Es gibt kein schlechtes Wetter

Nur schlechte Planung

Die Westfjorde und ich führen eine sehr innige Beziehung. Zeit spielt für uns nur eine untergeordnete Rolle. Ob ich jetzt schon 3,4 oder 5 Tage hier bin? Ich könnte es nicht sicher sagen. Die Zeit die wir haben ist schön, am Ende natürlich immer zu kurz, aber so oder so immens kostbar.

Ich glaube, dass die Airbnb-Unterkünfte da auch ein bisschen helfen. Es hat einen eigenen Charme, wenn man in einer urigen Unterkunft untergebracht ist. Nichts gegen die Hotels hier. Allerdings verströmt spätestens morgens ein internationales Frühstück eher weniger den Reiz vom wilden Island. Da lobe ich mir meine Hotdogs und den Instantkaffee zwischen den Koffern und der Zahnbürste.

Isländer sind letztlich Überlebenskünstler und alles hier lebt davon Ecken und Kanten zu haben. Als Island-Fan versuche ich diesem Zustand natürlich nachzueifern. Die Westfjorde wissen diese Ambitionen meinerseits scheinbar zu schätzen und… worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach richtig… wir sind in den Westfjorden und heute sollte es in die Hauptstadt der Region gehen. Auf nach Ísafjörður. Ich schreibe ja Reisetagebuch und keinen Liebesgeschichte über die Westfjorde. Wobei… muss das eine wirklich das andere ausschließen?

Ich schlafe hier zum Beispiel mehr und mehr aus. Heute verschob sich die innere Uhr zum Aufwachen bereits auf 7.15 Uhr. In Deutschland wäre ich vermutlich schon seit zwei Stunden bei der Arbeit gewesen. Ein Blick ging nach Draußen. Es ist nass. Es ist ein bisschen grau und selbst bei geschlossenem Fenster lässt sich mühelos spüren, dass der Wind auch heute vor mir wach war. Alles daran ist schön.

Vielleicht ist das Wetter in Island einfach der Filter, ob man vom Land hier akzeptiert wird, oder nicht. Unserer Stimmung tat es jedenfalls keinen Abbruch, dass der Anteil von Grau im blauen Himmel so bei knapp 98% lag. Wir fuhren los und kamen im Handumdrehen beim ersten Wasserfall des Tages an.

Fast wie Frühling

Ich dachte eigentlich, dass die Wassermenge über den Sommer immer weniger wird und erst im Winter die Wasserfälle wieder nach und nach an Wucht gewinnen. Tatsächlich sind die Wassermassen optisch und mindestens gefühlt deutlich mehr, als noch im Mai. Falls wir uns in Deutschland mal wieder fragen, wo während unserer Dürre das Wasser hin ist – mein Tipp ist Island.

Unweit vom ersten Wasserfall wartete dann auch noch das A-Haus auf uns. Ein altes Farmhaus. Bis vor ein paar Jahren noch verlassen, aber mittlerweile wird es nach und nach von innen dekoriert und als kleine Zuflucht ausgebaut.

Reimt Hús

So richtig touristisch ist es aber noch nicht. Ich war auch durchaus stolz auf mich, dass ich geistesgegenwärtig nicht auf die Wiese vor dem Haus fuhr. Das sah doch verdächtig nach Sumpf aus und auch im Gästebuch vor Ort war sowas zu lesen wie „Schön hier, aber leider stecken wir jetzt im Matsch fest.“

Für uns war der Ort heute aber nicht nur eine weitere Sehenswürdigkeit, sondern auch die neue Heimat unseres fünften Happy Stone. Die Tradition ist noch sehr jung, aber wir lieben sie jetzt schon sehr. Wir hatten uns überlegt, dass wir den Stein zu den Feenhäusern stellen. Dort ist er nicht zu offensichtlich, kann aber trotzdem noch leicht gefunden werden. Die Feenhäuser selbst sind selbst zumindest sehr leicht findbar.

Feenhäuser

Als Stein haben wir heute übrigens ein Motiv aus World of Warcraft. Zugegebenermaßen ist das nicht so sonderlich isländisch. Falls aber mal eine WoWler den Stein findet, gibt es immerhin eine 50:50 Chance, dass er ihn besonders cool findet.

For the Horde

Vielleicht legt auch mal jemand einen Stein der Allianz dazu. Das wäre richtig cool. Wenn ich mal davon ausgehe, dass ich irgendwann bestimmt wieder da bin, fände ich das schon wirklich sensationell gut, wenn dann zwei Steine dort wären. Diese Happy Stones haben echt irre viel Potenzial für zukünftiges Glück.

Hordengebiet

Was dann passierte, verdanken wir dem Kind in mir. Es ist so, dass es in den Westfjorden durchaus auch heiße Quellen gibt. Bestimmt habt ihr auch schon mal davon gehört, dass die Isländer Pools mit dem Wasser der Quellen füllen, oder?

Baden mit Regenbogen

Ich weiß schon, warum ich eine Badehose mitnehme. Zumal es ja auch den Punkt auf der ToDo-Liste gibt, dass ich mal bis zum Bauchnabel im Wasser sein muss. Ich würde sagen, dass ich diesen Punkt meisterlich erfüllt habe. Falls es aber doch noch Zweifel gibt, sei gesagt, ich bin auch noch extra in die natürliche Quelle nebenan gegangen. Ich zeige hier echten Einsatz.

bis zum Bauchnabel im Wasser

Im Pool war das Wasser schon angenehm. In der Quelle war ich kurz geneigt zu sagen, dass es vielleicht sogar zu heiß wird. Kennt ihr das, wenn ihr eine Badewanne mit richtig heißem Wasser einlasst und die ersten Sekunden echt noch zweifelt, weil ihr Sorgen habt zu zerkochen – es aber dann durchzieht, weil das Wasser schon bald kühler wird? So in etwa… aber bei 8°C Außentemperatur hat man immerhin genug Möglichkeiten sich zeitnah wieder abzukühlen.

Das ist übrigens der Part, den Reiseblogger gern mal „vergessen“. Im heißen Wasser fühlt es sich an, wie im Paradies. Aber irgendwann kommt der Moment, wo man aufstehen muss und wenn man seine Sachen nicht gerade in Matsch oder nasses Gras legen will, muss man wohl oder übel ein paar Meter mit nassen Badesachen durch Island laufen. Vergleichbar ist das vielleicht mit dem Sprung ins kalte Wasser nach einem Gang in die Sauna. Ich würde es trotzdem sofort wieder machen.

Irgendwie konnte ich mich abtrocken und die innere Wärme hielt auch noch eine ganze Weile an. Der Regen wurde zwischenzeitlich wieder mehr und so haderten wir dann etwas, wie es mit dem Tag weitergehen sollte. Das Hadern hielt an, bis wir auf dem Parkplatz vom Dynjandi waren.

Es sollte sich einmal mehr bewahrheiten, dass wir Urlaubsprofis sind. Wobei der Dank hier meiner Frau gilt, die sich mehr und mehr als Wetterfrosch empfiehlt. Die These war, dass es beim Dynjandi in circa 1-2 Stunden deutlich freundlicher sein sollte. Die Aufgabe war also, irgendwie sinnvoll 1-2h zu überbrücken. Kurzerhand fuhren wir auf die gegenüberliegende Seite des Fjords und schauten ein wenig aufs Wasser.

Fast Sonne

Einen Wasserfall gab es hier auch, allerdings machten wir uns dann aufgrund des Regens nicht mal die Mühe aus dem Auto auszusteigen. Wir genossen ihn ein paar Momente aus der Trockenheit unserer Sitze.

Fast, als wären wir Draußen gewesen

Um die Zeit noch ein wenig mehr zu füllen, beschlossen wir dann über einen Pass zu fahren. Das war zwar an und für sich keine schlechte Idee. Gleichzeitig muss ich aber ehrlich sagen, dass wir nun auch nicht wirklich viel dabei gesehen haben. Es könnte damit zusammengelegen haben, weil wir mehrheitlich in einer Wolke waren.

Joa…

Es gehört wohl dazu, dass man ab und an im Urlaub auf Island auch so eine Fahrt miterlebt. Das Lenkrad wird mit gekreuzten Fingern geführt und es wird dauerhaft gehofft, dass die 20m, die man sehen kann, schon irgendwie alles zeigen, was für die weitere Fahrt wichtig ist.

Irgendwann ging es dann wieder bergab. Nicht sprichwörtlich sondern wortwörtlich. Im Tal und unter der Wolke gab es dann tatsächlich auch direkt wieder etwas zu sehen. Einen Fjord, tolle Landschaft und jetzt neu – Robben!

Robinson

Und dann ging es doch zum Dynjandi. Nur dieses mal, mit dem prophezeiten guten Wetter. Zumindest regnete es nicht mehr und so macht eine Tour am Wasserfall umso mehr Spaß.

Einmal mehr wurde dann auch deutlich, dass wir uns wohl in der Nebensaison befinden. Weder waren da Reisebusse noch aus sonstigen Gründen viele Menschen. Es war doch sehr überschaubar. Bis zu dem Punkt, dass wir vorm Dynjandi ganz allein standen.

Für uns allein

Eigentlich wollte ich hier auch den Punkt der ToDo-Liste abhaken, mit einem Fremden Tic Tac Toe vor einem Wasserfall zu spielen. Ich hatte meine Frau auch schon instruiert und war bereit für Großes… es waren nur eben keine anderen Menschen da. Dann muss ich das eben ein andern mal machen.

Mit dem Gefühl einer guten Planung und dem Dynjandi nah gewesen zu sein, fuhren wir dann noch nach Holt. Einst sahen wir dort Wale in freier Wildbahn. So viel Glück hatten wir heute leider nicht. Es war trotzdem sehr beruhigend und schön, dort auf dem Steg mitten im Fjord zu stehen.

Malerisch

Ab hier kommen nun Dinge, die darlegen, warum eine gute Planung am Ende des Tages manchmal aber auch nicht viel bringt. Da wäre zum Beispiel die Genauigkeit von Informationen in Google Maps bezüglich isländischer Gastronomie. Wahlweise haben nämlich gerade alle Restaurants schon zu, obwohl Google etwas anderes behauptet. Oder sie bieten aus unterschiedlichen Gründen nur Snacks an, aber keine ganze Mahlzeiten. Wir wollten aber sowieso noch einkaufen und dann koche ich eben selbst was. Ist ja kein Problem.

Als das Fleisch in den Backofen wanderte, dachte ich bei mir, dass zu der Mahlzeit auch ein Bier gut schmecken würde. Meine Frau wies mich darauf hin, dass nebenan sowas wie ein kleiner Dorf-Imbiss sein müsste. Voller Tatendrang stiefelte ich dorthin, nur um dort in Druckschrift „lokað“ / geschlossen zu lesen. Übrigens hätte auch der Laden laut Google gerade geöffnet.

Kartoffeln mit Lamm

Die Krönung des Abends war indes der Fön meiner Frau. Oder besser gesagt, dass was er mit der Wohnung hier anstellte. Ich hörte aus dem Bad ein Dröhnen. Wenige Augenblicke später war das Licht aus und das Dröhnen verschwand schlagartig. Großartig – erstmal in den Westfjorden den Sicherungskasten suchen. Im letzten Urlaub hatten wir ja täglich die Motivation, etwas zum ersten mal zu machen. Sicherungen wieder einsetzen ist aber jetzt wirklich ganz neu.

Es dauerte keine 20 Sekunden und das Spiel wiederholte sich. Da meine Frau nasse Haare hatte und die Wohnung nicht wirklich viele unterschiedliche Stromkreise anbietet, stand ich also irgendwann in Boxershorts vorm Sicherungskasten und klickte halbminütig wieder die Sicherung rein. Haben wir das also auch mal gemacht.

Insgesamt ist heute wieder kein Tag gewesen, den man so am Reisbrett entworfen hätte. Das Wetter komisch, die Route kreuz und quer und manche Erlebnisse mit eher fragwürdigen Mehrwert. Aber wisst ihr, genau das ist Island und ich liebe es.

In diesem Sinne

Habe die Ehre
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