Herzlich Vikommen

Vom Wikingerdorf zum Himbeerbier

Vik-onnte es nur soweit kommen, dass wir heute hier sind? Zwei Wochen voller Island-Highlights liegen bereits hinter uns und meine Nacht war eher wenig erholsam.

Irgendwo zwischen isländischen Hotdog und Lakritz scheint mein Magen in der Nacht beschlossen zu haben, dass wir auf dem Fahrersitz des Badezimmers auch mal eine Tour machen könnten. Alles halb so wild, aber ich merke dann eben heute doch, dass ich keine zwanzig mehr bin.

Mit geplanten vier Stunden Fahrt an der mit Sehenswürdigkeiten dicht-besiedelten Südseite Islands war dann ein ironischer Unterton zu fühlen, als wir heute früh festhielten, dass wir es ruhig angehen lassen. Zumindest haben wir es mal in Erwägung gezogen. Am Ende des Tages kann ich nun sagen, wir sind etwas früher im Cottage, als gestern. Erlebt haben wir trotzdem wieder genug, für einen ganzen Urlaub. Und wenn ich ehrlich bin, würde ich selbst jetzt im Nachgang nichts an dem Tag verändern. Schlafen kann ich schließlich auch nach dem Urlaub wieder.

Aber wie üblich starten wir am Anfang. Es war gegen 8 Uhr als wir im Hotel zum Frühstücksbuffet taumelten. Da saß ich nun, mit meiner Müslischale, einem gekochten Ei und zwei Scheiben Toast. Das Frühstück der Champions sollte mich mit Kraft vollpumpen und bereit machen für den Tag. Womöglich muss ich da aber auch einfach noch mal an meinem Erwartungsmanagement arbeiten. Ich war gut gesättigt, aber das wars dann auch.

Unser Gepäck wanderte dann ins Auto und wir gleich hinterher. Wir blieben jedoch auf dem Gelände des Hotels und fuhren zu einem Wikingerdorf. Genau genommen ist es nur eine Kulisse für einen Film, der nie gedreht wurde. Aber es sieht eben cool nach Wikingern aus und wenn wir schon mal hier sind, nehmen wir es auch gern mit.

Sanfte Klischees

Speziell das Boot erschien mir dann wie eine wunderbare Einladung für Blödsinn zu sein. Es dauerte nicht lange und ich stand am Bug und posierte als Galeonsfigur.

Its a Bug, not a Feature

Womöglich habe ich auch im Brustton der Überzeugung und mit Wikingerstimme eine laute Rede gehalten, dass ich dieses Land nun für mich beanspruche und all seine Untertanen ab sofort mir dienen müssen. So richtig ernstgenommen hat mich niemand. Schade eigentlich. Ich denke, ich wäre bestimmt ein guter Kapitän und Eroberer oder auch DJ, was eben mehr gebraucht wird.

Thorbass DJson

Das Wikingerdorf selbst ist halt da. Wenn man sowieso in Stokksnes ist und Wikingerhotel nächtigt, kann man es gut mitnehmen. Ein paar Fotogelegenheiten gibt es durchaus und die Menschen dort haben sich zumindest während unseres Aufenthalts gut verstreut, sodass man recht viel seine Ruhe hatte. Extra noch mal fürs Dorf würde ich jedoch nicht in die Ecke fahren. Da hat mir der Strand und das Meer gestern Abend besser gefallen.

Als nächstes ging es zum Tanken nach Höfn und dann eine gute Stunde nach Jökulsárlón und den anliegenden Diamond Beach. In der Gletscherlagune bestätigte sich zu meiner Freude schon wieder meine Autofahrer-Lebensweisheit: Wenn ich keinen Parkplatz kriege, kann ich auch keinen guten Parkplatz kriegen. Es lohnt sich wirklich oft. In der ersten Reihe waren locker 3-4 Parkplätze frei, während in den anderen Reihen Leute verzweifelt eine Lücke suchten. Gewusst wie sag ich da nur.

Meine Frau ging dann erstmal zu einem Ort, wo sie für gewöhnlich allein hingeht und ich zog es derweil vor, dass ich mich an die ruhige Uferkante setze und die ganze Szenerie auf mich wirken lasse. Es turnen da natürlich unfassbar viele Menschen rum. Doch wenn man ein paar Schritte geht, findet man durchaus sowas wie Ruhe.

Eis-samkeit

Meine Frau nutzte ihrerseits dann die Gelegenheit um auch festzuhalten, dass in der Gegend rumstehen eine Kernkompetenz von mir ist. Vielleicht sollte ich meinen Lebenslauf diesbezüglich mal anpassen. Ich kann das wirklich erstaunlich gut.

Rumstehen #1

Neben Wasser in flüssiger und eisiger Form gab es in der Gletscherlagune auch noch ein paar andere spannende Dinge zu sehen. Ich lerne in diesem Urlaub, dass ich durchaus begeisterungsfähig für das Verhalten von Tieren bin. Vor Ort sahen wir, wie ein Schwarm Vögel sich wahlweise scheinbar gegenseitig jagte und dann aber letztlich doch gemeinschaftlich ins Wasser stürzte. Nur um das Prozedere immer und immer wieder zu wiederholen.

Vögelaction

Was ich nun gelernt habe, möchtest du wissen? Das verrate ich natürlich gerne. Also: Eine Internetrecherche hat mir verraten, dass ich dort Küstenseeschwalben gesehen habe. Die hübschen Vögel sind in Island im Sommer quasi allgegenwärtig. Sobald sie ein Brutrevier haben, sind sie recht territorial und aggressiv. Sie gehen sogar Menschen an. In der Gletscherlagune sind sie besonders gern, weil es hier einen Kanal ins offene Meer gibt. Durch die Strömung vom Gletscher aus, werden Krebstiere und kleine Fische an die Wasseroberfläche geschwemmt und für die Küstenseeschwalbe ist das dann gefühlt ein all you can eat buffet. Schon spannend, oder?

Wenn man eine Weile da steht, ergeben sich auch skurrile Situationen. So sahen wir zum Beispiel, wie ein Vogel scheinbar Spaß daran hatte, sich von einer Eisscholle auf der Strömung treiben zu lassen. Sieht man so auch nicht alle Tage.

huiii

Und zu guter Letzt kamen wir auch noch zum Vergnügen ein paar Robben zu sehen. Eine von ihnen lag sogar am Strand rum und schien extra auf uns und für ein paar Fotos zu warten. Gute Robbe.

Mrs Robbinson

Wer sich nun fragt: Hey, meintest du nicht, dass ihr auch beim Diamond Beach gewesen seid? Ja, da waren wir. Allerdings waren wir auf dem östlichen Strand und die einzigen „Diamanten“ lagen am westlichen Ufer. Im Alltagssprech gesagt, haben wir es nicht so gefühlt, dafür noch mal umzuparken und noch mal loszulaufen. Es blieb daher bei der Gletscherlagune und einem schönen- aber ereignislosen Aufenthalt am Diamond Beach.

Wir können so Eissammlungen am Strand auch deshalb recht unbesorgt überspringen, weil wir ja wissen, was wir noch vor uns haben. Keine 15 Minuten später sollten wir nämlich schon beim Fjallsárlón sein.

Mehr Eis? Eismeer!

Ich glaube, ich wundere mich seit Jahren, warum diese Lagune eigentlich immer atemberaubend ist, aber von vielen Touristen schlicht übersprungen wird. Mir soll es recht sein.

Man kann hier auch direkt ans Ufer gehen und steht dann vor etwas, was kaum in Worte zu fassen ist. Stellt euch vor, ihr werdet winzig klein und jemand stellt euch vor eine Packung Crushed Ice. Ich denke, das trifft es ganz gut. Ach und falls ihr euch gefragt habt, wer da oben auf dem Bild direkt wieder im Bild rumsteht… Das bin natürlich ich. Es gibt auch noch eine bessere Aufnahme davon.

Rumstehen #2

Wir fuhren dann immer weiter in den Westen. Hier gibt es theoretisch die Möglichkeit für Gletscherwanderungen. Wir zogen es aber vor, dass wir an ihnen vorbei fahren und ab und zu Fotos machten. Das Wetter meinte es auch gut zu uns und wie eingangs gesagt, wollten wir es ja auch eigentlich ruhig angehen.

Irgendein Jökull

Der Weg nach Vik wurde dann auch noch durch ein paar schöne Wasserfälle am Straßenrand veredelt. Ich halte gern dort. Zum einen ist es optisch wirklich ein Genuss, zum anderen hat es diesen nostalgischen Moment für mich. Nehmen wir zum Beispiel diesen kleinen Wasserlauf:

Fossálar

Früher musste man zwischen riesigen unebenen Steinen versuchen zu halten, ohne sein Auto zu schrotten. Heute ist da ein Parkplatz, ein Schild mit Regeln und mittlerweile weiß ich auch, dass die Stelle ein offizieller Lachs-Angel-Spot ist. In vielen Gesichtspunkten mag älter werden ja blöd sein. Aber die Entwicklung von Dingen so miterleben zu dürfen, ist schon auch cool.

Ebenfalls am Straßenrand hielten wir ein paar Minuten später noch am Foss á Síðu. Ich mein, dass heißt wörtlich übersetzt „Der Wasserfall an der Seite“. Kein sonderlich einfallsreicher Name für einen Wasserfall an der Seite der Straße. Aber das ändert nichts daran, dass es ein schöner Spot ist. Man steigt aus, macht ein paar Fotos und fährt weiter. Es hat ein bisschen was, von einem alten Bekannten „Hallo“ sagen.

Foss á Síðu

Da die Sonne sich kurz mal zu uns gesellte, stoppten wir noch bei einem weiteren Wasserfall. Man feiert die Feste ja, wie sie fallen. Beim Stjórnarfoss kann man dann meines Erachtens auch nicht viel falsch machen. Ein kostenloser Parkplatz, circa 200m Fußweg über eine grüne Wiese und schon steht man vor einem hübschen Wasserfall, der von ein paar Bergen umrahmt wird.

Stjórnarfoss

Ich glaube, der Stjórnarfoss zählt bis heute als Geheimtipp. Es verirren sich kaum Touristen hierher. Obwohl es direkt nebenan einen Campingplatz gibt und der Wasserfall kaum einen Umweg bedeutet, wenn man die Ringstraße entlang fährt. Aber erneut: mir ist das sehr recht.

Ab hier beschlossen wir dann, dass wir den Tag doch eher abkürzen wollen. Es war immer noch mehr als eine Stunde Fahrt nach Vik und wir wollten noch einkaufen gehen, was essen und tanken sollten wir auch noch. Also ab auf die Ringstraße und auffi.

Meine Frau entschärfte es dann nach ein paar Minuten. Ein leises Schnarchen vom Beifahrersitz aus war der Beweis, dass der heutige Tag auch wieder Kraft gekostet hat. In Vik angekommen, gingen wir direkt in ein Restaurant und haben erneut beschlossen, dass wir es uns gut gehen lassen.

Ja, auf den Johannesbeeren ist Goldstaub. Ist das unnötig? Auf jeden Fall! War es witzig und gut? Jap, das war so.

Ich vermute, andere Touristen sitzen auch beim Abendessen und prüfen Wetterkarten und ihre Möglichkeiten für die kommenden Tage. Wir wollen morgen relativ früh raus, da es vermutlich ein trockener und windarmer Tag wird. Die nächsten Tage dagegen steht immer mal wieder Regen auf dem Programm. Wenn also alles gut läuft, werden wir morgen wieder gut laufen und dabei auch gutes Wetter haben.

Falls es doch regnet, hagelt, stürmt oder alles zusammen, dann finden wir aber sicherlich trotzdem eine Idee, was wir mit dem Tag anstellen können. So oder so werde ich dann wieder berichten.

In diesem Sinne

AufgabeBeweisfotoStatus
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Grásteinn
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Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen)31.05.2026
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Eine coole Schattenfigur machen
Posieren mit einer Islandflagge
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Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest02.06.2026
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