Ein Tag

wie jeder andere

Eigentlich habe ich mir vorgenommen jeden Tag aufzuschreiben, wie viele Kilometer wir gefahren sind. Dieser Vorsatz hat exakt einen Tag gehalten, dann habe ich zwei Tage in Folge vergessen, dass ich es wahlweise machen wollte oder ich hab nicht mehr dran gedacht es in den Blog zu schreiben. Ich habe mich nun kurzerhand dazu entschlossen, das zu machen, was ein anständiger Erwachsener mit Missständen macht: Ich ignoriere sie und hoffe, dass es mich nicht irgendwann wieder als riesiges Problem mit einholt.

Damit der Abend und der heutige Blogbeitrag für mich besser zu verarbeiten ist, habe ich mich dazu entschlossen Begleitmusik anzumachen. Da habt ihr jetzt nichts von, aber ich finde es toll. Aus Gründen, die ich kaum bis gar nicht erklären kann, laufen jetzt alte Lieder von Nintendo-Spielen bei mir.

Ich sitze also gerade an einem der westlichsten Orte Europas, bin hundemüde, höre 8bit Musik (Tetris rockt richtig!) und schreibe über viel zu viele Dinge, die den heutigen Tag zu dem machten, was er war. Ein ganz normaler Tag in Island.

Zwei Tassen Kaffee, auf dem kaiserlichen Porzellanthron ein paar Vokabeln isländisch und mit der Hoffnung, dass Gott das mit dem Ruhetag am Sonntag nicht so ernst nimmt, ging unser Tag wohl viel früher los, als bei den meisten anderen. Gegen 8 Uhr saßen wir bereits im Auto und fuhren in den Tag. Fairerweise war der erste Halt eine Tankstelle. Dort stellte ich dann jedoch auch fest, dass noch zwei Vögel vor uns wach waren. Ich wurde erstmal tatkräftig von ihnen beschimpft. Das waren zwei… öhm… ich hab keine Ahnung wie die Viecher heißen, aber da mich auch niemand korrigieren kann nenne ich sie jetzt… isländische Kahlkopfsperrlingsflugotter. Ja, die sind berühmt für ihre Meckerei. Vor allem, wenn man sie in ihrem natürlichen Habitat (Tankstellen) stört.

Kahlkopfsperrlingsflugotter

Wie dem auch sei. Nach nicht mal 15 Minuten gab es dann aber auch schon den ersten richtigen Stopp. Was will man machen. Es gehört eben auch zur Normalität hier, dass die Landschaft sensationell aussieht. Und was will man dann machen? Man muss halt anhalten und sich freuen.

Ab in die Berge

Es sollte dann heute in die Westfjorde gehen. Mittlerweile ist die Strecke dorthin für mich etwa genau so bekannt, wie der Weg zur Arbeit (Ja, ich arbeite öfter im Homeoffice). Okay anderer Vergleich – ich fahre die Strecke so sicher, wie die Gewichtszunahme auf der Waage, wenn man nur mal gucken wollte, ob was Gutes im Süßigkeitenschubfach ist.

Heute gesellte sich auf der Strecke das Glück des tüchtigen Autofahrers zu mir. Die matschige Straße war ziemlich leer. Ich musste insgesamt nur zwei Autos überholen und die haben auch noch ganz artig Platz gemacht.

Ich frage mich inzwischen auch, wie viele Leute wohl schon mal gesehen haben, wie ich über so eine nicht-asphaltierte Straße fahre und dachten „Boah, die Einheimischen rasen hier aber ganz schön.“ Vielleicht ist das aber auch nur Wunschdenken, um mich noch etwas isländischer zu fühlen. Wer weiß. Ich schweife ab (schockierend, ich weiß – ist mir noch nie vorher passiert).

Wir kamen nach circa 1,5 Stunden bei einem Supermarkt an und machten dort das, was man in einem Supermarkt in Island so tut. Man geht Pipi und fragt die Kassiererin, ob der abgepackte Truthahn eigentlich sicher durchgebraten ist oder ob man dran sterben wird. Da sie es auch nicht sicher wusste, haben wir dann beschlossen, dass ich es ausprobiere und sie zumindest anteilig an meinem Tod Aktien erhält. Auch wenn der Spannungsbogen vielleicht eher mäßig ist – ich habe überlebt. Als kleine Belohnung dafür, habe ich dann direkt vor dem Supermarkt eine neue Freundin gefunden.

Baby

Ich kenn das ja schon von meiner Frau… ich darf neue Freunde und Freundinnen immer nicht mitnehmen. Ich weiß nicht, ob das so ein Eifersuchtsding ist oder woran das liegt. Aber auch heute durfte ich meine neue Freundin nicht mitnehmen und musste ohne sie weiterfahren.

Statt also einer Katze im Auto hatte ich dann wenig später eine nieselnde Regenwolke über mir. Auch das ist etwas, was in Island genau genommen keine besondere Erwähnung braucht. Da ich es jetzt doch erwähnt habe, garniere ich diesen belanglosen Absatz zumindest noch mit dem Vergleich, dass eine Regenwolke in Island so normal ist, wie ein Avocado-Toast in Berlin Friedrichshain. Wenn mir dieser Absatz nicht einen Literaturpreis beschert, weiß ich auch nicht, was ich noch leisten soll. Ich bin müde… lasst mich.

Wir hielten trotz eher mäßigem Wetter noch bei einem hübschen Wasserfall am Straßenrand. Kennt ihr den Moment, wo ihr in Island eine Regenjacke anhabt und erst später merkt, dass ihr die Kapuze gar nicht aufhattet? Nein…? Gut… ich natürlich auch nicht.

Herr Sonnenschein

Danach passte sich das Wetter sich meinem rasanten Fahrstil an. Plötzlich war Hochsommer. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein, kaum Wind und das Gefühl, jeden Augenblick würde es nach Sonnencreme riechen und jemand würde mit einem Eiswagen vorbeikommen. War leider nicht so. Ich musste den Tag ohne Eis überstehen. Aber das Wetter war trotzdem gut und wir waren gewillt mit etwas Tatendrang daraus auch was zu machen. Wie passend, dass wir genau dann bei einem unserer Lieblings-Parkplätze in den Westfjorden angekommen sind.

Drohnenfjord – ohne Drohne

Es ist zwar erst der dritte Tag hier, aber ich merke schon sehr deutlich, dass ich auch mal ein bisschen Ruhephasen brauche. Also machte ich mal was völlig Verrücktes: Ich ruhte mich aus. Die Sonne aufs Gesicht und einfach mal entspannen. Das waren ein paar sehr gute Minuten.

So lässt es sich leben

Als ich da so lag, erinnerte ich mich auch daran, dass ich einst im Nachbarfjord auf ein paar Steinen mitten im Wasser stand und dort einen Moment hatte, bei dem ich ganz allein auf der Welt war. Dort wollte ich heute – gerade bei dem tollen Wetter – auch noch mal hin. Dieses mal aber nicht allein, sondern mit meiner besseren Hälfte.

Am Ende der Welt

Es war dort so unglaublich ruhig und friedlich. Hier und da hört man eine Welle. Ab und zu macht ein Vogel mal Geräusche und das wars auch schon. Mehr passiert da nicht. Ein wunderbarer Flecken Erde.

Wir beschlossen dort auch, dass wir das gute Wetter nutzen wollen und direkt zum Rauðisandur fahren werden. Doch ehrlicherweise beschlich dazu eine Sorge, dass viele andere Menschen den gleichen Gedanken heute haben dürften. Ich meine, die Sonne war wirklich stark und allein das würde wohl einige Menschen dazu treiben, einen Strand aufzusuchen.

Joa – am Rauðisandur angekommen stand dort exakt ein anderes Auto. Es war niemand auf dem Campingplatz, niemand bei den Cottages, selbst die Rezeption war geschlossen. Ich gebe zu – ich verstehe das nicht. Dieser Ort ist ein Paradies und heute war auch noch das Wetter paradiesisch. In meiner Welt ist dieser Ort eben auch weltberühmt. Scheinbar ist das bei anderen Menschen anders. Ich wundere mich, aber kann das natürlich sehr gut akzeptieren, dieses Schmuckstück für mich zu haben.

Direkt mit Drohne los

Es dauerte schon eine Weile, bis ich akzeptieren konnte das wirklich niemand anderes außer uns da ist. Aber ich konnte die Phase der Verwunderung wirklich gut mit Drohnenflügen überbrücken. Knapp zwei Akkus später war die Situation dann wirklich okay für mich.

Von oben

Zumal ich mich darauf verlassen kann, dass meine Frau immer wieder tolle Bilder von der Landschaft und überraschenderweise sogar von mir macht.

Ich, im Paradies

Wir beschlossen kurzerhand, dass wir die Wanderung bis zu einem Wasserfall machen werden. Die Sonne erlaubte, dass ich im hochgekrempelten Pullover draußen rumlief und nicht fror. Es war irgendwie wirklich dumm gewesen, diesen Tag nicht auszureizen. Zumal der Ozean auch noch spektakulär am toben war. Aus manchen Winkeln hatte man kristallklares, glasgrünes… blaues… helles Wasser mit wirklich beeindruckenden Wellen.

HAA 2 O

Wir wanderten dann entlang der Klippe bis zum Gästebuch. Dort passierten dann gleich mehrere Dinge. Angefangen damit, dass wir diesen Ort auserkoren haben, den heutigen Happy Stone dort zu platzieren.

Nummer 3

Selbstredend hat der Stein dort eine schöne Aussicht und auch eine ganz hervorragende Nachbarschaft. Es gibt Schafe, Gräser, andere Steine zum spielen und einen Wasserfall.

Bester Platz

Ach und natürlich habe ich dann auch noch etwas ins Gästebuch geschrieben. Irgendwie eine offensichtliche Information, oder?

Deutsches Pflichtbewusstsein für Gästebücher

An dieser Stelle kann ich übrigens auch aufklären, dass ich nicht nur hier im Blog manchmal völlig absurde Dinge aufschreibe. Ich tue das auch in Gästebüchern am Ende der Welt.

Literaturnobelpreis 2.0

Falls es zu schwer zu lesen ist… dort steht übersetzt:

Wenn du das lesen kannst, bist du kein Schaf (hoffentlich)

PS: Falls du ein Schaf bist, denk immer daran – du bist sehr lecker!

Langsam machten sich dann nach der Fahrt, der Wanderung und den ganzen Highlights des Tages aber die eigenen Knochen auch bemerkbar. Wir beschlossen im Lauf des nahen Wasserfalls noch mal eine Pause einzulegen.

Wucht und Kraft

Und wenn ich Pause sage, dann meine ich auch wirklich Pause. Es fehlte ehrlicherweise nicht viel und ich wäre mal kurz weggenickt.

Die Ruhe selbst

Irgendwann fror aber mein Hintern und insgesamt schien es auch eine gute Idee, dass wir nicht im Bett eines Wasserfalls schlafen. Wir fuhren daher so langsam mal wieder in die Zivilisation.

Der Plan war eigentlich, dass wir dann noch Essen gehen und danach in unsere Unterkunft einkehren und einfach nur ins Bett fallen.

Es stellt sich raus, dass die Saison hier in den Westfjorden offiziell am 18.09.2026 endete. Sprich – vorgestern. Wisst ihr warum das doof ist? Weil Restaurants hier vorzugsweise nur in der Saison geöffnet haben. Wir standen also hungrig nach einem echt langen Tag vor einer verschlossenen Tür. Das Restaurant im Nachbarfjord hat übrigens genau das gleiche Verständnis von „Saison“. Wir werden also wohl morgen mal schauen, dass wir uns irgendwo ein paar Kartoffeln kaufen und dann abends selbst was zu Essen zaubern.

So blöd das mit dem Restaurant lief, so gut war der Tag insgesamt. Ich bin am Ende auch nicht böse, dass wir ein bisschen eher in den eigenen vier Wänden angekommen sind. Das gibt mir die Zeit zu schreiben und es macht auch den Prozess entspannter, wenn man so langsam runterkommt.

Morgen sind sich die Wetterberichte noch uneins, ob es ganz viel regnet oder dauerhaft. Wir haben jetzt schon mal beschlossen, dass uns das egal ist. Wir werden einfach mal so tun, als könnten wir ausschlafen und nehmen uns exakt nichts für Morgen vor. Ich bin selbst sehr gespannt, wie gut das denn jetzt funktioniert.

Und falls eben doch die Sonne wieder als Überraschungsgast auftaucht, dann fällt uns mit ziemlicher Sicherheit auch was dazu ein. Jetzt geht es aber erstmal ab ins Bett. So oder so lesen wir uns morgen wieder.

In diesem Sinne

AufgabeWann / Wo erledigt?Beweisfoto
Stoße mit Fremden auf Island an
Platziere einen Happy StoneGrundarfjörður
18.09.2026
Singe die isländische Nationalhymne
Verewige Murphy unwiderruflich und für immer in Island!
Spiele Tic Tac Toe vor einem Wasserfall mit einem Fremden
Posiere zusammen auf einem Foto mit mindestens drei FremdenSvörtuloft 
19.09.2026
Verschenke ein selbstgemachtes Islandband!Svöðufoss
19.09.2026
Finde einen „Der Umweg hat sich gelohnt“ Ort
Mach ein Foto für das Plakat: Island – der Film!
Male das größtmögliche Speedsheep!
Sei einmal bis zum Bauchnabel im Wasser
Sei allein auf der Welt
„Es gibt kein schlechtes Wetter….“
Ein neuer Freund
Prüfe, ob das Elfenhaus noch steht und baue sonst ein neues

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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