Endlich Urlaub
Der Tag ist geprägt von Besonderheiten. Fangen wir mit einer tragischen Nachricht an. Freddy, meine liebgewonnene Spinne von gestern ist nicht mehr da. Wir haben im Badezimmerfenster gestern noch die Spinne Agatha gefunden. Ich habe die Hoffnung, dass Freddy und Agatha einfach durchgebrannt sind. Hoffentlich leben sie glücklich, wo auch immer sie auch sind.
Ich hätte trotzdem gern gewusst, warum sie so kommentarlos fort sind. War es eine Beschwerde von den Fliegen? War es die permanente Helligkeit aufgrund der fehlenden Nacht? Oder lag es am aufkommenden Schneesturm? Man weiß es nicht.
Aber sei es wie es sei. Freddy ist weg und wir sind noch hier. Machen wir also das beste draus. Tatsächlich tat ich das heute früh sogar schon. Denn ich habe (und jetzt haltet euch fest) ausgeschlafen! Jawohl! Ich, Axel, der unermüdliche Frühaufsteher – ich habe gute 9 Stunden geschlafen! Ich bin etwas unschlüssig, wie ich mir ein Beweisbild in der ToDo Liste dazu vorgestellt habe. Aber geht mal davon aus, dass ich eingewickelt in einer Bettdecke zwischen ein paar Kopfkissen lag und keinerlei Reue spürte, als ich auf die Uhr schaute und sah, dass der Tag schon mitten im Gange ist.
So ganz ungeplant passierte das nicht. Denn wir wussten gestern Abend bereits, dass der Tag heute eher ruhiger wird. Wir wussten nur noch nicht, wie ruhig genau das dann ist. Der gesamte Tagesplan sah so aus, dass wir zum Goðafoss wollten. Dann noch ein bisschen Lebensmittel kaufen und das war’s auch schon. Gemessen an unseren letzten Tagen also quasi ein freier Tag.
Als ich mit ausreichendem Anlauf die Augen öffnete, war die Welt da draußen bereits in allen Grautönen versunken. Ein paar Tropfen Nieselregen gesellten sich schon dazu und im Grunde war klar, dass der Tag auch nicht viel voller wird, als eben der kleine Plan rund um den Goðafoss.
Von hier aus fährt man circa 40 Minuten zum Wasserfall. Die Zeit fühlte sich dabei aber noch kürzer an. Wir kennen diese Strecke aufgrund von unzähligen Fahrten schon sehr gut. Man weiß, wo welcher Parkplatz kommt, wo welche schöne Aussicht ist und entsprechend kommt nie sowas wie Langeweile auf. Wir freuen uns darüber, dass wir das alles kennen und reden dann gern im Auto darüber, welche Erlebnisse und Erinnerungen wir mit den jeweiligen Orten verknüpfen. Mittlerweile kommt da ja doch eine Menge zusammen.
Beim Goðafoss konnte ich dann einmal mehr mit einer meiner Lieblings-Lebensweisheiten punkten. Diese lautet: Wenn ich schon keinen Parkplatz kriege, dann kann ich auch keinen guten Parkplatz kriegen. Kleiner Profi-Tipp: Wenn in Island etwas voll aussieht, ist es das zwar meistens auch, aber die meisten Leute parken dann im erstbesten Spot direkt an der Einfahrt des Parkplatzes. Allzu oft ist direkt beim Start der Sehenswürdigkeit oder des Wanderweges aber auch noch genug frei. So auch heute. Gerade wenn es eher ein bisschen schmuddeliges Wetter draußen gibt, finde ich einen gutgelegenen Parkplatz gleich doppelt wertvoll.
Dick eingepackt durch meine natürliche Polsterung, als auch mehrere Lagen an Jacken, sowie Handschuhe gingen wir dann los. Etwas verwundert stellte ich dann fest, dass der Goðafoss zwar mega-touristisch ist, aber vermutlich der einzige große Wasserfall, der keine Parkgebühren fordert. Es war beinahe ungewohnt, kein Geld dafür zu bezahlen. Aber nimmt man natürlich gern so mit.
Der Weg zum Wasserfall ist dann auch schon gut bekannt. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, gesellte sich direkt die Vorfreude zu uns. Klar, mit schönem Wetter wäre alles noch mal schöner gewesen. Doch selbst mit dem Wind und Regen ist so ein Wasserfall ein gewaltiges Naturschauspiel. Mit dieser Hufeisenform, wo an jeder Seite tonnenweise Wasser pro Sekunde runterschwappt, ist der Goðafoss schon sehr optisch einzigartig.

Ich hatte dazu heute die Theorie, dass das Wasser bestimmt auch hier strahlend blau wäre, wenn es nicht so grau von oben gewesen wäre. Das Wasser wirkte wieder sehr tief und dunkel und bekam dadurch diese in diesem Urlaub bereits mehrfach erlebte „dramatische“ Stimmung. Ich kann auch nicht erklären, woher mein Bauchgefühl kommt, aber ich glaube, dass es wirklich nur am grauen Himmel lag und selbst ein bisschen Sonnenschein der Goðafoss heute ein Muss für jede Instagramstory gewesen wäre. So oder so – ich fand ihn auch in diesen eigentlich eher tristen Farben sehr schön und imposant.
Bei stolzen 5°C und dem beginnenden Schneeregen sind wir dennoch über alle Aussichtsplattformen und haben fröhlich Fotos gemacht. Wobei – das ist nicht ganz richtig. Man kann theoretisch auch noch sehr nah nach unten an den Wasserfall gehen. Aber ich bin auch in einem Alter, wo ich mir zweimal überlege, ob ich über nasse glitschige Steine entlang eines reißenden Flusses gehe. Ein bisschen Selbsterhaltungstrieb habe ich ja doch, auch wenn meine Freunde und Bekannten das hier und da vermutlich anders wahrnehmen.
Jedenfalls war unsere Stimmung ungebrochen gut. So stellte ich mich auch mal zu einem fremden Mann, als seine Frau gerade ein Foto von ihm machen wollte. Sie schaute mich dann nur sehr irritiert an und sagte „No“. Da will man einmal professionell fotobomben und wird direkt abgelehnt. Es war dieser Moment, in dem ich mich daran erinnerte, dass auf der ToDo Liste auch steht, dass ich eine fremde Person mal Huckepack nehmen sollte… das wird vermutlich nicht leichter, wenn alles und alle klatschnass sind. Irgendeinen wehrlosen Touristen erwische ich schon noch.
Als wir dann mit den Fotos soweit zufrieden waren, ging es für uns in den Souvenirladen. Der ist größer als der Wasserfall und einerseits kann man sich hier schön aufwärmen, andererseits wird das Touriherz in allen Farben und Formen bedient. Meine Frau ging aus diesem Stopp als große Gewinnerin hervor. Sie kann jetzt nicht nur eine isländische Jacke ihr Eigen nennen. Nein, sie hat auch zwei große Tasse bekommen. Fragt mich nicht warum, aber seit Jahren möchte meine Frau IMMER und ÜBERALL Tassen kaufen. Heute musste ich gestehen, dass ihre Fundstücke tatsächlich sehr hübsch waren und da ich zuletzt in Deutschland immer mehr zum Kaffeetrinker wurde, kann eine große Tasse wohl auch nicht schaden.
Außerdem konnten wir in dem Shop unseren Vorrat an Postkarten und Briefmarken aufstocken. Wohlwissend, dass heute ein ruhiger Tag ist, haben wir damit auf jeden Fall noch was schönes zu tun für später.
Finanziell ärmer, aber reicher an Souvenirs ging es dann zurück nach Akureyri. Wir wollten noch in einem Shoppingcenter schauen, ob wir noch was schönes finden. Außerdem wollten wir heute selbst kochen und auch dafür braucht es noch 1-2 Dinge. Also.. genau genommen brauchten wir alle Lebensmittel dafür. Es sei denn, dass wir Brot mit Käse kochen wollen.
Im Shoppingcenter angekommen, wunderte ich mich konstant darüber, wie diese Geschäfte überleben können. Ich mein, klar, es ist Donnerstag, wir waren mittags dort, aber dort war kaum eine Menschenseele in den Gängen und noch weniger in den Geschäften.
Für meine Einkaufserfahrung fand ich das schon sehr nett. Gleichzeitig gibt es ausgestorbene Geisterstädte in denen mehr los ist. Der Souvenirladen, den wir vom letzten Jahr hier kannten, war dann tatsächlich komplett geschlossen. Zumindest der konnte sich also wohl nicht halten.
Wir trödelten dann ein bisschen durch die Gänge und landeten im hiesigen Nettó. Endlich bekam ich nicht nur meine langvermissten Pizzabrötchen. Es gab auch Haferkekse, Lammschnitzel, Kartoffeln und vieles mehr.
Ich mag besonders beim Einkaufen, dass ich die Selbstbedienungskassen benutzen kann, die meistens ausschließlich auf isländisch mit einem reden und weit weg davon sind, intuitiv zu sein. Aber ja, ich kann lesen, wenn das Teil mich fragt, ob ich eine Kundenkarte habe und ob ich einen Papierbeutel möchte. Da machen sich die Sprachkenntnisse bezahlt.
Zurück im Cottage war es dann gerade mal 15 Uhr und letztlich waren alle Tagesziele geschafft. Beste Zeit also, um einen guten Mittagsschlaf zu machen. Mein Körper war sehr angetan von diesem Tagesverlauf. Ich bemerkte nicht mal mehr, wie mein Kopf das Kopfkissen berührte, da war ich schon tief und fest weg.
Da sich die Lichtverhältnisse aktuell kaum verändern, war ich mir beim Erwachen nicht ganz sicher, ob ich 20min oder 3 Jahre geschlafen hatte. Es war tatsächlich nur eine gute Stunde. Mit neuer Energie ging es dann an die Postkarten.
Ich weiß nicht so genau, wie es dazu kam, aber ich habe beschlossen auf die Postenkarten Comics zu malen. Es ist so, dass wir mittlerweile so 40 bis 50 Postkarten schreiben und ich habe den soliden Anspruch, dass Leute keine Dopplungen bekommen. Das heißt, ich achte schon darauf, dass jeder einen eigenen Text kriegt oder eben einen eigenen Comic. Mein Anspruch hatte aber erstmal nicht berücksichtigt, dass irgendwer die Comics auch zeichnen muss.
Aber egal. Meine Mutti hat keinen Aufgeber erzogen. Also saßen wir hier gute zwei Stunden und haben im Akkord gemalt. Klingt nach Arbeit. War aber ehrlicherweise sehr sehr viel Spaß. Falls du zu den Leuten gehörst, die von mir eine Postkarte bekommen: Ich war wirklich nüchtern und ich weiß auch nicht genau, was mich da geritten hat. Aber hey, die Postkarten sind alle Unikate und mit Liebe geschrieben.

Gekocht habe ich dann auch noch. Es gab Lammschnitzel, Kartoffeln und Erbsen. Dazu eine Rotweinsauce aus der Plastikpackung. Im Restaurant war das Essen vielleicht besser, aber so hat es nur ein Bruchteil gekostet und war erstaunlich gut dafür. Wir sind satt und ein paar Lammteilchen sind sogar noch für morgen da.
Ja und der Blick auf morgen lässt auch schon erahnen, dass es nicht viel actionreicher wird. Es sind circa 2°C angesagt und Schneeregen. Im Osten des Landes werden gerade schon fröhlich Wetterwarnungen ausgesprochen und der Straßendienst markiert die ersten Straßen mit Glättewarnungen oder erschwerten Fahrbedingungen. Ich erahne daher, dass wir morgen die restlichen Postkarten fertig machen und eher hier im nahen Umkreis einen ruhigen Tag machen. Schließlich sind wir mit Akureyri auch in einer größeren Stadt (für isländische Verhältnisse). Von daher findet sich schon irgendetwas. Und falls nicht, na dann schlafen wir eben doch noch mal so richtig lang aus. Ich bin zuversichtlich, dass der Tag am Ende auch gut funktionieren wird.
In diesem Sinne ich werde wieder berichten
| Aufgabe | Beweisfoto | Status |
| Ein Foto mit einem Schaf 2.0 | ![]() | 22.05.2026 Grásteinn erledigt |
| Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen) | ||
| Eine coole Schattenfigur machen | ||
| Posieren mit einer Islandflagge | ||
| Baue eine Eisskulptur | ||
| Umarme einmal Island (so gut es geht) | ||
| Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto | ![]() | 25.05.2026 Dynjandi erledigt |
| Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest | ||
| Ausschlafen! | 28.05.2026 Akureyri erledigt | |
| Sei einmal außerhalb des Badezimmers richtig nass | ![]() | 26.05.2026 Hvammur erledigt |
| Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages | ||
| Springe auf einem Regenbogen | ![]() | 22.05.2026 Snæfellsnes erledigt |
| Verschwinde im Dampf | ||
| Hab ein typisch isländisches Frühstück | ||
| Warte geduldig auf einen Wal | ![]() | 26.05.2026 Skötufjörður erledigt |
| Gönn dir Lakritzeis | ||
| Halte einen „Warum tue ich mir das an?“ Moment fest | ||
| Einen neuen Freund finden | ![]() | 21.05.2026 Hafen von Borgarnes erledigt |
| Schreibe eine isländische Saga | ![]() | 24.05.2026 Rauðasandur erledigt |
| Errichte ein Elfenhaus | ![]() | 24.05.2026 Rauðasandur erledigt |
Habe die Ehre
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