Urlaubsgier

Mehr, Meer, määääh

Ich möchte den heutigen Blog damit beginnen, dass ich mal eine Lanze für das Klischee breche, dass Island sehr teuer ist. Als deutscher Autofahrer lese ich im vielleicht kostenintensivsten Land der Welt, dass Super 95 hier aktuell der Liter etwa 1,60€ kostet. Gut, 1kg Weintrauben kosten auch schon mal 20€, aber wer muss schon essen, wenn er tanken kann?

Diese wertvollen Zeilen schreibe ich aus einem Cottage, dem ich tatsächlich auch noch mal einen Absatz spendieren wollte. Wir sind hier in der Nähe von Vik. Tatsächlich haben wir den Bau der Cottages über die Jahre so mehr oder minder sogar mitbekommen. Vor gut zwei Jahren standen hier noch Baufahrzeuge, heute wohnen wir mal in einem. So schnell kann es gehen.

Das Cottage hat im Grunde alles was man braucht und ich bin auch weit weg davon, mich zu beschweren. Mich amüsiert viel mehr, wie das Teil gebaut wurde. Stellt euch vor, jemand mit handwerklichen Geschick kauft einfach mal im Baumarkt ein paar Quadratmeter Hartholz und dann noch ein bisschen isoliertes Glas. Damit steht schon mal 80% des Hauses. Von Innen ist hier nicht wirklich was verkleidet. Es hat rustikalen Holzcharme.

Die lichtdichten Rollläden enden etwa 20cm überm Boden, womit es natürlich nicht wirklich dunkel werden kann. Der Duschvorhang scheint eher dekorativ zu sein, da das Wasser trotzdem problemlos durchs Bad spritzt. Wenn man die Schiebetür zum Schlafzimmer vollkommen schließt, passt zwischen Türrahmen und Tür noch immer bequem eine Hand. Die Liste der baulichen Besonderheiten ist so amüsant wie lang.

Ich schreibe diesen Passus deshalb, weil im Badezimmer, ungefähr auf Knöchelhöhe und so circa 30cm von der Dusche entfernt eine Steckdose ist. Nennt mich altmodisch, aber ich habe das Gefühl, dass der deutsche Sicherheitsfanatiker in mir nicht ganz zu Unrecht protestiert. Ich lehn mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass diese Cottages in 10 Jahre so nicht mehr stehen. Aber hey, wir reisen morgen ab und wie gesagt, im Grunde ist alles da, funktioniert und ich glaube wirklich, dass der Deutsche in mir nur mal wieder meckern wollte. Hiermit erledigt.

Abseits davon macht Island gerade wieder das, was es gern mit uns zum Ausklang eines Urlaubs macht. Es gibt dann immer noch den einen Tag mit richtig starkem Wetter und dann sagt der Wetterbericht „Ab jetzt nur noch Regen, tja…“

In der Vergangenheit haben wir uns davon aber schon nicht Kleinkriegen lassen. Es wird auch diesmal Mittel und Wege geben, wie wir das Beste aus der Zeit rausholen. Und selbst wenn nicht. Dann ist das ein Problem für mein Zukunfts-Ich. Mein Heute-Ich hatte einen ganz hervorragenden Tag und von dem möchte ich natürlich auch wieder berichten.

Es ging so gegen 8 Uhr zum Skógafoss. Der Lieblings-Wasserfall meiner Frau bietet neben einem spektakulären Anblick auch einen, wenn nicht gar DEN Wanderweg von Island. Den Fimmvörðuháls Trail. Einen Wanderweg entlang von malerischen Landschaften. Beginnend an der Ringstraße und endend im Hochland. Oder eben andersrum, je nachdem, wie rum man die Strecke eben geht.

Doch bevor wir Wasserfall und Wanderweg tatsächlich erleben konnten, musste meine Frau ein paar Minuten an einer Wiese stehen und sich darüber freuen, dass ein paar Lämmer ein paar Gänse-Küken hinterher schauten. Jap, meine Frau ist leicht zu begeistern. Sonst wäre sie ja auch nicht meine Frau.

Tierische Begegnungen

Der Skógafoss lockte dann aber doch recht bald und ich kann nur jedem raten, der nach Island kommt: Nimm dir etwas Zeit, stell dich vor ihn und genieß es. In Island sieht man wirklich viele Wasserfälle. Doch der Skógafoss ist nicht grundlos auf unzähligen Postkarten und Souvenirs verewigt. Er ist der Inbegriff eines bildschönen Wasserfalls. Quasi das Topmodel unter den Wasserfällen.

Vorhang auf für den Vorhang aus Wasser

Doch wir wollten höher hinaus. Über 400 Stufen nach oben auf einer Treppe, die zur Fallkante des Wasserfalls führt. Das sollte der Startpunkt für unsere heutige Wanderung sein. Man öffnet noch ein Metalltor und schon könnte es losgehen. Wäre da nicht noch eine Aussichtsplattform, von der man den Skógafoss von oben sehen kann.

Ein Vorgeschmack…

An dieser Stelle tummeln sich auch noch verhältnismäßig viele Menschen. Sobald man aber den Fimmvörðuháls losgeht, wird es von Meter zu Meter überschaubarer. Irgendwann trifft man nur noch vereinzelt Menschen und alle sind gleichermaßen fasziniert von der wunderschönen Natur.

Auf geht’s

Der Name Fimmvörðuháls setzt sich übrigens aus drei isländischen Wörtern zusammen. Fimm bedeutet 5. Vörðu sind „Steinmänner“, diese Türme aus Steinen, die man immer mal wieder in Island sieht und die früher als Wegmarkierungen dienten. Háls ist ein Pass im Gebirge. Man kann es also gut mit sowas wie „Pass der 5 Steinmänner“ übersetzen. Ich bin noch nicht ganz sicher, ob sowas eigentlich in die Kategorie „unnützes Wissen“ fällt, aber ich find so Sachen immer spannend.

Theoretisch könnte man den Weg an einem Tag wuppen. Je nachdem wo genau man lang geht, sind es so um die 25km bei etwa 1.000 Höhenmetern. Menschen mit guten körperlichen Voraussetzungen machen das wohl in 9 bis 10 Stunden. Normale Menschen planen aber eher 3-5 Tage ein, weil es eben auch unfassbar viel zwischendurch gibt, wo man gern man stehenbleiben möchte (oder vielleicht sogar sollte).

Wir haben uns heute dazu entschlossen nur so 3-4 Kilometer zu gehen. Das ist ziemlich genau die Distanz, bei der gefühlt alle paar hundert Meter ein neuer Wasserfall auftaucht.

Entlang des Weges

Neben Wasserfällen besticht der Weg im Sommer auch durch ein für Island ungewöhnlich saftiges Grasland. Hier und dort blühen gelbe und lila Blumen (ja, Botanik ist eine meiner großen Stärken) und die übliche isländische Tierwelt, bestehend aus Schafen und Möwen, verstreut sich immer mal wieder ins Blickfeld. Die Stars der Strecke bleiben aber auf jeden Fall die Wasserfälle.

Kristallklar

Das ist der Punkt, den ich angesprochen hatte. Die Wege sind jetzt nicht perfekt aber an den meisten Stellen sehr gut zum wandern. Natürlich könnte man also joggend bis ins Hochland. Aber will man das? Wir für unseren Teil fanden viel Schönes darin, dass wir immer wieder stehen blieben und uns Zeit für die Wasserfälle nahmen.

Klarer Fall

Die Wasserfälle haben auch alle Namen. Hier würde es vielleicht auch Spaß bereiten, wenn man sie laut vorliest. Aber inhaltlich muss man sagen, bleiben Isländer konsequent uninspiriert bei der Benennung von Dingen. Übersetzt lauten die Namen etwa „Wasser, dass durch einen Steinbogen fließt“ oder „hinterer Wasserfall“ und ja, es gibt dann daneben den „vorderer Wasserfall“. Ich kann mir richtig vorstellen, wie damals ein genervter Wikinger dastand und dachte „boah, jetzt muss ich den allen Namen geben? was für eine sch….“ Und wenn man das ins Kalkül zieht, dann hat der Wikinger sich immerhin ein bisschen Mühe gegeben. Er hätte ja auch einfach alle Wasserfälle durchnummerieren können.

Nach guten zwei Stunden kamen wir dann beim (für uns) letzten Wasserfall an. Der Plan sah so aus, dass wir dort erstmal einen Happen frühstücken und uns dann für den Rückweg startklar machen. Ich denke, viel isländischer als so, kann ein Frühstück nicht werden. Ich hake hiermit also den Punkt für ein isländisches Frühstück ab.

Pizzabrötchen + Wasser = Frühstück der Champions

Auf dem Rückweg haben wir ehrlicherweise einfach noch mal die gleichen Wasserfälle genossen. Es hat auch was schönes, wenn man direkt eine neue Perspektive gewinnt. Manche Passagen, die vielleicht auch etwas herausfordernder zu laufen waren, sind auf einmal leicht, manche dagegen schwer. Der ein oder andere Wasserlauf zeigt noch mal eine neue Facette und in manchen Steinformationen findet man doch noch mal etwas, was verdächtig nach einem Troll aussieht. Kurzum: Der Rückweg machte mindestens genau so viel Freude, wie der Hinweg. Kleines Bonusevent war dann, dass wir eine „Flaatzen Taube“ gesehen haben. Die Tiere heißen recht sicher nicht so, aber niemand hat meine Frau und mich jemals korrigiert und wir nennen die Viecher halt so.

Am Wegrand

Konsequenterweise endete unsere Tour dann auch wieder am Skógafoss. Mittlerweile war der Parkplatz gut gefüllt und unzählige Menschen versuchten den Wasserfall in ein Foto zu bannen. Bevor wir uns im Restaurant etwas gestärkt haben, taten wir das auch.

Die Kunst Menschen verschwinden zu lassen (nur auf Fotos)

Mit einer warmen Mahlzeit im Bauch ging es für uns dann mit einer kurzen Autofahrt zur Halbinsel Dyrhólaey. Da uns dieses Missgeschick schon mal passiert ist und ich gern mal an anderer Stelle drüber lustig mache: Dyrhólaey hat wirklich Öffnungszeiten. Die Isländer nehmen den Schutz von Vögeln sehr ernst und deshalb hat man nur von 9 bis 19 Uhr Zugang zur Insel. Davon und danach steht man vor einer Absperrung.

Ehrlicherweise waren wir jetzt schon ein paar mal hier. Der Ausblick in alle Richtungen ist wirklich eine Wucht. Man sieht einen Gletscher, man sieht die schwarzen Strände und hier und da beeindruckende Wellen. So richtig viele Vögel, wie das Internet immer behauptet, haben wir hier noch nie gesehen. Da waren so Orte wie die Puffin-Insel auf jeden Fall faszinierender.

Schwarzer Strand

Doch heute war uns immerhin insofern das Glück treu, da wir dann doch noch ein paar Puffins an der Klippe sehen durften. Einer landete mit dem unnachahmlichen „flopp“-Geräusch sogar direkt vor uns.

PUFFIN!!!!

Die Vögel sind einfach unfassbar süß und das jedes Mal aufs Neue. Wir sind mittlerweile in ein richtiges Puffin-Fieber gekommen. In der Theorie haben wir die Vögel auch schon oft genug im Fernsehen oder im Internet gesehen. Aber live ist das eine ganz andere Geschichte. Sie sind sooo süß. Die Geräusche, das plumpe landen, das Tapseln – es macht unwahrscheinlich viel Spaß ihnen zuzuschauen.

Puffin vorm Strand

Und klar, es hilft natürlich auch, dass man die Tiere in einer dramatischen und spektakulären Natur sieht. Es ist dann ein Erlebnis und zumindest ich kann für mich sagen, dass ich das auch direkt für mich so fühle und dann irgendwo zwischen Dankbarkeit und Freude pendle. Ein sehr angenehmer Zustand.

Morgen verlassen wir dann Vik auch schon wieder und fahren zu unserer vorletzten Station nach Eyrarbakki. Auch dort haben wir über AirBnB eine Unterkunft gebucht, in der wir noch nie waren. Ich bin zuversichtlich, dass der Qualitätsstandard wieder nach oben ausschlagen wird.

Ansonsten sind wir damit dann auch offiziell im „Golden Circle“ angekommen. Das heißt, dass wir in den kommenden Tagen unabhängig vom Wetter bestimmt noch mal zum Geysir und einigen berühmten Wasserfällen fahren werden. Es heißt auch, dass das Ende des Urlaubs näher rückt und ich mich langsam ranhalten muss, die offenen Punkte meiner ToDo-Liste zu schaffen. Es wird zum Beispiel auch nicht leichter eine tolle Schattenfigur zu machen, wenn es nun dauernd regnet. Aber irgendwas wird mir schon einfallen.

Und wer weiß, vielleicht erwischen wir ja doch noch die ein oder andere Sonnenstunde und haben dann doch wieder leichtes Spiel, unvergessliche Momente zu sammeln. So oder so werde ich berichten.

In diesem Sinne

AufgabeBeweisfotoStatus
Ein Foto mit einem Schaf 2.022.05.2026
Grásteinn
erledigt
Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen)31.05.2026
Gufufoss
erledigt
Eine coole Schattenfigur machen
Posieren mit einer Islandflagge
Baue eine Eisskulptur
Umarme einmal Island (so gut es geht)29.05.2026
Tröllaskagi
erledigt
Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto25.05.2026
Dynjandi
erledigt
Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest02.06.2026
Stokksnes
erledigt
Ausschlafen!29.05.2026
Akureyri
erledigt
Sei einmal außerhalb des Badezimmers richtig nass26.05.2026
Hvammur
erledigt
Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages
Springe auf einem Regenbogen22.05.2026
Snæfellsnes
erledigt
Verschwinde im Dampf30.05.2026
Námafjall
erledigt
Hab ein typisch isländisches Frühstück04.06.2026
Fimmvörðuháls
erledigt
Warte geduldig auf einen Wal26.05.2026
Skötufjörður
erledigt
Gönn dir Lakritzeis02.06.2026
Egilsstaðir
erledigt
Halte einen „Warum tue ich mir das an?“ Moment fest
Einen neuen Freund finden21.05.2026
Hafen von Borgarnes
erledigt
Schreibe eine isländische Saga24.05.2026
Rauðasandur
erledigt
Errichte ein Elfenhaus24.05.2026
Rauðasandur
erledigt

Habe die Ehre
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