt in Island nicht immer den Urlaub den man will, aber genau den, den man braucht.

Heute wollten wir uns mit Blick auf den morgigen Tag schon mal in die grobe Nähe des Flughafens bringen. Das ist in Island insofern einfach, da es in Keflavik gefühlt 3 Isländer gibt, aber 800 Hotels. Für all jene, die nicht über Reykjavik fahren, hat Island auf dem Weg trotzdem noch viel Schönes zu bieten. Nichts gegen die Hauptstadt – ich mag nur Natur deutlich lieber.

Unser erster Stopp war der Urriðafoss direkt neben Selfoss. Für die Einheimischen ist das ein beliebter Punkt zum Lachsangeln. Für Touristen ein sehr gut erreichbarer Punkt zum Staunen. In unserem Fall auch ein weiteres Objekt, um die SD Karten unserer Kameras zu strapazieren.

Nur noch ein Video…

Wenn ich mir überlege, wie das in meiner Kindheit war… Da hat man von Mama und Papa mit viel Glück eine Kamera und einen Film mit (was waren es – 32 Bildern?) bekommen und musste zusehen, wie man damit klarkommt. Damals natürlich alles ohne Bildstabilisator, Langzeitbelichtung oder Drohnen. In den zwei Wochen Island haben wir täglich um die 400-500 Bilder / Videos gemacht. Hier und da mit Ausreißern nach oben. Verrückte Welt.

Vor allem ja auch deshalb, weil wir bei jedem Bild sehr genau wissen, dass man die Schönheit des Moments am Ende doch wieder nicht in Gänze einfangen wird. Ein wenig konserviert so ein Bild aber dann trotzdem den Moment, von daher sind viele Bilder auch viel gut 😉

Zurück zum Text. Nach unserem ersten Stopp sind wir weiter zu eher versteckten Wasserfällen. Ich glaube, der Ægissíðufoss steht bei genauso vielen Menschen auf der To Do Liste, wie es Menschen außerhalb von Island gibt, die ihn richtig aussprechen.

Unaussprechlich schön

Wir verweilten hier und genossen noch einmal die volle Einsamkeit Islands. Der leichte Nieselregen störte uns dabei kaum mehr. Mittlerweile sind wir da vermutlich auch schon etwas abgehärtet. Island und wir, das funktioniert.

An dieser Stelle möchte ich dem Gedanken des Reisetagebuchs noch mal ein Detail spendieren. Denn vor dem Gitter, wo die Angler wohl zum Ægissíðufoss fahren, standen wir heute Vormittg mit unserem Auto und aßen Käsebrote. So schlicht, wie lecker – Käsebrote gehören bei uns genauso zu Island, wie Schafe und Wasserfälle. Es freut mich daher, dass wir am letzten vollen Tag in Island noch mal ein Käsebrot vor einem Wasserfall hatten.

Als wir weiterfahren wollten, entdeckten wir am Straßenrand, dass man uns beobachtete. Kurzerhand stoppten wir das Auto und suchten das Gespräch. Viel gesagt haben die Isländer ja nicht… ich musste auch etwas aufpassen, denn der eine fand mich scheinbar zum Anbeißen lecker. In Summe trotzdem ein schönes Treffen. Fürs Protokoll: Das sind Pferde und keine Ponies!

Worauf man in Island abPferd

Ja und dann wurde es märchenhaft. Wir sind zum Árbæjarfoss und auch hier gilt, wenn man nicht weiß, dass es ihn gibt, findet man ihn nicht. Stellt euch vor, dass ihr von der Hauptstraße runterfahrt und dann solch Anweisungen folgt wie „Wenn die Bäume aufhören, biegt rechts in den Matsch und fahrt bis das Gras sich gen Osten wiegt…“. Ganz so dramatisch war es letztlich nicht, für mich als Fahrer fühlte es sich aber so an.

Vor ort erwartet einen dann ein kleines Juwel. Der Wasserfall mag nicht der größte und gewaltigste sein, jedoch ist er wirklich malerisch. Man kann durch eine kleine weiße Tür über ein paar Hügel gehen. Der Wasserfall stets neben einem. Ein kurzer Sprung über einen Mini-Fluss und schon steht man mitten im Paradies. Uns hat das Ganze an das Auenland vom Herrn der Ringe erinnert. Eine wunderbare kleine Welt und die Hoffnung bleibt, dass dieses Fleckchen Erde noch viele Jahre vom großen Tourismus verschont bleibt.

Der Tanzhobbit

Zurück auf der Straße knurrte uns so langsam der Magen. Da es wohl unsere letzte Chance war, machten wir uns noch mal auf den Weg zum Skógafoss. Einerseits ist der Wasserfall einfach atemberaubend und auf der anderen Seite mögen wir das Restaurant vor Ort gern.

Sehen und staunen

Gestärkt mit Trend zum Fresskoma saßen wir dann wieder im Auto und fuhren an der Südküste Islands entlang gen Westen. Bevor wir es nach Keflavik geht, wollten wir aber noch einen kleinen Abstecher machen. Der letzte Stopp des Tages sollte kein Wasserfall werden, sondern eine abgelegende Landschaft mit steilen Klippen.

Die Steilküste des Krysuvikurbjarg ist wohl auch eher ein Geheimtipp. Selten verirren sich Menschen hier her und auch wir haben es nur deshalb gefunden, weil wir letztes Jahr zum Vulkan wollten und uns bei dem unausprechlichen Namen dachten, dass das bestimmt auch gut sein muss. Man folgt einer kleinen Ewigkeit einer ruppigeren Straße bis man vor sich einen Abgrund, gefolgt vom weitem Meer sieht.

Krysuvikurbjarg

Ich stelle mir dort gern vor, wie damals so ein Vikinger nach Wochen auf See endlich Land sieht und dann vor dieser Steilküste entlang rudern darf, weil es hier kilometerweit keine Chance gibt, in einem Stück an Land zu kommen. Kein Wunder, dass Vikinger als grummelige Zeitgenossen in die Geschichtsbücher eingingen.

Ja und dann war es soweit, wir landeten in Keflavik. Ein Flughafenhotel, von der Ausstattung her ist das alles okay. Ich höre gerade schon, wie so manch ein Flugzeug hier startet und landet. Morgen heißt es dann für uns den Mietwagen abgeben, die Koffer einchecken und dann die große Langeweile der modernen Flughäfen aushalten. Ach und dann fliegen wir natürlich auch noch bissl mehr als 3 Stunden zurück nach Berlin.

Ich denke nicht, dass ich morgen noch einen Bericht schreiben werde. Wenn alles gut läuft, fallen wir irgendwann abends geschafft ins Bett. Falls nicht alles glatt geht, könnte ich hier auch nur kreativ meckern. Ich will es nicht jinxen. Sagen wir einfach, ich hoffe, dass die Koffer überhaupt ankommen.

Was bleiben wird, ist das gute Gefühl, einen Platz auf der Erde gefunden zu haben, der sich richtig anfühlt. Ein wenig fehlt mir das Land ja jetzt schon. Aber hey, es wird ein nächstes Mal geben! Und zum überbrücken, habe ich ja jetzt ein Reisetagebuch. 🙂

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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4 Kommentare zu „Am Ende der Reise

  1. Naja, dss wars ja dann, oder? Island, ✅ dran. Alle Wasserfälle gesehn, teils mehrfach, alle Inselstraßen abgefahren, was soll jetzt noch kommen? Oh wait, fahrt ihr dieses Jahr nicht nochmal hin? Im Dunkeln? Eieiei, muss ne tolle Insel sein 😎

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