Die Summe aus Gegenwart und Gestern
Es gehört wohl zum Menschsein dazu, dass man gern mal träumt. In meinem Fall ist dieser Traum seit ein paar Jahren immer mehr mit Island verworren. Die Vorstellung reicht vom Lottogewinn und dann ein Tonstudio in meinem isländischen Haus, in welchem ich meine Hits produziere, über einen Gnadenhof in der isländischen Pampa für all die alten Nutztiere, bis hin zum Betrieb mehrerer kleiner Cottages mit dazugehörigen Restaurant.
Wie das mit Träumen so ist, haben sie immer gerade soviel Realitätsbezug, dass sie möglich erscheinen und im echten Leben kommen dann trotzdem sehr viele „Aber…“ und machen den ganzen Spaß erstmal wieder kaputt.
Doch heute wollte der Traum mit dem Leben in Island schon noch mal stärker werden. Ich glaube, dass das auch etwas normales im Urlaub ist. Man romantisiert das Leben, dass man eben hat, wenn man nicht arbeitet, nicht so ganz genau aufs Geld schaut und im groben Ganzen einfach den lieben langen Tag immer genau das tut, was man will. Schon hier weiß man eigentlich sehr sicher, dass ein Umzug nach Island diesen Standard auch nicht halten wird. Es sei denn, dass es mit dem Lottogewinn doch klappt, dann kann man da vielleicht noch mal drüber reden.
So legen selbst die schönsten Träume manchmal so eine gewisse Schwere aufs Gemüt. Doch heute war Island der Meinung, dass so ein Traum eben Traum sein darf und wir im Hier und Jetzt lieber schauen, was das Leben zu bieten hat.
Der Wetterbericht sagte gestern Abend sinngemäß „tja… Regenmantel dabei?“ Nur um dann heute wie ein geübter Politiker das komplette Gegenteil zu behaupten und dabei felsenfest überzeugt zu sein, dass Sonne schon immer die erste Wahl für den heutigen Tag war.
Wir hatten uns überlegt, dass wir eine Autotour an ein paar schöne Spots machen. Das wäre im Regen machbar gewesen, aber mit Sonnenschein geht das auch gut und wird dann eben nur noch schöner. Zumal wir ans Wasser fuhren. Gut, dass ist in Island jetzt erstmal relativ nichtssagend. Ich sollte lernen manche Sätze einfach wieder zu streichen, wenn sie sinnbefreit sind. Vielleicht bringe ich mir in dem Kontext auch gleich bei, dass ich weiterführende Gedanken zum Blog nicht auch noch aufschreibe und dann am Ende jedes mal ebenfalls veröffentliche. Tja…
Jedenfalls ging es nach Vopnafjörður. Wir steigerten die Zahl der dort anwesenden Menschen um sagenhafte 0,3 % (auf dann zwischenzeitlich 663 Menschen). Der Fjord selbst hat einen wunderschönen Strand und meine Frau und ich bei der Ankunft erstmal viel zu gute Laune.

Wir standen auf einem Parkplatz in einer der entlegensten Ecken der Westfjorde und tanzten im Auto. Man macht schon komische Dinge im Urlaub. Danach wollte ich mal eine Runde mit der Drohne fliegen, musste diesen Gedanken aber recht schnell beenden, da ein Rabe in der Luft scheinbar kein Fan von Drohnen war. Immerhin konnte meine Frau den Strand fotografisch einfangen. Wenngleich auch erst etwas später, von einer Anhöhe aus.

Allein über den Pass zu fahren und die isländische Natur bewundern zu dürfen, hat etwas, an das ich mich bislang nicht gewöhnt habe und wohl auch nie so recht gewöhnen werde. Geschmäcker sind- und dürfen verschieden sein. Aber ich finde dieses urtümliche in Island einfach wunderschön. Dazu dann das Spiel aus Bergen und Wasser… wer will es mir verdenken, dass ich gern hier bin?

Wir fuhren langsam wieder vom Pass hinab und ein stückweit entlang der Klippen. Meine Frau fand im Internet, dass dort im Wasser wohl ein recht spannend aussehender Stein stehen soll. Da wir heute auch nur rumfahren wollten, dachten wir uns, wir schauen uns das mal an.
Vor Ort angekommen ließ sich schon recht leicht erahnen, dass das ein richtiger guter Stopp wird. Ich liebe ja, wenn sich Wellen mit Klippen und Felsen duellieren. Das kann gar nicht genug zur Sache gehen und hier vor Ort war schon einiges los.

Ich würde ja wetten, wenn man lang genug sucht, findet sich auch für die Steine hier vor Ort eine passende Trollsage. Alternativ dazu schreibe ich vielleicht irgendwann mal selbst ein. Für den Moment war es aber so, dass ich einfach mit offenem Mund dastand und das Spektakel sehr faszinierend fand.
Allerdings sah hier noch nichts so aus, wie das, wofür wir hier waren. Denn der angesprochene Stein soll eigentlich die Form von einem Elefanten haben. Er heißt passenderweise Fíllinn – der Elefant.
Also loswandern und schauen, was wir finden. Die Sonne kam raus und schenkte uns neben dem Tumult im Wasser auch richtig schönes Licht. Auch das ist Island: Man läuft über eine Wiese und macht versehentlich spektakuläre Fotos.

Und dann stand er tatsächlich da. Ein steingewordener Elefant im Wasser. Ich fand es wirklich sehr auffällig, wie viel Ähnlichkeit dieser Stein mit einem Elefanten hat. Auch hier prallten die Wellen ganz ordentlich dagegen. Es gab also gleich mehrere Gründe für mich, staunend dazustehen und Fotos zu machen.

Zur Wahrheit an diesem Ort gehört auch, dass es arschkalt war. Also nicht nur etwas fröstelig – nein. Man hatte das Gefühl, dass der Wind und der leichte Nieselregen (ja, die Sonne schien trotzdem) irgendwie versuchten uns zu Eisskulpturen zu machen. Ich mein, immerhin wären wir dann dauerhaft in Island. Letztlich sind wir aber doch lieber ins Auto und haben uns ein paar Meter aufgewärmt.
Denn unweit vom Elefantenfelsen ist ein Wasserfall, den wir aus früheren Besuchen eigentlich schon kennen. Wenn wir schon mal hier sind, nehmen wir den natürlich auch mit.
Wir sahen ein Parkplatzschild, ein Schaf und das reichte uns, um dann anzuhalten. Wir zogen uns die dicken Jacken an, bereiteten die Kameras vor, stiegen aus und…. standen am falschen Ort. Da war kein Wasserfall und ich bin recht sicher, dass das Schaf gelacht hat, als es über die Wiese weglief.

Egal – wieder zurück ins Auto und noch ein paar Minuten weitergefahren und dann war da tatsächlich auch der eben schon erhoffte Wasserfall.

Mal davon abgesehen, dass der Wasserfall wirklich hübsch ist und recht sicher noch in die Kategorie „Geheimtipp“ fällt, war das auch der Ort, an dem wir den heutigen Happy Stone platzieren wollten.

Es ist ein wirklich schöner Gedanke, dass irgendwer mal einen dieser Steine findet. Im Film wäre es ja auch so, dass man das dann irgendwie mitkriegt. Wie witzig wäre es, wenn man zum Beispiel mal jemanden in einem Restaurant oder so trifft und der erzählt dann, dass er einen Happy Stone gefunden hat und dann stellt sich raus, dass das deiner war? Die Chancen sind wohl noch niedrig unseren Hund Brekka in den Ostfjorden noch mal zu treffen, aber wir hatten ja bereits am Anfang darüber gesprochen, dass Träume dazugehören.

Im gleichnamigen Dorf zum Fjord tankten wir dann erstmal Haarald wieder voll. Bei dieser Gelegenheit stellte sich raus, das Isländer auch manchmal einen eigenartigen Sinn für Humor haben. Mir gefällts.

Unser Weg führte uns dann in den „Runa Park“. Das ist ein hübscher kleiner Ort, der ein paar Einblicke in frühere Zeiten gibt. Außerdem lag dort ein Geweih eines Rentiers rum. Das gab mir also auch die Möglichkeit mal zu schauen, wie ich als Rentier aussehen würde.

Vor Ort stehen auch viele Wikinger-Runen rum (vermutlich heißt der Ort auch deshalb Runa Park… ich bin da etwas auf der Spur). Man könnte via einem QR Code wohl auch eine ganze Menge Informationen abgreifen. Aber irgendwie hielt ich es nicht so „wikinger-isch“ mit dem Handy in der Hand dort rumzulaufen um QR Codes zu scannen. Schön war es trotzdem.

Und zu guter Letzt gibt es auch noch alte Wikingerhäuser, in die man sogar gehen kann. Das eine ist ein Nachbau eines Schafstall und dann gab es noch eine Werkshütte. Meine Frau beschloss darin, dass sie von innen die Tür zumacht und dann das bisschen Tageslicht von der Decke kommend für Fotos nutzt.

Es war dann bereits Nachmittag und wir dachten bei uns, dass wir auch einfach früher Abendessen können. Wie gestern schon prophezeit, fuhren wir also wieder ins gleiche Restaurant. Dort angekommen war die Gaststätte doch erstaunlich leer. Wer hätte ahnen können, dass die meisten Leute nicht um 15.30 Uhr Abendbrot essen.
Ich nutze die Leere und fragte mal nach, ob man die Gitarre, die dort an der Wand hängt eigentlich auch spielen darf. Es fehlte zwar eine Saite und sie brauchte erstmal eine einheitliche Stimmung, aber ja – man darf sie spielen. Und so saß ich dann in Island in einem Restaurant und rockte vor mich hin.

Im Ergebnis hatte ich dann einen Einheimischen, der für mich klatschte und eine Barkeeperin, die mir ein Bier ausgegeben hat. Ich würde sagen, dass das ein voller Erfolg war. Tatsächlich meinte sie, wenn ich noch das Klavier nebenan stimmen würde, bekomme ich Gratisessen und Freigetränke. Ich bin nicht abgeneigt…
Danach gingen wir noch mal in den Souvenirshop und sprachen erneut heute bestimmt eine Stunde mit der Inhaberin. Sie bot uns an, dass sie uns unterstützt, wenn es um einen Hauskauf oder auch einfach das Leben in Island geht. Wir kamen irgendwie sogar wirklich tief in die Materie. Zwischendurch waren wir bei Zinssätze, Steuergesetzen und Freibeträgen für Hotels und Gastronomie. Ich sage nicht, dass das absehbar ein echtes Thema wird. Aber erneut… Träume darf man haben und vielleicht wird ja doch mal einer wahr. So oder so ist es echt schön, dass man vor Ort den Eindruck gewinnt, dass sich ein „Local“ Zeit für einen nimmt und man irgendwie sogar hier reinpasst.
Die Sonne kam noch mal richtig raus und wir beschlossen daher, dass wir beim Gufufoss anhalten. Etwas ungeplant, aber vollkommen berechtigt, entstand dort nun auch das Foto für den Punkt der ToDo Liste „Mach ein Foto für Island – der Film“ Ich mein im ernst – schaut euch mal an, wie großartig das geworden ist.

Bald im Kino oder im Leben
Einmal mehr war ich dort in der Stimmung die Szenerie auf mich wirken zu lassen. Ich setzte mich obligatorisch auf einen Stein, schaute ins Wasser und war damit sehr zufrieden. Es ist fein, wenn da andere Menschen eine gute Zeit haben. Sollen sie lachen, Fotos machen oder was auch immer – das ist wirklich alles gut. Ich hab es oft genug selbst gemacht und mache es auch oft genug auch noch selbst. Aber zurzeit reicht es eben sehr oft, einfach dazusitzen.

Im Cottage angekommen, wollte ich eigentlich erst dem Hund des Reiterhofs hallo sagen. Allerdings war der bei seiner Besitzerin und die wiederum war irgendwie im Pferdestall beschäftigt. Da wollte ich ungern stören. Um aber doch noch etwas Konversation mit einem Tier zu haben, ging ich einfach mal zum Gehege der Pferde. Dort traf ich zwei junge Isländer.

Die beiden waren sehr knuffig und ließen sich von mir die Stirn kraulen. Als sie merkten, dass ich nichts zu futtern für sie dabei habe, gingen sie aber doch recht schnell wieder weg. Pferde sind irgendwie ein komisches Völkchen.
Jetzt sitze ich hier in Island, irgendwo in den Ostfjorden, schaue auf einen atemberaubenden Tag voller Highlights zurück und muss selbst schmunzeln, ob ich eigentlich wirklich so weit weg von dem bin, was ich da am Anfang als unerreichbaren Traum beschrieben habe. Das Leben hier ist schon wirklich schön.
Ob es irgendwann mal dazu kommt, dass es wirklich keinen Rückflug von hier gibt – das wird die Zeit zeigen. Bis dahin ist ein Urlaub in Island aber wohl mindestens ein sehr guter Trost oder vielleicht sogar ein Stück von einem Traum und wer weiß, vielleicht ja irgendwann doch mal der Start für das nächste Leben.
In diesem Sinne
Habe die Ehre
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