Gott ist ein Schaf

Was auch sonst?

Wir wissen bereits, dass der liebe Gott allmächtig ist. Allwissend ist er sowieso. In der Popkultur ist er manchmal auch noch ein DJ. Aber heute kam ich zu dem Schluss, dass er ziemlich wahrscheinlich ein Schaf ist. Ich weiß wie das klingt. Aber vertraut mir. Ich kann diese Theorie untermauern!

Grooven wir uns mal langsam in das Thema. Was machen Schafe so den lieben langen Tag? Richtig – im Grunde nichts. Oder zumindest lassen sie uns in dem Glauben. Wenn sie aber mal ihren wolligen Popo hochkriegen, dann laufen sie völlig planlos durch die Gegend. Die Wege des Herren sind unergründlich… schon mal gehört? Vom Hirten will ich gar nicht erst anfangen. Und vielleicht ist Gott im groben Ganzen einfach deshalb recht selten direkt mit uns im Austausch, weil er halt nicht so super allmächtig wirkt, mit all seiner Wolle. Insgesamt wird wirklich vieles auf der Welt plausibler, wenn man davon ausgeht, dass die große Allmacht ein Schaf ist.

Ich kann diese Geschichte erzählen, weil es heute windig war. So windig, dass es auch sehr naheliegend war, dass Schafe die Ursprungsform von Wolken sind. Man darf sich das so vorstellen, dass Gott… also ein Schaf auf einer Wiese steht und einfach sein Ding macht. Dann kommt eine Böe und das Schaf fliegt im Himmel. Von unten sieht es dann entsprechend wie eine Wolke aus. Regen ist dann im Grunde was sehr trauriges, weil das einfach die Tränen der Schafe sind, die nicht mehr unten auf der Erde ans Gras rankommen. Und falls ihr gerade denkt „Ohje, heute wird wieder so ein Beitrag…“ – ich fürchte auch.

Dabei startete der Tag eigentlich halbwegs idyllisch mit den ersten Ansätzen von Ausschlafen. So gegen 7 Uhr wollte mein Biorhythmus, dass ich mich erhebe und dann setzte ich mich erstmal hin und spielte am Laptop eine Runde Karten. Mit diesem Highspeed Lebensstil wollte ich heute den restlichen Tag auch durchleben.

Und tatsächlich dauert es bis kurz vor 9 Uhr bis wir dann so langsam mal aufbrachen. Wer nun einen Wasserfall, eine Schlucht, einen Vulkan oder sonstiges Spektakel vermutet, liegt komplett falsch. Wir gingen erstmal in einen Supermarkt und besorgten uns ein paar Snacks und schon mal ein Abendessen. Das größte Highlight an dieser Stelle war, dass ich Nippon (diese Puffreisquadrate) in einer limitierten Variante mit weißer Schokolade gefunden habe.

Draußen regnete es sich bis dahin schon fröhlich ein. Grund genug noch mal in uns zu gehen, was wir mit dem Tag anstellen könnten. Meiner Frau fiel dann ein, dass wir noch immer ein eierndes Problem mit unserem Auto Haarald haben. Ab circa 80km/h gibt es spürbare Vibrationen. Wir fuhren also mal zum örtlichen „Car Service“ und berichteten von unserem Schicksal.

Der Mechaniker vor Ort hatte scheinbar gerade nichts besseres vor und parkte unser Auto erstmal auf einer Hebebühne. Er entfernte eine Plastikblende die eh nur noch an einer Schraube wackelte und dann zeigte er mir, dass in den Rädern noch richtig dicke Dreckklumpen sitzen. Die Physik will es, dass solche Brocken eine Unwucht beim Fahren erzeugen. Die Reparatur dazu sah so aus, dass er mit einem Wasserschlauch die Reifen reinigte.

Er korrigierte dann auch noch schnell den Fehler, dass der Reifendruck dauerhaft zu niedrig angezeigt wurde. Dann wünschte er uns auch schon einen schönen Tag. Doch er hatte die Rechnung ohne mich gemacht. Denn ich hatte mich bereits vorbereitet und 1.000 isländische Kronen (etwa 7 Euro) in meiner Handinnenfläche versteckt. Cool wie James Bond gab ich ihm die Hand und er konnte den kleinen Moment genießen, wo er mir auch die Hand gab und dann irgendwie merkte, dass da noch mehr in meiner Hand ist. Er freut sich, ich freute mich, meine Frau freute sich. So soll es sein.

Mit dem neuen Fahrgefühl, aber immer noch im Regen, fuhren wir dann mal zum stillgelegten Fischkutter. Mir ging es tatsächlich mehr darum, bei der Fahrt zu schauen, ob die Vibration weg ist. War sie dann auch. Und wenn wir dann schon mal da sind, kann man sich so Sehenswürdigkeiten auch mal anschauen.

steht noch da

Es regnete so viel, dass ich mich fragte, wie lange dieser gestrandete Zustand des Bootes wohl noch anhält. Doch es blieb eigentlich keine Zeit für derartige Unwichtigkeiten. Denn vor Ort galt es noch einen Punkt der ToDo Liste abzuhaken.

Letztes mal hatte ich an diesem Ort ein Feenhaus gebaut. Jetzt wollte ich schauen, ob es noch steht. Tat es leider nicht. Es war nur noch ein einzelner Stein vom letzten Bauwerk dort. Und so regnete es Bindfäden und ich wurde klatschnass. Ich kann mich aber gleich wieder in ein Auto setzen – die Feen brauchen ein Häuschen. Also baute ich eins.

Stein um Stein

Gut durchnässt gab es dann noch einen weiteren Punkt, der meiner Frau und mir wichtig ist. Auch heute wollten wir noch einen Happy Stone in Island aussetzen.

Wisst ihr, die Idee ist vielschichtig. Irgendwie hofft man ja, dass wirklich irgendwer diesen Stein findet. Gern darf er dann auch mitgenommen werden, neu ausgesetzt- oder zur Freude behalten werden. Der Punkt ist, dass es schön ist, die Steine zu platzieren und es damit verbunden eben auch diese Vorstellung einer weiteren Freude gibt, die man vielleicht nie live erlebt, aber jedes mal erahnt, wenn man einen Stein auslegt. Der heutige Stein sieht übrigens so aus.

Divergent

Er liegt nun in der Nähe unseres guten alten Bekannten – dem Kleifakarl. Der Gute steht an der Spitze eines Passes und ich will die Situation mal so zusammenfassen: Als wir ankamen, sah es auf der Windschutzscheibe so aus, als würde es nicht regnen. Das lag aber nur daran, weil der Regen horizontal an die Heckscheibe prasselte. Es galt also, relativ schnell einen passenden Platz für den Stein zu finden, Karl hallo sagen und zurück ins Auto.

erledigt

Nicht das ich es unterschlagen möchte, aber zum Tag gehört eigentlich auch noch, dass wir zwischen Schiff und Karl kurz in der „Stadt“ waren und recht erfolglos versucht haben Postkarten aufzutreiben. Nachdem wir gestern lernen mussten, dass die Restaurants saisonal geschlossen haben, erfahren wir wohl nun auch, dass selbst Postkarten Saisonware sind.

Sei es, wie es sei. Meine Frau ist Profi in Sachen Wetterradar und entsprechender Voraussagungen. Sie war sich recht sicher, dass wir mit ein bisschen Glück eine gute Chance auf besseres Wetter am Rauðisandur haben dürften. Wir machten uns also auf den Weg dorthin.

Bei der Fahrt selbst sah ich immer mal wieder aus dem Fenster und erblickte, wie auf meiner Schulterhöhe ganz viele Flugschafe (aka Wolken) an mir vorbeiwobbelten. Das gute Wetter wusste sich auf jeden Fall noch gut zu verstecken.

Dahinter scheint die Sonne

Fairerweise war dann hinter dem Bergkamm wirklich weniger Regen. Der Wind war zwar trotzdem noch stark, aber immerhin war es halbwegs trocken. Wir wagten damit einen kleinen Spaziergang in Richtung Strand. Dabei fanden wir dann…. einen Happy Stone?! Wie cool ist das denn bitte?

whoop whoop

Ich habe keine Ahnung, was genau ich auf dem Stein sehen sollte. Aber er hat die Farben von Island. Er liegt bemalt im Nirgendwo. Ich finds gut. Mehr braucht es dazu nicht.

Wir ließen diesen Stein vor Ort liegen und gingen weiter zum Strand. Dort mussten wir feststellen, dass die vorherigen Stopps unsere Sachen doch schon ganz schön feucht und klamm gemacht haben. In Kombination mit starkem Wind war abzusehen, dass uns doch recht schnell kalt werden wird. Wir verweilten deswegen nur ein paar Minuten und gingen dann zurück zum Auto.

Am Strand

Wer aber denkt, dass meine Frau mit ihrem Wetterbericht falsch lag, der irrt. Denn der Himmel wurde tatsächlich freundlicher. Das reichte bis zu dem Punkt, dass sogar ab und an die Sonne zu sehen war. Der Entschluss war dann, dass wir einfach im Auto sitzen und in die Ferne schauen.

schön hier

Der Abschied vom Rauðisandur ist für mich irgendwie immer auch etwas schwer. Ich kann das gar nicht genau in Worte fassen. Ich weiß natürlich, dass dieser Moment immer wieder kommt und trotzdem ist es immer wieder überraschend, wenn es passiert. Das Leben dort mag auch unfassbar hart sein. Ich wäre nicht mal sicher, ob ich das dauerhaft wollen würde. Aber den Frieden und die Energie dieses Ortes… das könnte ich schon mal eine Weile gut meinen Alltag nennen. Naja, vielleicht im nächsten Leben.

Wir fuhren dann langsam wieder zurück. Da das Wetter uns folgte, kamen wir dann auch noch mal beim Schiff im Sonnenschein an. Grund genug für mich, das vorhin gebaute Elfenhaus noch zu verbessern.

Ich baute einen Balkon mit Garten dazu. Ich besorgte eine Feder vom Strand (keine Sorge, die lag schon da – ich musste keinen Vogel rupfen) und legte sie als Federbett ins Erdgeschoss und zum Abschluss baute ich noch eine kleine Steinschwelle, die den Wind vom Meer etwas wegfängt, aber die Sicht auf den Fjord nicht verhindert. Ich bin zufrieden und hoffe die nächste Fee die dort wohnt, ist es auch.

200€ pro Nacht

Meine Frau nutzte währenddessen die Wassermassen von vorhin und machte coole Reflexionsfotos vom Schiff. Muss man auch erstmal hinkriegen.

Fotoadlerauge lässt grüßen

Es ging dann zurück in die Stadt. Ich wollte immer noch gern ein paar Postkarten besorgen. Wir wissen von früheren Besuchen, dass es im Fosshotel zumindest ein paar Postkarten gibt. Also fuhren wir dort hin und wurden tatsächlich fündig. Viel besser als das war aber, dass ich beim Bezahlen auf einmal sah, dass bei der Rezeption auch ein Happy Stone lag.

Happy Stone

Ihr könnt sagen was ihr wollt, aber Happy Stones sind zurzeit echt ein Ding.

Es ging dann noch mal kurz in den Supermarkt – noch mal Kleinigkeiten holen und dann direkt nach Hause. Der Nachmittag verging mit dem Schreiben der Postkarten und ein bisschen Kartenspielerei.

Zum Abend habe ich Lamb chops und Bratkartoffeln gemacht. Wenn die Restaurants zu haben, mach ich das eben allein. Tatsächlich ist das Essen sehr gut geworden. Im Supermarkt hatte ich mir noch ein alkoholfreies Bier dazu besorgt und von daher war schon eine sehr gute kulinarische Alternative.

Der Beitrag begann mit Schafen und er wird auch mit welchen Enden. Das hätte ich eben schon bei den Lamb chops schreiben können… ich meinte aber eher, dass ich jetzt noch duschen gehe und mich dann hinlegen werde und Schäfchen zähle. Morgen geht es in den Norden der Westfjorde und ich möchte ausgeschlafen sein. Das Wetter soll weiter durchwachsen bleiben, aber es wird genug geben, was mich begeistert und fasziniert und dafür möchte ich schon gern wach genug sein.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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