wenn jemand zuguckt
Vermutlich kennt mindestens jeder Mann diese Situation. Man steht da, die Blase drückt und… ich kann nicht, wenn jemand zuguckt. Heute habe ich festgestellt, dass dieser Satz sich auf quasi alle Lebenssituationen anwenden lässt. Es ist mehr oder minder eine universelle Formel für den Urlaub und wir werden in den nächsten Absätzen zusammen herausfinden, wie ich das auf den Tag angewendet habe. Klingt jetzt schon aufregend, oder?
Ja, ich weiß, ich find es auch nicht aufregend, aber ich mag Thementage und heute wäre die Alternative zu diesem Leitmotiv irgendwie nur sowas gewesen wie „es regnet“. Aber Regen find ich immer so… Niederschlag-end. Witzig? Nein? Okay.
Dann fangen wir eben doch so an, dass der Tag heute nicht mal ins Klo greifen konnte, weil selbst das stille Örtchen mittlerweile vom Regen weggeschwemmt wurde. Es gießt eimerweise flüssigen Sonnenschein vom Himmel. Offensichtlich kann die Sonne also schon mal nicht rauskommen, wenn jemand zusieht. Ich hab es ja gesagt, dass dieser Satz sich auf alles anwenden lässt.
Ich weiß nicht ob es am Energydrink zum Frühstück lag oder ob mein Endorphinpegel heute Happy Hour hatte, aber mir macht der Regen und das Schmuddelwetter sehr wenig aus. Klar, die großen Abenteuer passierten nicht, aber einfach mal auf einem Parkplatz rausspringen und die ersten Meter eines Wanderweges laufen? Natürlich mache ich das!

Man könnte auch sagen, dass ich nicht nichts tun kann, wenn jemand zusieht. Okay, ich lass es jetzt erstmal mit der Redensart. Zumindest bis mir beim Schreiben der nächste dumme Wortwitz dazu einfällt.
Ich glaube, dass ich insgesamt bereits eine gute „Islandsättigung“ habe und deswegen heute wirklich sehr tiefenentspannt durch das Mistwetter fuhr. Wohlwissend, dass es eben nicht für die perfekten Urlaubsfotos reichen wird und auch keine unvergessliche Wanderung entstehen wird. Es ist ja nicht so, dass Island bei Regen per se hässlich wird. Es ist halt nur nass und teils ungemütlich. Aber so ein Wasserfall ist immer noch ein Wasserfall und wenn man möchte, kann man trotzdem noch staunen.

Der Gilsárfoss fällt auch nach wie vor in die Kategorie Geheimtipp und wenn man ein halbwegs geländetaugliches Auto hat, muss man nicht auf dem Parkplatz parken und dann 20-30 Minuten gehen, sondern kann einfach den Schotterweg hochfahren und dann 5min vom Wasserfall entfernt halten. Dreimal dürft ihr raten, wofür wir uns heute entschieden haben.
Da der Wasserfall noch nicht so bekannt ist, haben wir uns auch entschieden hier den heutigen Happy Stone zu platzieren. Nachdem wir neulich in den Westfjorden ein paar Elfenhäuser zum Horde-Territorium erklärt haben, sollte heute dieser Wasserfall mit seiner Höhle zum Allianzgebiet werden.

Irgendwie auch witzig, denn in World of Warcraft ist der westliche Kontinent auch eher Hordengebiet und die östlichen Königreiche gehören mehr zur Allianz. Wir haben das mit unseren Happy Stones nun zufällig in Island genau so nachempfunden.

Das Gute, wenn es so sehr regnet, ist ja auch, dass man nicht noch nasser werden kann. In der Folge fand ich es sehr naheliegend, dass ich hinter den Wasserfall gehe. Ich mein, was sollte schon passieren? Ich war eh klitschnass. Da kann ich auch ein tolles Erlebnis draus machen.

Ich kann jedem empfehlen, mal hinter einen Wasserfall zu gehen und gegen die Lautstärke des Wassers anzuschreien oder auch nur die Wucht zu fühlen, die das kühle Nass dort erzeugt. Ein sehr erhabenes Gefühl.
Nass aber glücklich fuhren wir dann weiter in Richtung Süden. Die nächsten Stopps liefen dabei nach einem sehr einfachen Muster ab: Anhalten > Aussteigen > Foto machen > Einsteigen > Nass sein
So geschehen dann zum Beispiel am Blábjarg. Der blaue Stein, der sonst mehr grün ist und heute durch den Regen eine sehr dominierende Graunote hatte, wurde vermutlich nur knapp 6,14 Sekunden wirklich bestaunt. Dann saß ich auch schon wieder im Auto. Ich finde es irgendwie trotzdem wichtig, dass man den Sehenswürdigkeiten kurz Hallo sagt.

Es ist auch so, dass man in Island relativ viel aus der Trockenheit seines Autos erleben kann. Man muss halt nur wissen wie. Okay, der Trick ist eigentlich nur: Nicht aussteigen. Aber irgendwie machen es doch sehr viele Leute hier falsch oder kennen den Trick einfach nicht und laufen dann durch den strömenden Regen.
Wir blieben dabei, dass wir möglichst nah an eine Sehenswürdigkeit fuhren und dann im Vollsprint ein Foto machten, um dann anschließend mit der Sitzheizung wieder im kuschligen Auto zu sitzen. Unter diesem Spirit musste dann auch mal eine kleine chinesische Reisegruppe leiden, weil wir uns recht dreist vor sie stellten, um schnell unser Bild vom Wasserfall zu machen.

Ich finde es auch nett, dass man manche Wasserfälle hierzulande mit Jugendsprache benannt hat. So hieß dieser zum Beispiel „Jo alda voll der Foss“ oder in isländisch dann eben Folaldafoss.
Und weil wir gerade bei intelligenten Passagen im heutigen Reisetagebuch sind, darf ich auch anmerken, dass ich einmal doch ausgestiegen bin. Und zwar für exakt ein Schild.

Lasst mich. Ich fand es witzig und das ist schließlich mein Blog. Da darf ich auch mal dumm sein. Okay „mal“ ist vielleicht das falsche Wort. Egal – lasst uns weiter auf den Tag schauen.
Denn zum Regen gesellte sich nun mehr und mehr auch Wind. Wir zogen es dann vor, mal in gänzlich geschützte Gefilde zu wechseln und fuhren nach Djúpivogur. Dort stöberten wir ein bisschen in einem kleinen Shop mit Souvenirs. Ich weiß nicht warum wir ein „Teetuch“ brauchen, aber wir haben jetzt eins und es ist wunderschön.
Außerdem bot der Kauf die Situation, dass meine Frau dem Kassierer auf isländisch grüßt. Der gute Mann saß eigentlich recht gelangweilt dort rum und blühte richtig auf, als er sie isländisch reden hörte. Im Dauergrinsen erzählte er, dass es ihm gut geht. Er wünschte uns einen schönen Tag und war dann gleich noch mal happy, als auch das im fließenden isländisch erwidert wurde. Es mag ja sein, dass heute der Regen dominiert, aber für diesen Mann war meine Frau sehr sicher ein Sonnenschein.
Ein wenig später hielten wir dann irgendwo an einem Rastplatz und schauten eine Weile den Wellen zu, die gegen die Felsen am Strand preschten. Aus sicherer Entfernung ist es echt ein Erlebnis sowas mit anzusehen.

Bei einem Wasserfall am Straßenrand musste ich dann aber doch noch mal kurz rausspringen. Ich glaube, das gute Stück nennt sich Barkináfoss.
Wie so viele andere Wasserfälle auch, führt er zurzeit sehr viel Wasser. Der Regen vom Tag hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass er noch ein bisschen mächtiger anmutete. Grund genug für mich, mich einfach mal kurz vor ihn zu stellen und einen Moment die Naturgewalt zu genießen.

Danach sind wir nach Höfn gefahren und wollten eigentlich in einem Restaurant essen, in welchem wir 2018 schon mal waren. Das Restaurant hatte auch auf, aber wir wurden begrüßt mit „Es dauert mindestens 1,5 Stunden bis ein Tisch frei wird“. Es war gerade mal 15 Uhr und wir waren doch etwas ernüchtert, dass das nicht klappt.
Wir sortierten uns im Auto neu und fanden, dass die Straße runter ein weiteres Restaurant ist. Dort bekamen wir auch direkt einen Platz. Das Essen dort musste sich auch keineswegs verstecken. Meine Frau hatte ein Lammbein, was beim bloßen Anblick bereits zerfallen ist und ich hatte einen Steinbeißer auf Süßkartoffelpüree. Wir waren mit dem Essen fertig und schauten auf die Uhr… es wären dann immer noch 20 Minuten gewesen, bevor wir im anderen Restaurant überhaupt einen Platz bekommen hätten. Manchmal lohnt es sich, spontan nach Alternativen zu schauen.
Es war dann aber auch bei Höfn, dass ich doch noch mal den Satz „Ich kann nicht, wenn jemand zuguckt“ erleben durfte. Denn die Person im Auto vor mir, fühlte diese Aussage offensichtlich beim Fahren. Aus dem Nichts blieb er einfach auf der Straße stehen. Setzte DANACH seinen Blinker rechts und ja… ich weiß nicht so genau, was das Ziel der Aktion war. Gott sei Dank war die andere Spur frei, sonst hätte ich hier wohl berichten können, wie sich ein Auffahrunfall in Island anfühlt.
Ist leider wirklich ein Ding in Island, dass Leute, aus welchen Gründen auch immer, mitten auf der Straße stehen bleiben. Falls ihr jemals herkommt – macht das bitte nicht nach. Kein Foto und kein schöner Anblick rechtfertigt es, wenn am Ende doch mal was passiert.
Aber hey, in dem Fall ist zum Glück nichts passiert. Für uns ging es dann in die heutige Unterkunft. Als wir bei den Koordinaten ankamen, die uns die Buchungsplattform nannte, stand da durchaus der Name des Hotels aber irgendwie war es sehr… unübersichtlich. Die Aussage war, dass ab 16 Uhr eine Rezeption besetzt ist und sich um den Check-in kümmert. Wir waren 16 Uhr da und standen auf einem Farmgelände und wussten nicht mal, wo die Rezeption ist.
Wir fuhren einmal über das ganze Gelände, gingen an ein paar Türen vorbei – nichts. Irgendwann wurde es mir etwas zu blöd und ich ging in das Haus, was am meisten nach einem Wohnhaus aussah und rief einfach mal laut „Hallo?!“
Eine knubbelige Frau kam dann auf mich zu und meinte direkt, dass das Hotel schon ausgebucht ist. Ihr Englisch war so semi und es dauerte eine Weile bis wir uns drauf geeinigt hatten, dass ich bereits eine Buchung habe. Irgendwann hatten wir dann die Info, welches Zimmer unseres ist und wie wir reinkommen. Auf der Habenseite laufen hier immerhin zwei kommunikative Gänse umher, die wirklich sehr sehr lustig schnattern.

Joa und das war auch schon der Tag. Den Abend dominiert nun das Thema „Wetterwarnung“. Der isländische Wetterdienst hat eine Meldung rausgegeben, dass der Südosten des Landes morgen bis circa 15 Uhr Starkregen erleben wird. Dazu wird davor gewarnt, dass Gewässer überlaufen könnten. Letztes Jahr erlebten wir schon mal, dass so eine Wetterwarnung am Ende dazu führte, dass die Ringstraße für mehrere Tage gesperrt war. Ich hoffe schon sehr, dass uns so ein Schicksal erspart bleibt.
Wir werden wohl sehr früh aufbrechen und hoffen dadurch dem schlimmsten Teil des Unwetters wegzufahren. Dem morgigen Gastgeber haben wir gerade auch schon geschrieben, dass wir vielleicht ein bisschen eher vorbeikommen.
Daumen drücken ist also gern gesehen. Aber ehrlicherweise glaube ich, dass wir gut vorbereitet sind und am Ende wird passieren, was eben passieren wird.
In diesem Sinne
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