Dynamische Planung
Gerade holt mich die eigenartige Zeitrechnung des Urlaubs ein. Die erste Woche war erstaunlich langsam und jeder Tag dauerte mindestens zwei Wochen. Die zweite Woche des Urlaubs war dann vorbei, bevor man sie bemerkt hat. Die dritte Woche, in der wir uns jetzt gerade befinden, rückt immer näher an ihr Ende, immer wenn wir nicht aufmerksam hinschauen.
Auch merke ich, dass sich gewisse Emotionen wieder verschieben. Vor gut einem Monat habe ich noch voller Spannung und Vorfreude auf den Urlaub geblickt. Gleichzeitig verlasse ich unsere Kater nur ungern, auch wenn viele tolle Menschen sich gut um sie kümmern. Jetzt kippt es wieder mehr in die Richtung, dass ich mich frage, sollte ich vielleicht doch länger oder dauerhaft hier was machen? Der Gedanke an Berlin ist zwar schön, weil er auch verbunden damit ist, dass man vertraute Gesichter wiedersieht, aber Island ist dann auch wieder für eine unbestimmte Dauer ein Sehnsuchtsort.
Ja, so kann es hin und her gehen. In irgendeiner Form hat bestimmt jeder so seinen Urlaubs-Abschieds-Blues. Doch immerhin geht es erst Mittwoch zurück. Das heißt, ein bisschen Zeit für Erlebnisse bleibt noch und die will auch genutzt werden. Zumal wir aktuell unweit vom Golden Circle sind. Es wäre doch also gelacht, wenn der Tag am Ende nicht gut wird.
Also auf ins Geschehen. Meine Frau ist bekanntlich in diesem Urlaub nebenberuflich Wetterexpertin geworden. Kleine Schattenseite davon ist, dass sie sich recht sicher war, dass es ab Mittag wettertechnisch eher kippen wird und wir deshalb früh los sollten, um unsere Ziele zu erreichen.
Um 6 Uhr klingelte daher der Wecker und zumindest in dem Moment war das eine blöde Idee. Als wir dann ganz allein bei Sonnenschein um halb 8 beim Faxifoss ankamen, war die Idee erstaunlich viel besser geworden.
Der heutige Tag hatte eine klare Idee davon, wie er starten will. Es sollte Sommer sein! Ohne wenn und aber. Es waren gute 12°C und ich weiß, dass sich das nicht nach viel anhört, aber es war absolut angenehm. Blauer Himmel und Sonnenschein, kaum Wind und ein Wasserfall ganz für uns allein.

Einst wusste meine Frau nach langem Studium zu berichten, dass der Faxifoss hauptsächlich aus Wasser besteht. Was bislang eher unbekannt für mich war: Am Faxifoss wohnt ein Rabe der eher kein Freund von Drohnen ist. Als ich meine Kreise flog, startete er recht imposant in die Lüfte und machte doch schnell deutlich, dass hier der König der Lüfte ist. Ich freute mich trotzdem. Schließlich war es das erste Mal, dass ich beim Faxifoss mit der Drohne flog. Allerdings verstehe ich auch etwas den Unmut des Raben. Denn beim Faxifoss muss man eigentlich nicht fliegen. Man bekommt auch vom Boden aus schöne Aufnahmen.

Neben dem Wasserfall hat mir besonders gefallen, dass hier so viele Wildblumen blühten. Ich weiß sogar, dass die lila Blume eine Lupine ist und im isländischen Lofnarblóm genannt wird. Da macht sich die Sprach-App auch mal bezahlt.

Wir nutzten den Sommer und die frühe Morgenstunde und fuhren dann weiter zu meinem absoluten Highlight, dem Strokkur. Besser bekannt als Geysir. Wobei der Geysir mit dem Namen Geysir zwar im gleichen geothermal Gebiet steht, aber ruhend ist. Ich warte ja immer noch drauf, dass ich mal einen Ausbruch vom Geysir sehe. Der ist nämlich ein vielfaches größer als der Strokkur und seine Fontäne soll bis zu 70 Meter hoch sein. Das ist bestimmt ein Anblick, den man nie mehr vergisst. Aber auch wenn der Strokkur etwas kleiner ist, er ist absolut atemberaubend.
Frech wie wir sind, haben wir auf dem Parkplatz für geführte Touren geparkt. Um 8 Uhr morgens interessiert das gepflegt niemanden, ob da ein Auto steht oder nicht. Ich vermute, dass es insgesamt nie jemanden wirklich juckt. Aber der Parkplatz ist für uns gut gelegen, da man von hier aus schon mit etwas Glück einen Ausbruch vom Strokkur sehen kann.
Außerdem kommt man von diesem Parkplatz direkt in etwas, dass ich gerade isländischen Garten bezeichnen möchte. Kleine blubbernde Erdhügel, dampfende heiße Bäche und dazwischen immer mal wieder eine Pflanze, der man scheinbar nicht gesagt hat, dass das alles hier lebensfeindlich ist.

Und dann dauert es nicht lang, bis der Strokkur jeden Zweifel über seine Erhabenheit verdampfen lässt. Aus dem Nichts schießt meterhoch ein Gemisch aus Dampf und Wassertropfen. Die Fontäne wird recht schnell vom Wind fortgetragen. Doch es reicht, dass es mich in den Bann zieht.

Man muss sich das so vorstellen, dass ich dann nach jedem Ausbruch ein paar Meter weiterging, nur um dann wieder auf einen Ausbruch zu warten. An einer Stelle fand ich, dass die Sonne ganz toll im Wasser reflektiert. Ich freute mich sogar noch darüber, dass niemand auch nur ansatzweise in meiner Nähe stand. Als der Geysir dann ausbrach, wusste ich dann auch recht schnell, warum ich hier alleine stand. Immerhin kann ich euch zeigen, wie es in der Wolke aussieht.

Wir gingen dann noch ein wenig übers Areal und staunten nicht schlecht, wie sich das Gebiet gemausert hat. Mittlerweile sind Rundwege ausgebaut worden und man findet Infotafeln. Es ist also auch für den kultivierten Touristen etwas zu lesen da. Falls man aber lieber Staunen möchte, na dann schaut man sich eben ein Becken mit kochenden schwefelhaltigem Wasser an. Der Zufall und womöglich ein Landschaftsarchitekt wollen es dann so, dass man den Strokkur trotzdem ganz gut im Hintergrund sieht.

Doch so schön es hier auch ist, wir wollten auf jeden Fall auch noch den Gullfoss sehen. Auf den Bildern erkennt man ganz gut, dass es zwar immer noch sehr freundlich war. Gleichzeitig wurden die Wolken doch deutlich mehr.
Aber der Gullfoss ist keine 15 Minuten mit dem Auto weg. Es gibt dort einen riesigen Parkplatz und alles, was Touristen letztlich brauchen. Vor allem aber einen wirklich beeindruckenden Wasserfall.

Man findet neuerdings auch diverse Tafeln an den Wegen. Manche erzählen von der Geschichte des Wasserfalls und wie eine Bauerntochter ihn einst gegen eine englische Firma verteidigte, die ein Wasserkraftwerk aus ihm machen wollten.
Meine Lieblingstafel war allerdings eine isländische Sage, die den Gullfoss und seinen Fluss als Schauplatz hat. Ich erzähle euch die Geschichte, damit ihr so wie ich in die Verlegenheit kommt und mitteleuropäisch bekannte Märchen einfach mehr zu schätzen wisst.
Also, die Geschichte geht wie folgt: Niemand konnte den Fluss Hvítá überqueren. Falls das aus dem Kontext nicht klar ist, das ist der Fluss zum Gullfoss. Die Strömung ist einfach viel zu stark. Eines Tages entdeckte ein junger Bauer, dass auf der anderen Seite eine junge Frau sitzt. Er schwamm erfolgreich rüber und dann hatten sie Kinder.
Ich habe der Geschichte offensichtlich nichts hinzugefügt aber auch nicht ein einziges Detail weggelassen. Das ist die ganze Geschichte. Nachzulesen auf einer Infotafel am Gullfoss. Ich glaube ich lese nachher Rotkäppchen, einfach um meinen Sinn für Märchen wieder etwas aufzupolieren. Aber sei es wie es sei. Der Wasserfall ist auch trotz eigenartiger Geschichten schön.

Wir beschlossen dann noch einen weiteren Wasserfall in der unmittelbaren Nähe anzufahren. Die Rede ist vom Brúarfoss und ihr werdet gleich sehen, warum sich dieser Stopp echt gelohnt hat.
Denn der Brúarfoss hat ein paar geologische Besonderheiten mit denen ich euch nicht langweilen will oder vielleicht doch? Also lange Geschichte in kurz: Das Wasser des Brúarfoss kommt aus einem Gletscher. Speziell in dieser Ecke wird die sogenannte Gletschermilch transportiert. Das Wasser in dem Steine fein wie Mehl zermahlen wurden. Ja und diese Gletschermilch führt dann dazu, dass sich das Licht anders bricht und für uns Menschen sieht der Brúarfoss dadurch so leuchtend blau aus.

Abseits der Geologie war ich irgendwie trotz recht vielen Touristen der Meinung, dass ich zum ersten Mal beim Brúarfoss mit der Drohne fliegen sollte. Hier gab es auch keine Raben, die mich abhalten wollten. Lediglich ein paar nervende Fliegen, aber die stören die Drohne nicht.

Aus der Luft hat der Wasserfall noch eine neue Qualität gewonnen. Er ist schon wirklich besonders, wenn man nur davor steht. Von oben gibt es aber dann auch den Eindruck, als ob das Wasser an unterschiedlichen Stellen sich anders bewegt und verhält. Die Farbwechsel des Wassers und der Steine sind manchmal nicht mal fließend sondern wirken sehr direkt und scharfkantig. Vom Boden aus erahnt man sowas vielleicht. Aus der Luft ist es deutlich und spektakulär.

Mit Blick auf die Uhr, den Himmel und den eigenen Akku beschlossen wir dann, dass wir die Heimreise antreten. Es gab noch einen Zwischenstopp im Supermarkt um etwas fürs Abendessen zu besorgen. Ohne weitere Umwege ging es damit dann zurück nach Eyrarbakki.
Wir trafen einmal mehr unseren Gastgeber Dana. Er erzählte uns gestern schon mal beiläufig, dass heute Fishermens Day ist. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, worum es da genau geht. Aber gemessen an den bisherigen Sagen, ist vermutlich einfach ein Seefahrer gestorben.
In Island ist dieser Tag aber generell eine große Sache und in jedem Hafen wird gefeiert. Da Eyrarbakki einen Hafen hat, dachten wir uns, wir gehen mal vorbei und schauen, was dort passiert.
Man muss sich dann einen großen Pier vorstellen, auf dem ein paar Autos stehen und noch mehr Menschen. Es hat ein wenig den Charme eines Dorffestes, aber ich könnte nicht sagen, was eigentlich passiert ist. An einer Stelle sind Kinder in voller Montur (Shirts, Schuhe usw.) unter dem Beifall ihrer Eltern ins Wasser gesprungen. Ein paar Meter weiter fuhr die Küstenwache mit einem Schlauchboot ein paar Kinder aufs Meer, nur damit ein zweites Motorboot sie dort nass spritzte. Ein anderes Boot kam gerade zurück und alle Insassen sprangen deutlich vorm Ufer von Bord und schwammen zum Kai.

Ich hätte irgendwie einen Stand erwartet. Vielleicht das jemand Fisch grillt oder so. Aber nein, nichts dergleichen. Trotzdem hatten alle vor Ort eine unfassbar gute Zeit. Die gute Laune war durchaus ansteckend, wobei ich mich schon frage, was die Leute dort eigentlich trieben. Aber hey, solang es Spaß macht.
Als wir zurückgingen, kamen wir bei unserer Unterkunft erneut mit unserem Gastgeber ins Gespräch. Er erzählte von seinem Plan, wie er mal hier ein Café eröffnen möchte und dafür auch noch Unterstützung sucht. Er hat schon recht viel gemacht, aber das Haus in dem er alles aufbauen möchte ist von 1913 und genau so sieht es eben auch aus. Der Charme ist da, die Arbeit aber auch. Aber hey, wenn ich morgen früh aufwache und denke „Ich will ein Café in Island aufbauen und betreiben“ ich glaube, er würde nicht nein sagen.
Auch wenn der Auswanderungsgedanke wie immer verlockend ist, haben wir uns erstmal nicht verpflichtet herzuziehen. Stattdessen gab es noch einen Beitrag für die ToDo Liste. Schließlich sind wir ja nicht mehr lang hier und wer weiß schon, ob wir überhaupt noch mal Sonne kriegen. Es folgt also eine hochprofessionelle Schattenfigur.

Über den Abend habe ich glaub ich den Tribut für den Tag und die letzten Wochen gezahlt. Mein Kreislauf macht wilde Dinge und ich fühle, wie es eine gute Idee wird, einfach mal auszuschlafen. Da wären wir dann wohl auch wieder beim Anfang. Zeit mag relativ sein, aber man muss sie sich schon auch ab und an nehmen.
Morgen soll das Wetter noch ein wenig schlechter werden. Meine Frau hat daher einen exzellenten Schlechtwetterplan erstellt. Als ob sie es gewusst hat, passt ausschlafen da sogar gut rein.
Abermals kann man sich aber wohl ohne große hellseherische Kräfte erneut gut ausmalen, dass es auch morgen wieder genug zu berichten geben wird.
In diesem Sinne
| Aufgabe | Beweisfoto | Status |
| Ein Foto mit einem Schaf 2.0 | ![]() | 22.05.2026 Grásteinn erledigt |
| Jemanden Huckepack nehmen (meine Frau ausgeschlossen) | ![]() | 31.05.2026 Gufufoss erledigt |
| Eine coole Schattenfigur machen | ||
| Posieren mit einer Islandflagge | ||
| Baue eine Eisskulptur | ![]() | 06.06.2026 Eyrarbakki erledigt |
| Umarme einmal Island (so gut es geht) | ![]() | 29.05.2026 Tröllaskagi erledigt |
| Verewige Murphy auf einem schmutzigen Auto | ![]() | 25.05.2026 Dynjandi erledigt |
| Mach einen Spaziergang, obwohl du eigentlich müde bist und Blog schreiben solltest | ![]() | 02.06.2026 Stokksnes erledigt |
| Ausschlafen! | ![]() | 29.05.2026 Akureyri erledigt |
| Sei einmal außerhalb des Badezimmers richtig nass | ![]() | 26.05.2026 Hvammur erledigt |
| Zeichne an einem Abend irgendwie den Lieblingsort des Tages | ||
| Springe auf einem Regenbogen | ![]() | 22.05.2026 Snæfellsnes erledigt |
| Verschwinde im Dampf | ![]() | 30.05.2026 Námafjall erledigt |
| Hab ein typisch isländisches Frühstück | ![]() | 04.06.2026 Fimmvörðuháls erledigt |
| Warte geduldig auf einen Wal | ![]() | 26.05.2026 Skötufjörður erledigt |
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| Schreibe eine isländische Saga | ![]() | 24.05.2026 Rauðasandur erledigt |
| Errichte ein Elfenhaus | ![]() | 24.05.2026 Rauðasandur erledigt |
Habe die Ehre
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