Erfolgserlebnisse

Von kleinen und großen Momenten

Auch wenn ich damit die Konstante der Chronologie breche, möchte ich mit dem vielleicht wichtigsten Erfolgserlebnis der letzten zwei Wochen beginnen. Dieses erlebte ich vor wenigen Minuten. Es handelt sich dabei um den Umstand, dass meine Kamera zwei Slots für SD Karten hat und ich seit nun eben zwei Wochen es nicht geschafft habe, die richtige SD Karte auf Anhieb rauszuholen. Bis eben! Ein glorreicher Triumph für mich.

Reicht so ein Moment aus, um den heutigen Tagebucheintrag „Erfolgserlebnisse“ zu nennen? Offensichtlich. Aber ich darf verraten, dass der Tag noch mehr zu bieten hatte. Abseits davon ist die Überschrift wohl ein Selbstläufer, denn letztlich ist jeder Tag in Island unweigerlich ein Erfolgserlebnis für sich.

Dank meiner meisterhaften Planung kamen wir heute in den Genuss, dass zumindest der Vormittag weitestgehend im Trockenen durchlebt wurde. Falls die Frage aufkommt, wie genau meine Planung aussah, kann ich gern ins Detail gehen.

Es war irgendwann 2004, als ich meine designierte Frau kennenlernte. Dann haben wir 2011 geheiratet und heute kann ich blind darauf vertrauen, dass sie das mit dem Wetter schon regelt. Zugegeben, es ist eher ein Plan auf lange Sicht, aber der Erfolg gibt mir Recht. Und einmal habe ich die Überschrift für den heutigen Beitrag weise gewählt.

So, nun aber – Urlaub! Morgenstund mag Gold im Mund haben, aber meine Frau hatte dafür ihr Handy nicht dabei, als wir zu unseren Highlights des Tages aufbrechen wollten. Wir kamen daher in den Genuss zum Tagesbeginn Eyrarbakki nicht einmal, sondern gleich zweimal zu durchfahren.

Eyrarbakki ist ziemlich genau so groß, wie es klingt. Ein kleines verschlafenes Fischerdorf eben. Aber die Sonne schien und von daher kann man so eine Ehrenrunde schon mal machen.

Wir fuhren dann circa eine Stunde in die allgemeine Richtung des Hochlands. Das Ziel sollte aber etwas früher kommen. Es handelte sich um einen Hügel mit dem schönen Namen Gaukshöfði. Und wie immer, wenn ich einen Blog schreibe und kurz vergesse, was ich machen wollte, recherchiere ich alte isländische Sagen und Folklore. Immerhin kann ich euch daran teilhaben lassen.

Also, damals gab es Gaukur. Der lebte in dem Gebiet und war wahlweise ein normaler Typ, ein Sagenheld oder ein Räuber. Das hängt davon ab, wo man liest. In den meisten Fällen war er ein normaler Typ, deswegen lasst uns dabei bleiben. Gaukur hatte einen Halbbruder namens Ásgrímur. Ja und dieser Ásgrímur seinerseits, der hatte eine Frau. Wer nun aufgepasst hat, bemerkte schnell, dass Gaukur keine Frau hatte. Ihr ahnt womöglich schon, wo die Reise hingeht.

Jedenfalls fand Ásgrímur, dass es im gesellschaftlichen Sozialkonstrukt eher benachteiligend für ihn ist, dass Gaukur um seiner Angebeteten… nun… rumgewikingert hat. Also tat er das, was man früher so macht und erschlug Gaukur. Und letztlich endet die Geschichte damit auch schon.

Im 19. Jahrhundert hat man dann menschliche Knochen an dem Hügel gefunden und ging davon aus, dass das Gaukurs Überreste waren. Fragt mich jetzt bitte nicht, warum es nicht einfach irgendwer anderes gewesen sein könnte. Die Isländer haben das so festgelegt. Naja und Gaukur selbst, der hat je nach Überlieferung bis heute noch nicht so richtig Frieden mit der ganzen Situation gefunden und geistert deshalb in den naheliegenden Gebieten umher. Warum er das tut, ist aber auch nicht so richtig überliefert. Aber insgesamt glaub ich, ist es bei isländischen Sagen auch einfach nur wichtig, dass jemand stirbt und dann halt eine übernatürliche Gestalt am Ende mehr da ist. Wie schlage ich jetzt eigentlich den Bogen zurück zum Tag? Ich versuche es mit einem Foto vom Gaukshöfði.

Alles was das Licht berührt

Es war noch bewölkt und ordentlich windig, aber insgesamt noch sehr sommerlich. Zumindest für das, was wir in Island Sommer nennen. Ich konnte daher ein bisschen mit der Drohne fliegen und noch wichtiger, wirklich irre weit ins Land schauen. Der hübsche schneebedeckte Berg vor mir ist übrigens der Vulkan Hekla.

Wir wollten das gute Wetter dann noch ein bisschen mehr ausnutzen und fuhren weiter in ein Gebiet mit dem Namen Gjáin. Gesprochen etwa „Gjau-ihn“. Wer hinter dem Namen eine tiefgreifende Bedeutung vermutet, dürfte enttäuscht werden. Gjáin bedeutet einfach nur Schlucht. Das erste Highlight ist indes gar nicht die Schlucht, sondern der Weg zu ihr.

„Straße“

Der Weg kennt vermutlich unzählige Wege Autos zum Erliegen zu bringen oder Wanderern die Knochen zu brechen. Hier macht sich niemand die Mühe Gefahrenschilder hinzustellen. Es sollte jedem klar sein, dass dieser Weg Risiken mitbringt. Am Ende ist das alles machbar. Falls man aber doch einen Platten kriegt oder mal lautstark den Unterboden auf Steine knallen hört, sollte niemand überrascht sein.

Insofern auch hier wieder das Erfolgserlebnis, dass wir unbeschadet den Weg gemeistert haben. Zumindest was das Auto und unsere Körper anging. Mental ist meine Frau vermutlich diverse Jahre gealtert und der Griff der Kamera wird auf ewig ihre Fingerabdrücke behalten. Aber hey, irgendwas ist ja immer und für Gjáin lohnt sich das allemal.

Island pur

Die Region kurz vorm Hochland ist schon eher landschaftlich schlicht. Versteht mich nicht falsch, es gibt viel Schönes zu sehen. Gleichwohl erlebt man vorher auch oft kilometerweit sandigen Schotter und ab und zu einen Busch. Doch dann kommt Gjáin als grüne Oase.

Die Schlucht fühlt sich an, als würde man in ein anderes Reich eintreten. Feen und Elfen, die hier ein Idyll geschaffen haben. Überall sind kleine Höhlen in Lavagestein. Alles ist grün und blüht und egal wohin man schaut, es fließt Wasser. Entweder als Bach, als Wasserfall oder tropfend von Wänden.

Naturparadies

Durch den eher anspruchsvollen Weg hierher und die dann insgesamt auch eher nicht sonderlich touristenfreundliche Lage stehen die Chancen ganz gut, dass man in diesem Ort allein ist. Selbst wenn noch 2-3 Autos auf dem Parkplatz stehen, verläuft es sich doch sehr gut in der Schlucht und man bleibt bei dem Gefühl, dass man allein ist.

Wobei allein relativ ist. Ich mag den Gedanken, dass man sich hier beobachtet fühlen kann, weil Elfen und Feen aus ihren Verstecken heraus schauen, was man dort treibt. Es ist ein magischer Ort. Warum sollte es also keine magischen Wesen dort geben?

Müsste ich ein Haar in der Suppe benennen, dann ist das wohl der Umstand, dass man in die Schlucht viele Stufen hinabgehen muss. Und ich meine wirklich viele Stufen. Selbstredend ist jede Stufe anders hoch, lang und breit. Ein Vergnügen für die Beinmuskulatur. Immerhin ist man nach dem Ab- und Aufstieg aber psychologisch gut vorbereitet, um sich später gut zu rechtfertigen, warum man ein extragroßes Eis verdient hat.

Stairway from heaven

Für uns ging es dann weiter zum Hjálparfoss. Dafür mussten wir nur die abenteuerliche Route zurückfahren und noch mal 20 Minuten einer asphaltierten Straße folgen.

Mittlerweile fing es doch leider an etwas mehr zu regnen. Stimmungstechnisch machte das aber gar nichts mit uns. Im Gegenteil. Die Umstände erlaubten uns, dass eine neue olympische Disziplin ins Leben riefen. Den Pipibox-Sprint! Vom Auto direkt aufs Podest. Ihr merkt, ein Erfolgserlebnis jagt hier das Nächste.

Am Hjálparfoss machten wir dann ein paar schöne Aufnahmen vom Wasserfall und genossen trotz des Regens, dass wir auch diesen besonderen Wasserfall einmal mehr sehen durften. Die V-Form ist schon sehr markant und mir gefällt es dann auch immer wieder gut, dass man trotz der Wucht gleichzeitig sieht, wie klar das Wasser im ganzen Areal ist.

Vielleicht ist es doch mehr ein U?

Es blieb auch noch ein bisschen Zeit und Lust für ein paar schöne Touri-Bilder. Es würde mir ja am Ende doch niemand abnehmen, dass ich nur seriöse Landschaftsaufnahmen mache.

Aber Dank diverser Plattformen und vielen Details kann das Fotografenherz hier schon höher schlagen. Man hat einen Rahmen aus Basaltsäulen. Es gibt genug grün in allmöglichen Formen und auch wenn Drohnen hier verboten sind, kann man mühelos auch aus unterschiedlichen Höhen und Blickwinkeln den Wasserfall bewundern.

Mastershots

Jetzt Obacht: Wir stellten so langsam dann fest, dass wir müde wurden und beschlossen dann, dass die Kombination aus Regen und Müdigkeit ein guter Indikator ist, um nach Hause zu fahren. Das taten wir dann auch und machten dann das, was Erwachsene Menschen tun – die Rede ist selbstverständlich von Mittagsschlaf (ich bin ja nicht Gaukur).

Ich legte mich auf die Couch und machte das, was so viele Menschen an mir hassen: Ich schlief direkt ein. Kein Umherdrehen, keine 10 Minuten durchatmen – nichts. Einfach Augen zu und ratzepuh. Man könnte fast meinen, dass ich das gebraucht hab.

Irgendwann gingen die Augen wieder auf. Meine Frau hatte zwischendurch geduscht und Haare gewaschen und sich dann selbst noch hingelegt. Ich war wohl also eine ganze Weile im Traumland. Nachdem wir nun aber beide wieder erwachten, beschlossen wir ins Restaurant in Eyrarbakki zu gehen.

Google Maps sagte uns, dass wir es in 4 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Bei genauerer Betrachtung stellte sich dann raus, dass die öffentlichen Verkehrsmittel unsere Beine sind. Man kann also immerhin sagen, dass Öffies hier kostenlos sind, aber auch nicht sonderlich modern.

Nachdem wir gut gegessen haben, ging es dann auch schon wieder zurück in unser Apartment. Zwischenzeitlich ist die Idee für einen Punkt auf der ToDo Liste entstanden und gereift. Heute gehen wir noch die Eisskulptur an!

Weder Kosten noch Mühen gescheut

Eigentlich hatte ich bei der ToDo-Liste und dem Punkt der Eisskulptur an irgendwas in einer Gletscherlagune gedacht. Aber das hat sich nicht so richtig ergeben. Im Diamond Beach gab es auf unserer Seite kein Eis und im Jökulsárlón trieb das Eis blöderweise noch mitten im See.

Auch muss gesagt sein, dass meine Frau tatkräftig half, die Kugeln halbwegs zu formen. Die Heidelbeeren waren da mein Impuls und Gott weiß, warum der Schnabel ein Cracker mit SourCream / Zwiebelgeschmack sein musste. Alles für die Kunst.

Murphy als Eisskulptur

Sollte ich jemals ein Bistro oder Café eröffnen, wird ein Eisskulptur Murphy auf jeden Fall auch auf der Karte landen. Optisch ist es doch eine glatte 10 von 10 und geschmacklich störte nur der Schnabel-Cracker, aber daran kann man ja noch arbeiten.

Der heutige Tag geht damit auch dem Ende entgegen und dafür, dass es nachmittags eigentlich eher Schmuddelwetter war, haben wir doch echt viel rausgeholt.

Morgen soll es wieder so sein, dass der Vormittag glänzt und der Nachmittag dann feuchtes Nass von oben bringt. Wir haben bislang den Plan, dass wir deshalb möglichst früh starten wollen. Mit etwas Glück erleben wir dann ein paar Highlights aus dem Golden Circle. Wie immer, werde ich dann berichten.

In diesem Sinne

AufgabeBeweisfotoStatus
Ein Foto mit einem Schaf 2.022.05.2026
Grásteinn
erledigt
Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen)31.05.2026
Gufufoss
erledigt
Eine coole Schattenfigur machen
Posieren mit einer Islandflagge
Baue eine Eisskulptur06.06.2026
Eyrarbakki
erledigt
Umarme einmal Island (so gut es geht)29.05.2026
Tröllaskagi
erledigt
Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto25.05.2026
Dynjandi
erledigt
Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest02.06.2026
Stokksnes
erledigt
Ausschlafen!29.05.2026
Akureyri
erledigt
Sei einmal außerhalb des Badezimmers richtig nass26.05.2026
Hvammur
erledigt
Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages
Springe auf einem Regenbogen22.05.2026
Snæfellsnes
erledigt
Verschwinde im Dampf30.05.2026
Námafjall
erledigt
Hab ein typisch isländisches Frühstück04.06.2026
Fimmvörðuháls
erledigt
Warte geduldig auf einen Wal26.05.2026
Skötufjörður
erledigt
Gönn dir Lakritzeis02.06.2026
Egilsstaðir
erledigt
Halte einen „Warum tue ich mir das an?“ Moment fest
Einen neuen Freund finden21.05.2026
Hafen von Borgarnes
erledigt
Schreibe eine isländische Saga24.05.2026
Rauðasandur
erledigt
Errichte ein Elfenhaus24.05.2026
Rauðasandur
erledigt

Habe die Ehre
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